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VN-Interview. Alfried Längle, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse

„Kein Mensch mag Sinnloses tun“

Alfried Längle

Alfried Längle

Das Licht in der Führung lautet der Titel des Workshops von Professor Alfried Längle im Freihof in Sulz.

Workshop. (cro) Führung kann u. a. rein sachlich, matt, alltäglich und gewöhnlich sein – oder aber sie kann leuchten, Licht ins Unternehmen bringen. Welche Möglichkeiten des Einsatzes von Werten und des Auffindens von Sinn in der Führung es gibt, weiß der gebürtige Götzner Alfried Längle, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse in Wien, Coach und Trainer im Bereich Leadership.

Wert und Sinn ist ein Thema, das für Arbeitnehmer immer wichtiger wird. Sinnerfüllende Arbeit steht über dem Finanziellen. Inwiefern setzen (Vorarlberger) Unternehmen diesen Gedanken schon um?

Längle: Kein Mensch mag Sinnloses tun – wir behaupten sogar: Kein Mensch kann überhaupt freiwillig etwas tun, das ihm sinnlos erscheint. Wenn die Arbeit aber keinen Sinn mehr abwirft, was kann dann noch Sinn ergeben? Meistens ist es dann das Geldverdienen oder die Machtgeilheit. Doch beides erfüllt nicht, macht auf Dauer nicht zufrieden, so nützlich oder erfolgversprechend es auch ist. Erfüllender Sinn muss eben mit der Arbeit selbst zu tun haben, mit den Inhalten, dem Wert dessen, was man tut. Ich habe den Eindruck, dass man in Vorarlberg für diese Fragen immer schon sehr offen war – aber es gibt noch genug zu tun, um dieses Verständnis weiter zu verbreiten und die Umsetzung zu optimieren.

Wie kann es Führungskräften gelingen, diese Werte in die tägliche Arbeit einzubauen?

Längle: Erstens müssen Führungskräfte selbst davon überzeugt sein und vom Wert dessen, was sie tun und was die Mitarbeiter tun, angesprochen sein. Sie müssen fühlen können, wie gut und wichtig die Sachen sind, wie wertvoll die Projekte, wie hilfreich, förderlich und befriedigend die gute Zusammenarbeit und Beziehung unter den Mitarbeitern ist. Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter nicht mögen oder sie nicht dabei haben wollen, sind falsch am Platz – oder die Mitarbeiter . . . Zweitens haben sie die Aufgabe, den Wert, den die jeweiligen Tätigkeiten haben, auch gut zu vermitteln, im Dialog zu besprechen, abzustimmen mit den anderen Mitarbeitern und ein Team zu bilden.

Chefs und Führungskräfte stehen unter wirtschaftlichem Erfolgsdruck. Inwiefern leiden „höhere Werte“ wie das Sinnstiftende darunter?

Längle: Der Erfolgsdruck macht blind, erzeugt manchmal Panik. Man bekommt Angst. Man fixiert sich auf den Erfolg und krallt sich fest an ihm, will ihn erzwingen, weil man ihn braucht. Das ist genau der falsche Weg. Wenn Führungskräfte diesen Weg gehen, sind sie schwache Führungskräfte, denn es geht ihnen nicht um die Mitarbeiter.

Und der richtige Weg?

Längle: Erfolg kann man nicht machen. Man kann etwas dazu beitragen, das stimmt natürlich. Erfolg kommt nicht von alleine. Aber Erfolg kann nicht erzwungen werden. Er braucht zwei Dinge: Einsatz und dann Gelassenheit. Wenn jemand in Panik gerät, wird er auch blind für die „höheren Werte“, schaut nur noch auf den Nutzen und sieht nicht mehr den Wert und Sinn, die Zwischenmenschlichkeit, die Verbundenheit, die Rücksicht, die Bedürfnisse.

Könnte sich die (mittel-)europäische Wirtschaft durch das Kreieren neuer Werte von anderen Kontinenten (Asien, USA) abheben?

Längle: Ja, das ist ein wunderbarer Vorschlag! Dass wir uns nicht nur ethisch korrekt verhalten in der Produktion und keine Ware aus Kinderarbeit und nichtversicherten Arbeitsverhältnissen akzeptieren, sondern auch den Faktor Sinn und Werte in der Arbeit als Standard aufbauen! Hoffentlich regt dieses Interview dazu an!

Inwieweit können die Mitarbeiter zu einem sinn- und wertstiftenden Klima im Betrieb beitragen?

Längle: Auch den Mitarbeitern fällt ein Teil an diesem Gemeinschaftsprojekt zu. Jeder ist angehalten, selbst danach zu trachten, Sinn und Wert in seiner Arbeit zu finden und andernfalls es zum Thema zu machen – sowohl bei den Kollegen als auch bei den Vorgesetzten, damit die ihrer Führungsaufgabe besser nachkommen können und die Information bekommen, wo es mangelt.

Was ist der Schwerpunkt Ihres Workshops in der Pionierbasis? Was bewegt Sie, vor Führungskräften über „Wert und Sinn“ zu referieren.

Längle: Ich möchte sowohl über den persönlichen Anteil an dem Thema Sinn und Werte als auch über die Aufgabe der Leadership-Persönlichkeit und ihren speziellen Beitrag sprechen. Wir können in optimalen Betriebsverhältnissen oder in schwierigen Bedingungen stehen. Beides gibt es in Vorarlberg. In jedem Fall ist „jeder seines Glückes Schmied“. Jeder ist aufgefordert, sich selbst zu beteiligen an den Aufgaben, Anforderungen und Angeboten des Arbeitslebens. Neben diesem persönlichen Aspekt und den Möglichkeiten, die jeder hat, soll es auch um ein besseres Verstehen der Zusammenhänge gehen, so dass man seine eigene Kreativität besser entfalten kann. Denn durch das Verstehen kommt „Licht“ in den Alltag, durch das persönliche Engagement wird es auch warm. Ein Bild für die nahende Adventszeit, die auch in der Arbeitswelt stattfinden kann.

Termin

Das Licht in der Führung

Wann: Mittwoch, 23. November, um 17.15 Uhr

Ort: Freihof Sulz

Kosten: 120 Euro

Anmeldung: bis Mi., 16. November, unter martin.meusburger@pionierbasis.com oder Tel. 0699 10520400

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