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Kommentar

Walter Fink

Ein ganzes Dorf spielt Theater

Es ist schon erstaunlich, dass es in Vorarlberg ein Dorf gibt, in dem seit eineinhalb Jahrhunderten Theater gespielt wird. Und das fast ohne Unterbrechung. Zudem: Es gibt praktisch keine Familie im Dorf, die nicht irgendwann einmal an einer Theateraufführung beteiligt war, als Spielerin oder Spieler, als Regisseur, als Dekorationsmaler, als Kostümbildnerin, als Schreiner am Bühnenbild, als Souffleuse, als Kassier oder Kartenabreißer – oder als was immer sonst. Irgendwann hatten alle mit dem Theater zu tun. Und das hat natürlich Auswirkungen.

 

Da muss man sich mit dem Text auseinandersetzen, man muss ihn auswendig lernen, da muss man mit Menschen, die man kennt und mag – oder auch nicht – auf der Bühne agieren, da muss man sich Anweisungen fügen, da muss man mitreden, welches Stück gespielt werden soll. Kurz: Da beschäftigt man sich auf vielfältigste Weise mit dem Theater und damit natürlich auch mit Literatur. Und wenn das ein Dorf über 150 Jahre macht, dann ist das spürbar. Ich meine seit langer Zeit, dass man das in Bizau, dem Theaterdorf, spürt.

 

Bizau ist ein Sonderfall. Nicht nur weil man hier schon so lange spielt, sondern weil am Beginn des Theaters ein Dichter stand: Gebhard Wölfle – „Landwirt, Schreiner, Mechaniker, Fotograf, Brunnenmacher, Buchbinder, vor allem aber auch Dichter, Schriftsteller und Theatermacher“, wie ihn Kurt Greussing in der Festschrift zum Jubiläum beschreibt. Wölfle hat nicht nur viele Gedichte in Bregenzerwälder Mundart, sondern auch Stücke für das Theater geschrieben. Er hat auch – historisch besonders wichtig – eine handgeschriebene Theaterchronik der Jahre 1864 bis 1871 verfasst. Und nach ihm haben das andere weiter getan, bis in die heutige Zeit. Womit das Theater in Bizau umfangreich dokumentiert ist. Die schon erwähnte Jubiläumsschrift setzt diese Tradition fort, indem über alle Stücke, die seit 1946 aufgeführt wurden, genau Buch geführt wird.

 

Die Veranstaltungen zum Jubiläum sind nun fast alle abgeschlossen – und es war ein gutes Jahr. Hoffentlich so gut, dass die Bizauer Theaterleute das als Auftrag für die Zukunft verstehen.

Eine Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit dem Theater im Bregenzerwald gibt es noch: Im Egg Museum läuft noch bis Mittwoch die Ausstellung zu „150 Jahre Amateurtheater im Bregenzerwald“. Da sieht man nicht nur, was die Bizauer, sondern die Wälder überhaupt gemacht haben.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

Es war ein gutes Jahr. Da sieht man nicht nur, was die Bizauer, sondern die Wälder überhaupt gemacht haben.

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