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Kommentar

Walter Fink

Ein Leben für Wort und Bild

Im August 1973 schrieb Hans Haider, der damals profundeste Literaturkritiker Österreichs, in der „Neuen Vorarlberger Tageszeitung“ über Ingo Springenschmid: „Die Alltagssprache bis zur Aufgabe der Verständigungsmöglichkeit zu strapazieren, heißt: ihrer habhaft werden, sie sich unterordnen. Die Übungen sind nicht harmlos, das Spiel ist Ernst. Denn die Welt jedes Menschen ist so groß, wie weit seine Sprache reicht.“ Die Rede ist hier vom ersten Buch von Ingo Springenschmid, „Tische – Maximen und Ausreden“, das im Rahmen der Reihe „Zeitwörter“ in der Vorarlberger Verlagsanstalt aufgelegt wurde. Ich hatte damals die Freude, dieses Projekt – und damit das erste Buch von Ingo Springenschmid – zu betreuen. Es war der Anfang einer Vielzahl von Arbeiten, die Springenschmid auf der literarischen oder bildnerischen Ebene auf den Weg brachte. Vor einigen Tagen ist Ingo Springenschmid gestorben.

Es war erstaunlich, wie schnell Springenschmid, der erst 1970 von Salzburg nach Vorarlberg kam, bei uns ein wichtiger Name im kulturellen Leben wurde. Anfangs vor allem im Oberland, im Kreis um die Galerie Seebacher und die Propstei St. Gerold, mit Franz Bertel, Pepi Hanser oder Gerold Amann. Sein Wirken im Bludenzer Gymnasium wurde legendär, er förderte seine Schüler nach Möglichkeit, manche von ihnen verweisen noch heute auf ihren Weg, der von Ingo Springenschmid maßgeblich beeinflusst wurde. Die Jugend war ihm nicht nur in der Schule ein Anliegen, er war sich nie zu schade, Nachwuchsarbeit in Sachen Literatur und bildende Kunst zu leisten – höchst erfolgreiche Arbeit. Zudem fand er Zeit für seine eigene Sache, die er mit gleicher Intensität und Ernsthaftigkeit betrieb, egal, ob er in Literatur oder bildender Kunst tätig war.

Ingo Springenschmid hat viel bewirkt in diesem Land, er war ein wesentliches Mitglied in der Berufsvereinigung der bildenden Künstlerinnen und Künstler Vorarlbergs, bei Literatur Vorarlberg, in Kommissionen des Landes; man könnte vieles aufzählen, vieles auch, das ohne ihn nicht geschehen wäre. Wobei er sich selbst nie in den Mittelpunkt stellte, manchmal aber, etwa bei der Verleihung des Internationalen Kunstpreises des Landes 2013, berechtigt ins Zentrum gerückt wurde. Ingo Springenschmid war ein großartiger Künstler, aber noch viel mehr war er ein großartiger Mensch. Dem Land und der Kunst dieses Landes würden mehrere solche Menschen gut tun. Wir haben Anlass, uns vor Ingo Springenschmid zu verneigen.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

Ingo Springenschmid war ein großartiger Künstler, aber noch viel mehr war er ein großartiger Mensch.

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