IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG!
Hier klicken und mitmachen!

Volksrepublik im Ungleichgewicht

Wirtschaftsforum-Referent Markus Rodlauer gilt weltweit als einer der profundesten Kenner der chinesischen Wirtschaft.

Wirtschaftsforum-Referent Markus Rodlauer gilt weltweit als einer der profundesten Kenner der chinesischen Wirtschaft.

China steht zwischen einem großen Wachstumsdrang und dringend notwendigen Reformen.

Bregenz. Alles, was lange Zeit künstlich am Leben gehalten wird, scheitert irgendwann. In China ist es vor allem der Finanzsektor, der zu großen Problemen für die Volkswirtschaft führen könnte, sagt Markus Rodlauer, der stellvertretende Direktor der Abteilung Asien und Pazifik des Internationalen Währungsfonds. Er gilt weltweit als einer der profundesten Kenner der chinesischen Wirtschaft und sein Ton ist etwas besorgter als in den Jahren zuvor, wenn er über China spricht. Zwar gebe es weiterhin Fortschritt, jedoch ist dieser begleitet von gemischten Gefühlen.

Investitionen in Staatsbetriebe

Positiv sei, dass das Land den Leistungsbilanzüberschuss auf zwei Prozent des BIP reduziert habe und der Export nicht mehr die Hauptmaschine der chinesischen Wirtschaft sei, jedoch habe man sich das mit binnenwirtschaftlichen Ungleichgewichten erkauft, sagt Rodlauer. Denn es sei übermäßig viel Geld in die Staatsbetriebe, die Infrastruktur und den Immobiliensektor investiert worden und China habe sich von dieser Investitionsabhängigkeit nicht mehr loslösen können. Nur um kein langsameres Wachstum akzeptieren zu müssen. Dabei seien die Staatsbetriebe deutlich weniger produktiv, wohingegen der Dienstleistungssektor stark wachsend ist. „Der ineffiziente Staatssektor frisst alle Ressourcen. Diese sollte man besser für produktivere Sektoren freisetzen“, sagt Rodlauer.

Sorgen um Kredite

Zudem bereitet ihm das Kreditwachstum große Sorgen. „Die Größe und Komplexität des Finanzsektors nimmt zu. Er wird immer undurchsichtiger. Die Qualität der Kredite sinkt“, begründet er. Insgesamt sei der Bestand an Unternehmenskrediten sehr hoch und es gebe die Sorge, was die Kredite überhaupt finanzieren. „Eine Einheit eines Kredites sorgt nur noch für ein Drittel des Wachstums wie noch vor zehn Jahren“, betont Rodlauer. Zudem gebe es im Finanzsektor immer mehr Schattenprodukte, die oft nicht von der Finanzaufsicht überwacht würden. Das könnte gefährlich werden. Und es würde immer mehr Kapital abfließen, weil es für Chinesen mehr Möglichkeiten gebe, ihr Guthaben ins Ausland zu verlagern. Positive Fortschritte gebe es zumindest bei der Währungspolitik. Denn von der historisch starken Bindung an den US-Dollar habe man sich nun etwas losgelöst. „Wir hoffen auf einen flexiblen Wechselkurs. China braucht eine eigene Geldpolitik“, so Rodlauer.

Für heuer erwartet der Währungsfonds ein Wachstum von 6,7 Prozent für China, kommendes Jahr sind 6,5 Prozent prognostiziert. Danach hänge alles von der Reformbereitschaft der chinesischen Regierung ab. Das heiße auch, zunächst ein verlangsamtes Wachstum hinzunehmen. Ansonsten drohe eine Abwärtskorrektur, die im schlimmsten Fall auch in einer Finanzkrise enden könnte. Insgesamt ist er für China „vorsichtig optimistisch“. Aber die Volksrepublik habe zum einen bereits einen Reformplan und zum anderen bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass es einen Weg finden kann. Gefährdet wären dann aber viele Arbeitsplätze. Denn bereits bei der letzten großen Reform der Staatsbetriebe Ende der 90er-Jahre wurden Millionen Beschäftigte freigesetzt.

Bei der Bewertung von China ist unser Ton aktuell besorgter als noch in den Jahren zuvor.

Markus Rodlauer

Zur Person

Markus Rodlauer

stellvertretender Direktor Abteilung Asien und Pazifik des Internationalen Währungsfonds

Ausbildung: Studien an der Uni Innsbruck, Diplomatischen Akademie Wien, George Washington University

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.