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Kommunikation ohne Grenzen

Günther Oettinger bei seiner Rede beim Vorarlberger Wirtschaftsforum im Bregenzer Festspielhaus.

Günther Oettinger bei seiner Rede beim Vorarlberger Wirtschaftsforum im Bregenzer Festspielhaus.

EU-Kommissar Günther Oettinger will den Ausbau des Mobilfunknetzes forcieren.

Bregenz. (VN-mip) Günther Oettinger beschreibt Alltagssituationen, um Veränderungen zu erklären. Zum Beispiel beim Mobilfunk: „Fahren Sie einmal durch die Bodenseeregion und achten Sie auf Ihr Display. Die Netze wechseln: 3G, Edge, LTE. Die Netzanbieter wechseln ebenfalls. Und Sie können sich sicher sein, dass sie dazwischen ein paar Minuten gar kein Netz haben.“ Oettinger ist aktueller EU-Kommissar für Digitalwirtschaft und ist fest überzeugt: „Nationale Grenzen sind wichtig für die Kultur, für die Identität, für die Heimat. Aber nicht für die Kommunikation. Wir brauchen eine europäische Strategie.“ Einerseits verspricht er 500 Milliarden Euro für den Netzausbau, „für die Gigabit-Gesellschaft“, wie er sagt. Andererseits müsste sich die Telekommunikationsbranche konsolidieren, heißt: weniger, dafür größere Unternehmen. „Nur die können sich den Netzausbau leisten“, ist sich Oettinger sicher.

TV-Welt ändert sich

Die Digitalisierung mache vor niemandem halt. Etwa im Bankenwesen: „Meine Mutter geht noch zweimal in der Woche zur Bank. Ich brauche nur noch den Bankomat.“ Auch die Fernsehlandschaft verändere sich schnell, wie er anhand einer weiteren Anekdote schildert: „Ich schaue noch regelmäßig ZDF. Mein Sohn nicht mehr. Der stellt sich sein Fernsehmenü einfach zusammen. Netflix-Chef Reed Hastings sagte vor zwei Jahren, dass es in zehn Jahren kein ARD oder ZDF mehr geben wird.“ Dieser Entwicklung müssten sich die Europäer stellen, fordert Oettinger.

Mehr Geld für Euronews

Zudem redet der EU-Kommissar einer gemeinsamen Medienöffentlichkeit das Wort: „Es gibt einen einzigen europaweiten Sender. Das ist Euronews, mit einem Budget von lediglich 19 Millionen Euro. Dafür sollten wir mehr Geld in die Hand nehmen. Und warum gehen Zeitungen wie die VN nicht eine Partnerschaft mit, zum Beispiel, einer Zeitung in Polen ein?“

Die Medienhäuser hätten ebenfalls mit der Digitalisierung zu kämpfen. Nächster Schwank aus dem Alltag: „Ich sitze am Flughafen und lese Zeitung. Es heißt ja Newspaper: Nachrichten auf dem Papier. Aber ich bin der Einzige, der das tut. Rund um mich haben die Leute ihre Köpfe gesenkt und schauen auf einen Bildschirm.“ Unternehmen würden sich zwar gut darauf einstellen; der ungleiche Wettbewerb, der mit der Digitalisierung einhergehe, müsse allerdings fairer werden. Konzerne wie Google, Facebook und Youtube sollen Inhalte nicht gratis zur Verfügung stellen, sondern einen Teil ihrer Werbeeinnahmen an die Urheber weiterleiten. Dies gelte für alle Bereiche der Kreativbranche.

Hoffen auf Pence

Am Ende seines Vortrags ging Oettinger auf das tagesaktuelle Geschehen ein. Zu den Wahlen in den USA sagte er:“Die Wahl ist geschlagen. Punkt.“ Jetzt gelte es, abzuwarten. Mit Rudy Giuliani und Vizepräsident Mike Pence würden sehr vernünftige Menschen an Donald Trumps Seite arbeiten: „Ich hoffe, dass Trump nicht der Versuchung erliegt, das zu realisieren, was er im Wahlkampf versprochen hat.“

Oettinger selbst stand in den letzten Tagen in der Kritik, weil er Chinesen als „Schlitzaugen“ bezeichnete. Oettinger hat sich bereits entschuldigt, auf VN-Nachfrage sagte er: „Ich will niemanden beleidigen, ich bin ein Liberaler, ich würde nie jemanden verletzen. Es sollte ein Weckruf sein, ein Weckruf zu mehr Investitionsbereitschaft.“

Nationale Grenzen sind wichtig für die Kultur und für die Identität. Aber nicht für die Kommunikation.

Günther Oettinger

Zur Person

Günther Oettinger

Geboren: 15. 10. 1953 in Stuttgart

Ausbildung: Studium Jura und Volkswirtschaftslehre in Tübingen

Laufbahn: ab 1984 Rechtsanwalt, 1988–2005 Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfer Oettinger und Partner, 2005 bis 2010 Ministerpräsident von Baden-Württemberg, 2010 bis 2014 EU-Kommissar für Energie, seit 2014 EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft. Ab 2017 EU-Kommissar für Finanzplanung und Haushalt

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