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Kommentar

Hans Concin

Zukunft des Hausarztes

Immer weniger junge Ärzte streben eine Tätigkeit als Hausarzt an und das, obwohl in den nächsten zehn Jahren mehr als die Hälfte der niedergelassenen Allgemeinmediziner in Pension geht. Doch gute Hausärzte garantieren die beste, schnellste und kostengünstigste Medizin. Der Verlust von wohnraumnahen Familienärzten bedeutet in Zukunft für Patienten eine deutliche Verschlechterung der medizinischen Versorgung und für die Politik eine deutliche Verteuerung der Gesundheitskosten.

 

Warum ist heute eine Allgemeinpraxis für junge Ärzte nicht mehr attraktiv? Es sind viele gut nachvollziehbare Gründe: Die Arztpraxis mit Kassenvertrag ist eine „Einbahn-Sackgasse“. Die junge Ärztin, und es sind heute zur Hälfte Frauen, die im Spital in Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin sind, wollen und können sich nicht auf Jahrzehnte binden. Die Annahme eines Kassenvertrages ist mit relativ großen Investitionen verbunden, die üblicherweise mit Krediten finanziert werden. Diese Kassenarztpraxis kann aber nicht verkauft werden. Wird die Stelle zurückgelegt, wird sie neu ausgeschrieben, der Nachfolger ist in keiner Weise verpflichtet, Räumlichkeiten und Investitionen zu übernehmen. Auch für die dynamische Lebensplanung von Partnern und Familie ist dieses unflexible Modell unattraktiv.

 

Ein weiterer Grund ist die nicht optimale Ausbildung für diese Tätigkeit. Schon im Studium ist die Ausbildung facharzt- und spitalsfokussiert. Dabei hat sich die Spitalsmedizin deutlich von der Hausarztmedizin entfernt. Die Differenzierung von niedergelassener und stationärer Medizin, die auch gesetzlich gefordert wird, macht absolut Sinn. Für die Ärztin, den Arzt im Spital bedeutet es jedoch, dass sie sich für ihre künftige Tätigkeit als Familienärzte beim Start nicht ausreichend kompetent fühlen. Auch die Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften für die Praxis, Hygienevorschriften, Personalführung und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen werden im Spital nicht vermittelt. Ärzte wollen in Zukunft auch mehr Freizeit. Durchschnittlich arbeiten sie dann immer noch mehr als die meisten Akademiker. Wie jeder Unternehmer muss sich der niedergelassene Arzt seinen Urlaub selbst verdienen, aber – wenn er mehr Urlaub macht „steht der Betrieb“ und sämtliche Praxiskosten einschließlich Personal laufen weiter.

Wir brauchen dringend eine mehr hausarztzentrierte Ausbildung und flexiblere Arbeitsbedingungen für niedergelassene Allgemeinmediziner. Honorierte Lehrarztpraxen sind ein Lösungsansatz, solange wir noch erfahrene Ärzte haben, die in ihrer Praxis bereit sind, ihr breites medizinisches und psychosoziales Wissen weiterzugeben und damit der Bevölkerung den Hausarzt retten.

redaktion@vorarlbergernachrichten.at
Prim. a. D. Dr. Hans Concin, Präsident aks Verein

Ausbildung und Rahmenbedingungen müssen den heutigen Gegebenheiten angepasst werden.

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