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An den Bundesländerbühnen. Der ehemalige Intendant Dominique Mentha skizziert in Tirol einen „Figaro“ zum Herzeigen

Der Lust, dem Frust und dem Klang Räume verschafft

von Christa Dietrich
Mozarts „Le nozze di Figaro“ steht als Neuinszenierung am Tiroler Landestheater am Programm.  Foto: LT/Larl

Mozarts „Le nozze di Figaro“ steht als Neuinszenierung am Tiroler Landestheater am Programm. Foto: LT/Larl

Hört sich gut an und sieht gut aus: „Le nozze di Figaro“ im Heckentheater-Labyrinth.

Innsbruck. Als der Schweizer Dominique Mentha vor beinahe 25 Jahren dazu antrat, das in Nettigkeit erlahmte Tiroler Landestheater mit einem mutigen Spielplan aufzufrischen, standen die Zeichen erst einmal auf Sturm. Aber es brauchte Panizzas antikatholische Satire „Das Liebeskonzil“, mit dem er als Intendant begann, um sich Aufmerksamkeit für neue Stücke und zeitgenössische Opern zu verschaffen. Der später an der Wiener Volksoper und in Luzern leitend tätige Regisseur ist nun an die Stätte früheren Wirkens zurückgekehrt, um Mozarts „Le nozze di Figaro“ umzusetzen. Absolut skandalfrei inszeniert, kommt die berühmte Liebes-, Intrigen-, Polit- und Verwechslungskomödie keinesfalls brav daher, gespielt wird in einem Heckentheater-Labyrinth und zwar so, dass sich der Blick auf kleine, bedeutungsvolle Gesten richtet.

Weder verkopft noch verzopft

1786 uraufgeführt, hatte Mozart damit das Opernschaffen nicht revolutioniert, was „Le nozze di Figaro“ zum Meisterwerk macht, ist die in Tempi und Tonart psychologische Untermauerung der Liebes- und Leidensgeschichten der Figuren, die in einer hierarchisch geordneten Gesellschaft leben, den Ausbruch daraus aber nicht nur getreu nach Beaumarchais‘ Basis-Geschichte vorbereiten, sondern auch leben. Librettist Lorenzo Da Ponte unterstrich, wie wir wissen, die Balance zwischen Hirn und Bauch. Verkopft ist nichts bei Mozart und verzopft wirken nur jene Inszenierungen, in denen die Korsetts und Gehröcke zur Panzerung erstarren. Dass die Gefahr groß ist, hat sich erst jüngst bei der Saisonauftakt-Premiere am Theater St. Gallen gezeigt, die Mozart erst gegen Ende gerecht wurde. Rein optisch wirkt die Idee, die Mentha mit den Ausstattern Helfried Lauckner (Bühne) und Anna Ardelius (Kostüme) entwickelt, sogar noch konventioneller. Gerät das Labyrinth aber erst in Bewegung und lassen sich die gelb-grau-schwarzen Kostüme entschlüsseln, kommt eine Aufführung in Fahrt, deren historischer Bogen vom Sonnenkönig bis ins Heute reicht. Dass sie im vierten Akt (im Garten) dann trotz des witzigen Ausweichens in den Publikumsraum etwas klemmt, hemmt die Begeisterung nicht, die auch Johannes Klumpp als Sänger-Dirigent par excellence entfacht. Ist man doch mit Andreas Mattersberger (Figaro) mit einem Bassbariton konfrontiert, in dem viel Potenzial steckt, Susanne Langbein (Susanna) und Camilla Lehmeier (Cherubino) lassen Stimmen hören, neben denen es sogar die versierte Esther Lee (Gräfin) nicht immer leicht hatte. Gefühlvoll gelingt es ihr zuletzt dann doch, auch stimmlich dem gut präsenten Alec Avedissian (Graf) Gegenwehr zu bieten.

Den „Figaro“ zeigen die Bregenzer Festspiele 2017 im Opernstudio. Wer nicht so lange warten will, wird im nächstgelegenen Landestheater in Innsbruck gut bedient.

Nächste Aufführung am
 19. November und zahlreiche
weitere: www.landestheater.at 

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