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Nach dem Motto „Krieche ich zu Kreuze, bin ich kaputt“

Manfred Krug als Robert Liebling.  Foto: DPA

Manfred Krug als Robert Liebling. Foto: DPA

Schauspieler Manfred Krug ist tot – nach einem bewegten Leben in Ost und West.

Berlin. Er war „Tatort“-Kommissar, der Anwalt aus „Liebling Kreuzberg“ und zu DDR-Zeiten ein Star der DEFA-Filme: Wie erst jetzt bekannt wurde, starb Manfred Krug am vergangenen Freitag im Alter von 79 Jahren im Kreise seiner Familie in Berlin.

Zuletzt war es stiller geworden um den in Ost wie West erfolgreichen Schauspieler. Krug hatte sich anders als viele Schauspielerkollegen mit dem Rentenalter aus dem Geschäft zurückgezogen. Und er war zufrieden damit: „Ich habe nichts zu jammern“, sagte Krug im April 2013, als er an der Seite seiner Frau Ottilie im Roten Rathaus in Berlin das Bundesverdienstkreuz bekam. Manfred „Manne“ Krug, optisch ein bisschen die deutsche Antwort auf den glatzköpfigen „Kojak“. Er war nicht nur ein knorriger Schauspieler, sondern auch Autor und Musiker, ein Multitalent. Der gebürtige Duisburger kam als Kind mit seinem Vater 1949 in die gerade entstehende DDR. 1977 ging er nach seinem Protest gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermanns in den Westen, wo er seine Karriere fortsetzen konnte. Krug war gelernter Stahlschmelzer. Aber er sagte einmal über sich, er sei „als Schauspieler auf die Welt gekommen“.

Ein Zeitdokument

In der DDR war er der „Tausendsassa der DEFA-Filme“, wo er in den Babelsberger Studios seit 1961 unter Vertrag stand. Da gab es auch mal den einen oder anderen „schrecklichen Film“, wie er sich erinnert. Auch im Fernsehen seien es anfangs „oft klägliche agitatorische Ost-West-Stücke“ gewesen, wie er in seinem „Bilderbuch“ schreibt. „Aber ich wollte lernen, ich wollte spielen, ich wollte mich zeigen.“ Von 1984 bis 2001 als brummiger wie musikalischer „Tatort“-Kommissar Stoever in Hamburg. Als „Liebling Kreuzberg“ spielte er den populären Anwalt, der ein Herz für die kleinen Leute hat.

Wie vom Donner gerührt war der ansonsten eher unerschrockene Schauspieler, als der 1965 gedrehte Frank-Beyer-

Film „Spur der Steine“ mit Krug als aufmüpfig-

anarchis-

tischer Baubrigadier von der SED verdammt wurde. „Meine bis dahin schönste Rolle – futsch.“ Der Film habe „zwei Sorten Elend“ in der DDR gezeigt, wie Krug in seinen Erinnerungen schrieb: „Die verheuchelte Parteimoral einerseits und die katastrophalen Arbeitsvoraussetzungen andererseits.“ Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Biermann-Ausbürgerung im November 1976. Nach dem massenweisen Künstlerprotest, dem sich auch Krug angeschlossen hatte, wurde der Schauspieler beruflich kaltgestellt und von Stasi-Leuten verfolgt. Zum Thema Stasi hatte Krug eine eindeutige Haltung, er war gegen einen Schlussstrich unter die Stasi-Akten, auch nach über 20 Jahren nach dem Mauerfall. „Die sollen sich ruhig noch eine Weile gruseln davor, dass da noch was rauskommen kann.“ Das inzwischen legendäre Protest-Treffen gegen die Biermann-Ausbürgerung 1976 mit Künstlern und Schriftstellern wie Christa Wolf,
Stefan Heym, Hilmar Thate und Jurek Becker in Krugs Haus mit dem SED-Politbüromitglied Werner Lamberz nahm er auf Tonband auf, heute ein einzigartiges Zeitdokument. Krug veröffentlichte das Protokoll und
seine Erinnerungen daran 1996 unter dem Titel „Abgehauen“, was vom Regisseur Frank Beyer später verfilmt wurde. An seine Übersiedlung in den Westen 1977 erinnerte sich Krug noch sehr genau: „Ich hatte Angst, die größte Angst in meinem Leben. Nochmal von vorn anfangen? Aber krieche ich zu Kreuze, bin ich kaputt. Krieche ich nicht, machen sie mich kaputt.

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