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An Wiener Bühnen. Georg Friedrich Haas hat „Das kleine Ich bin ich“ vertont

Alles ist gut, nichts aber ist hier lieblich oder gar kindisch gehalten

„Das kleine Ich bin ich“ nach Mira Lobe und Susi Weigel, vertont von Georg Friedrich Haas, läuft im Dschungel Wien. Foto: Nurit Wagner-Strauss

„Das kleine Ich bin ich“ nach Mira Lobe und Susi Weigel, vertont von Georg Friedrich Haas, läuft im Dschungel Wien. Foto: Nurit Wagner-Strauss

„Das kleine Ich bin ich“ kennt in Österreich praktisch jedes Kind. Diesem Musiktheater wäre das zu wünschen.

Wien. Nachdem das neue Werk des in Tschagguns aufgewachsenen Komponisten Georg Friedrich Haas bereits im Juli am Salzburger Mozarteum konzertant gespielt wurde, ist „Das kleine Ich bin ich“ nun also erstmals in einer szenischen Aufführung zu sehen. Dabei gehen die Inszenierung von Michael Scheidl und Haas’ Musik einen charmanten Paartanz ein, der die kleinen Besucher mitnimmt, ohne je anbiedernd zu sein. So wird die Reise des kleinen, bunten Wesens auf der Suche nach seiner Identität, die es vom Frosch über die Fische, von der Wiese in die Stadt führt, mit Masken und Handpuppen und Videos gestaltet, die sich an den Zeichnungen von Mira Lobes künstlerischer Partnerin Susi Weigel orientieren.

Und da man das 1972 erschienene Kinderbuch nicht nur als Suche nach der eigenen Identität, sondern auch als Weg einer individuellen Integration lesen kann, gibt es die Wien-Modern-Uraufführung nicht nur auf Deutsch. Zwei Vorstellungen sind auf Farsi respektive Arabisch angesetzt. Gleich bleibt dabei, dass das junge Publikum stellenweise zum Mitsprechen aufgefordert ist. Denn zum Mitsingen gibt es nichts. Peter Gruber führt in der deutschen Fassung als Erzähler durch Lobes Text, während Franziska Adensamer das kleine Wesen pantomimisch darstellt. Haas schafft also keine Kinderoper im engeren Sinne, sondern vielmehr ein Musiktheater, das kleine Zuhörer an seine Klangwelten heranführt. Denn seine musikalische Sprache hält der 63-Jährige, der „Das kleine Ich bin ich“ für seine jüngste Tochter geschrieben hat, unverändert bei. Nichts ist hier lieblich oder kindisch gehalten. Stattdessen kann das Klangforum Wien mit dem typischen, streicherbasierten Grundrauschen, langen Läufen und Oberton-gefärbten Klangmustern einen echten Haas interpretieren. Dazu gibt es im Stile von Prokofjews „Peter und der Wolf“ ein wenig Instrumentenkunde, sind viele der Tiere, die das kleine Ich auf seiner Reise trifft, doch lautmalerisch gezeichnet, wenn es für die Hunde Klarinettenkläffen, für die Nilpferde Tubatröten gibt.

Dieses Werk bleibt nicht die einzige Arbeit von Georg Friedrich Haas bei der heurigen Wien-Modern-Ausgabe. Insgesamt sind fünf Stücke des Komponisten im Verlauf des Festivals zu hören, darunter die Uraufführungen seines 9. Streichquartetts und des gemeinsam mit seiner Ehefrau Mollen Lee Williams-Haas geschaffenen „Hyena“ am 12. November im Konzerthaus.

Weitere Aufführungen bis 1. November. www.dschungelwien.at

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