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VN-Interview. Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (61)

„Es gibt aber nach wie vor Potenzial“

von Geraldine Reiner
Die Förderungen des Landes sollen laut Rüdisser auch in Zukunft ermöglichen, attraktive Angebote mit besonderer Erlebnisqualität für die Gäste zu schaffen.  Foto: L. Berchtold

Die Förderungen des Landes sollen laut Rüdisser auch in Zukunft ermöglichen, attraktive Angebote mit besonderer Erlebnisqualität für die Gäste zu schaffen. Foto: L. Berchtold

Landesstatthalter Rüdisser über das Wintersportland Vorarlberg und die Herausforderungen der Zukunft.

Bregenz. (VN-ger) Warum Vorarlberg am Ziel einer leistbaren, landesweiten Skikarte weiterhin festhalten sollte und die qualitative Verbesserung bestehender Skigebiete im Fokus des Tourismusleitbilds steht.

Seit zwei Jahren gibt es eine Saisonkarte für 30 Skigebiete in Vorarlberg. Haben sich die Erwartungen an die „Ländle Card“ erfüllt? Wo sehen Sie noch Potenzial?

Karlheinz Rüdisser: In Vorarlberg werden seitens der Seilbahnwirtschaft in verschiedenen Tourismusregionen, wie zum Beispiel im Montafon, Bregenzerwald und am Arlberg seit vielen Jahren regionale Saisonkarten und Skipässe angeboten, die durch ihre Ausdehnung und Vielfalt die Bedürfnisse vieler Besucher abdecken. Kooperationen werden auf regionaler Ebene umgesetzt, um bestmöglich auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse reagieren zu können. In Ergänzung dazu gibt es die „Ländle Card“, die das Gesamtangebot in Vorarlberg abrundet und ein übergreifendes Angebot darstellt. Die Nachfrage nach solchen Tarifangeboten ist groß, weil verschiedene Skigebiete genutzt werden können. Es gibt aber nach wie vor Potenzial. Insbesondere sollten wir am Ziel einer leistbaren, landesweiten Skikarte festhalten, die nicht nur für die einheimische Bevölkerung attraktiv wäre, sondern auch für unsere potenziellen Gäste im Einzugsbereich unserer Skigebiete.

Stichwort: Fachkräfte im Tourismus. Eine breite Koalition im Land forderte von Minister Stöger neue Voraussetzungen für künftige Saisonkontingentverordnungen für Vorarlberg. Sind Sie mit der Entscheidung zufrieden?

Rüdisser: Die praxisfremden Einschränkungen im Rahmen der Genehmigungskontingente für die befristete Beschäftigung von Ausländern im Tourismus haben die Betriebe in der Praxis vor große Probleme gestellt. Erfreulicherweise ist es nach intensiven Gesprächen gelungen, für die bevorstehende Wintersaison eine wesentlich praxisfreundlichere Regelung zu finden. Vor dem Hintergrund der fehlenden Arbeitskräfte ist es aber wichtig, dass in Zukunft in Vorarlberg keine weiteren Kürzungen der Kontingentplätze mehr erfolgen.

Vor vier Jahren wurde die Tourismusstrategie 2020 präsentiert. Lassen sich die Anstrengungen bereits in Zahlen messen?

Rüdisser: Die Tourismusstrategie 2020 wird in enger Abstimmung zwischen Land, Wirtschaftskammer, Vorarlberg Tourismus und Partnern aus Tourismus und anderen Branchen umgesetzt. Die Bestrebungen, in den Bereichen Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit eine führende Position in Europa einzunehmen, sind ein Ziel, das wir mit großem Engagement verfolgen. Die Zusammenarbeit im touristischen Netzwerk und mit anderen Branchen wurde deutlich gestärkt. Wichtige Projekte, wie das neue Bildungssystem oder das Projekt „Gastgeben auf Vorarlberger Art“, werden ebenso mit großem Engagement umgesetzt wie Projekte in den verschiedenen Regionen. Die Entwicklung der Ankünfte und der Nächtigungszahlen bestätigt, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Erfreulich ist vor allem auch, dass die Ergebnisse der deutschen Reiseanalyse dem Tourismus in Vorarlberg genau in jenen Bereichen ein sehr gutes Zeugnis ausstellen, die zu den Kerninhalten der Tourismusstrategie gehören.

100 Millionen Euro wurden heuer allein in den Vorarlberger Skigebieten investiert, das sind 50 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Ein Umstand, der nicht von allen Seiten gutgeheißen wir . . .

Rüdisser: Vorarlberg ist ein Tourismusland mit hoher Wintersportkompetenz. Um Einheimischen und Gästen ein qualitativ hochwertiges Angebot bieten zu können, investiert die Seilbahnwirtschaft erfreulicherweise ganz massiv in die Modernisierung von Seilbahnen und die Verbesserung bzw. den Ausbau der Beschneiung. Diese Investitionen sind enorm wichtig, um als Wintersportdestination im dynamischen, internationalen Wettbewerb bestehen zu können und die touristische Wettbewerbsfähigkeit Vorarlbergs langfristig zu stärken. Diese Investitionen stehen aber auch im Einklang mit dem Tourismusleitbild des Landes Vorarlberg, das die qualitative Verbesserung bestehender Skigebiete im Fokus sieht und auf die Erschließung neuer Skigebiete verzichtet.

Kleinere Skigebiete kämpfen zunehmend ums Überleben, dadurch gehen auch zwangsläufig die Übungshänge verloren. Inwieweit kann die geplante Förderung diesem Trend entgegenwirken?

Rüdisser: Vorarlberg ist ein Wintersportland. Unser Ziel muss es daher sein, Kinder und Jugendliche möglichst früh als Kunden von morgen für den Wintersport zu begeistern. Dazu leisten die Liftanlagen in den kleinen Skigebieten einen ganz wichtigen Beitrag. Diese sind in der Regel mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht und rasch erreichbar und bieten die Möglichkeit, im Nahbereich des Wohnorts den Skisport auszuüben. Mit der neuen Förderung für Kleinstskigebiete, die zusammen mit der Fachgruppe der Seilbahnen angeboten wird, kann ein wichtiger Beitrag für den Erhalt solcher Strukturen, die eine Art Nahversorgung darstellen, geleistet werden.

Die Menschen verreisen öfter, bleiben dafür weniger lange – mehr Verkehr ist da automatisch vorprogrammiert. Was bedeutet das für die Verkehrsplanung im Land?

Rüdisser: Diese Entwicklung kann dazu führen, dass sich die Verkehrsströme zeitlich entflechten, andererseits ist die Veränderung des Reiseverhaltens mit einer höheren Zahl von Gästen verbunden, die das Verkehrsvolumen insgesamt steigen lassen. Wir sind daher mit großen Herausforderungen konfrontiert und gefordert, die Erreichbarkeit der Tourismusregionen weiter zu verbessern, die Angebote für eine nachhaltige Mobilität zu attraktivieren sowie die Bemühungen zu verstärken, aus Tagesgästen Urlaubsgäste zu machen.

Ab Herbst 2017 gibt es in Vorarlberg eine neue Privatschule, in der ein komplett neues Ausbildungskonzept umgesetzt wird. Jetzt fehlt nur noch der passende Schulneubau. Wann und wo wird dieser entstehen?

Rüdisser: Das Land Vorarlberg hat einen externen Auftrag vergeben, mit dem Ziel, ein Gebäudekonzept zu entwickeln, das sowohl die Umsetzung der Vision eines neuen Ausbildungskonzeptes erlaubt, als auch den Bedürfnissen einer zeitgemäßen Bildungsstätte für die duale Ausbildung gerecht wird. Aufgabe ist es auch, die verschiedenen Standortvorschläge zu evaluieren und damit eine gute Grundlage für eine nachvollziehbare Standortentscheidung zu treffen. Diese Arbeiten laufen derzeit und sollen im ersten Halbjahr 2017 abgeschlossen werden. Danach können die Detailplanungen in Angriff genommen werden.

Mit welchen Impulsen soll das Urlaubsland Vorarlberg künftig weiter gestärkt werden?

Rüdisser: Wir werden den Weg der Tourismusstrategie 2020 in den kommenden Jahren konsequent fortsetzen und bemüht sein, für die Tourismuswirtschaft in unserem Land optimale Rahmenbedingungen bieten zu können. Dazu gehören Maßnahmen im Bildungsbereich ebenso wie die Schaffung attraktiver Arbeitsplätze für Mitarbeiter. Die Förderungen des Landes sind darauf ausgerichtet, auch in Zukunft Impulse für Qualitätsverbesserungen in Betrieben und privaten Unterkünften zu geben und über die Tourismusdestinationen attraktive Angebote mit besonderer Erlebnisqualität für unsere Gäste zu schaffen.

Wir sind mit großen Herausforderungen konfrontiert, die Erreichbarkeit weiter zu verbessern.

Karlheinz Rüdisser

Zur Person

Karlheinz Rüdisser

Landesstatthalter

Geboren: 25. Februar 1955

Familie: verheiratet, eine Tochter, zwei Söhne

Ausbildung: Matura an der Handelsakademie Bregenz, Studium der Handelswissenschaften an der WU Wien

Laufbahn: Wirtschaftsabteilung des Landes (1980–1986), Leiter der

Wirtschaftsabteilung (1986–2008), Vizebürgermeister Lauterach (1995–

2008), Landesrat (2008–2011), seit Dezember 2011 Landesstatthalter

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