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Ein großer Aufsteiger als Einspringer

von Fritz Jurmann
Das Julia-Fischer-Quartett ließ das Publikum an seiner Freude am Musizieren teilhaben.  Schubertiade  
Das Julia-Fischer-Quartett ließ das Publikum an seiner Freude am Musizieren teilhaben. Schubertiade  

Schubertiade: Tenor Mauro Peter und das Julia-Fischer-Quartett begeisterten.

Schwarzenberg. Alles hat damit begonnen, dass der 27-jährige Luzerner Tenor Mauro Peter bei der Schubertiade 2012 als Einspringer für Anja Harteros mit Schuberts „Müllerin“ debütierte und zur Sensation dieser Saison wurde. Inzwischen hat er hier auch einen Auftritt mit Angelika Kirchschlager und eine respektable „Winterreise“ vorgelegt, bei Harnoncourts Zyklus von Mozarts Da-Ponte-Opern in Wien prestigeträchtig reüssiert. Für den abgesagten Auftritt von Elisabeth Kulman am Montag hat niemand die Karten zurückgegeben, denn der Einspringer hieß wieder – Mauro Peter. An der noch gereiften Schönheit seiner Stimme, deren perfekter Beherrschung im bruchlosen Registerwechsel bis in imponierend leichte Höhen gibt es nichts zu deuteln. Gleich im Schubertblock demonstriert er das bei „Nacht und Träume“ mit einem aus dem Nichts heraus entstehenden Crescendo, das zum großen Legatobogen wird.

Etwas weniger wohl scheint er sich bei Gesängen von Brahms zu fühlen, dagegen verpasst er den Mörike-Liedern von Hugo Wolf den notwendigen Schuss Ironie. Hier tritt auch sein Lehrmeister Helmut Deutsch in den vielsagenden Vor- und Nachspielen aus seiner Begleiterrolle.

Glatt und unverbindlich

Etwas anderes ist momentan noch die Präsentation von Peters Darbietung, die in ihrer stets lächelnden Jungenhaftigkeit oft noch etwas glatt wirkt. Man kann nicht immer Everybody’s Darling sein, der sich dem Publikum „auf den Schoß setzt“. Eine stärkere Profilierung wird sich aber mit zunehmendem Alter sicher einstellen. Schon jetzt gebührt ihm jedenfalls größte Hochachtung allein für Schumanns gefürchtete „Mondnacht“, die er noch als dritte Zugabe makellos in den Raum setzt.

Am Abend dann erneut ein aufregendes Debüt im überbuchten Saal. Die Münchnerin Julia Fischer (31), ein überragendes Geigentalent der jüngeren Generation, stellt mit ihrem erst seit drei Jahren bestehenden Quartett vieles in den Schatten, was man hier gehört hat. Die drei exzellenten Musiker aus Russland, Deutschland und der Schweiz, die Fischer als brillant dominante Primaria um sich geschart hat, pflegen mit ihr einen großen, gemeinsamen Atem. Sie lassen aber auch das Publikum teilhaben an ihrer Freude am gemeinsamen Musizieren. Da gibt es immer wieder ein Lächeln, eine Grimasse. Das wird am Schluss zur Gaudi, wenn zwei der Musiker ihre Noten für die Zugabe in der Garderobe vergessen haben und zu alledem dem Bratschisten der Stuhl unterm Hintern wegkracht.

In erster Linie aber ist das Spiel des Quartetts von Ernsthaftigkeit bestimmt, die das ins Zentrum gerückte Schostakowitsch-Quartett Nr. 8 in c-Moll auch zum geistigen Mittelpunkt des Konzerts werden lässt. Was der Komponist da im Gedenken an die Opfer des Krieges ersonnen hat, erfährt eine beklemmend dichte Wiedergabe in satten, dunkelgrauen Tönen und einem verlöschenden Schluss. Beethovens leidenschaftliches Quartett in c-Moll und Schumanns klangvolles in A-Dur bilden den Rahmen. Das Publikum ist hingerissen und erhält zwei Encores von Martinu und Mendelssohn.

Schubertiade heute: 16 Uhr
Modigliani Quartett; 20 Uhr Soile Isokoski (Sopran), Ilkka Paananen (Klavier)

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