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Einen kleinen Himmel auf der Erde bereitet

von Christa Dietrich
Die Premiere von „Josef und Maria“ mit Winfried Küppers und Manuela Alphons fand gestern Abend im Kornmarkttheater statt.  Foto: LT/Hoppe

Die Premiere von „Josef und Maria“ mit Winfried Küppers und Manuela Alphons fand gestern Abend im Kornmarkttheater statt. Foto: LT/Hoppe

Zwei Schauspieler verleihen Peter Turrinis „Josef und Maria“ noch mehr Relevanz.

Bregenz. Kooperationen sind sinnvoll. So sah es wohl auch das Publikum am gestrigen Abend, das im nahezu voll besetzten Kornmarkttheater die Premiere einer Produktion des Vorarlberger Landestheaters erlebte, die in der letzten Spielzeit am Düsseldorfer Schauspielhaus lief, inszeniert vom hiesigen Intendanten Alexander Kubelka. Dieser sieht darin auch ein Stück über das Schweigen, über die Tatsache, dass über Generationen hinweg nicht über existenzielle Themen gesprochen wurde. „Verjährt ist da nichts“, erklärte er in einem Gespräch mit den VN. Das 1980 uraufgeführte Stück hatte Peter Turrini später etwas überarbeitet, Relevanz hat es nach wie vor, und zwar immense.

Maria, einst Tänzerin, und Josef, vormals verfolgter Genosse, den die ungerechte Verteilung der Güter nach wie vor am Guten in der Welt zweifeln lässt, treffen als Putzfrau und als Arbeiter in einer Schließgesellschaft am Weihnachtsabend in einem Kaufhaus aufeinander. Sie wird von den Kindern nicht mehr gebraucht und gemieden, er hat sämtliche der einstigen Mitstreiter längst verloren. Die letzten Kunden sind gegangen. In einer von Florian Etti mit riesigen Christbaumkugeln, Teddybären und viel Schnee als Symbole für Kitsch und Kälte ausgestatteten Bühne erhaschen beide die letzte Möglichkeit, der Einsamkeit zu entkommen. Man erzählt sich vom früheren Leben, von Sehnsüchten, Täuschungen und Enttäuschungen in Diktatur, Kriegs- und Nachkriegsjahren.

Sprachliche Feinheiten

Die unterschiedlichen Verdrängungsmechanismen lässt Alexander Kubelka über die Sprache und Gesten durchscheinen. Manuela Alphons darf den österreichischen Akzent ausspielen, bleibt dabei schön auf einer Gesangslinie, rutscht nie in Sentimentalität oder gar Larmoyanz ab. Winfried Küppers hat sich eine Panzerung in Hochdeutsch zugelegt. Nie zu starr, lässt er Verletztheit und Verletzlichkeit durchschimmern. Wie sie zueinanderkommen, wird klug getaktet mit Szenenpausen so entwickelt, dass dieser kleine Himmel auf der Erde, dass dieses Schöne und Zarte, das dann doch noch aufkommt, auch nur geträumt sein könnte. Über all dem liegt ein feiner Humor, der uns sachte aus der Verzauberung heraus in die Wirklichkeit holt, um uns die Augen zur Selbsterkundung zu öffnen.

Peter Turrinis „Josef und Maria“ stand in Vorarlberg noch kaum auf den Spielplänen. Es wurde längst wieder Zeit dafür.

Weitere Aufführungen von „Josef und Maria“ vom 9. November bis 27. Dezember im Bregenzer Kornmarkttheater: www.landestheater.org

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