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Schade um Mozarts „Spatzenmesse“

von Fritz Jurmann
Der KornmarktChor unter Wolfgang Schwendinger mit Instrumentalisten in Herz Jesu. Foto: JU

Der KornmarktChor unter Wolfgang Schwendinger mit Instrumentalisten in Herz Jesu. Foto: JU

Das Werk wurde in Herz-Jesu durch heterogene Beimischungen beeinträchtigt.

Bregenz. Das Brahms-Requiem in einer Version mit Orgelbegleitung sollte es eigentlich werden am Sonntag in Herz-Jesu. Geworden ist es aus organisatorischen Gründen mit Mozarts „Spatzenmesse“ das genaue Gegenteil. Anstelle von Totenklage ein fröhliches, lebensbejahendes Stück Musik, das man im Land öfter bei Festgottesdiensten, aber kaum einmal konzertant hört.

Das Problem dabei: Die „Spatzenmesse“ ist eine Missa brevis, mit nicht einmal 20 Minuten Spielzeit, und trägt damit kein ganzes Konzert. So hatte Chorleiter Wolfgang Schwendinger die Idee, die Messe mit ihrer Überfülle an gefälligem C-Dur ganz bewusst zu kontrastieren – mit Orgel. Sein künstlerischer Co-Pilot in Herz-Jesu, Helmut Binder, entlockt als Meister der Improvisation gleich zum „Introitus“ der alten Behmann-Orgel in griffiger Modernität geradezu apokalyptisch düstere Klangballungen, die in herbem Gegensatz zur freundlichen Gebrauchsmusik Mozarts stehen. Dass Binder aber auch zwischen den Teilen der Messe an der Truhenorgel improvisiert, wenn auch gemäßigt rund um die Grundtonart C-Dur, stört empfindlich den Fluss und die Geschlossenheit von Mozarts Messe, der sich etwa im Agnus auf ein Thema aus dem Kyrie bezieht.

Wolfgang Schwendinger brauchte seinen KornmarktChor auf dieses Werk wohl nicht mehr eigens einzuschwören. Die meisten kennen es, ebenso wie die Zuhörer, und jeder wartet schon gespannt auf das Zwitschermotiv der Violinen im „Sanctus“, das diesem Werk von 1775 den Beinamen gegeben hat. Da der Chor, aufgrund der Mozart von Erzbischof Colloredo auferlegten Kürze, den lateinischen Messtext des Ordinariums ohne Ausdeutungen homophon singt, ist jeder der sechs Teile auch schon vorbei, kaum dass er begonnen hat. Dennoch gelingt es Schwendinger, in kompakter Spielweise mit natürlich fließenden Tempi die beabsichtigte festliche Wirkung zu erzeugen, ohne dabei in Pathos zu verfallen. Das Werk singt sich für semiprofessionelle Sänger als lockere Pflichtübung ohne besondere Probleme. Musiker des Landeskonservatoriums mit Editha Fetz als Konzertmeisterin fügen sich nahtlos und engagiert in dieses Konzept ein.

Solistenensemble

Ein für diese Aufgabe fast überqualifiziertes Solistenensemble mit Miriam Feuersinger, Sopran, Martina Gmeinder, Alt, Jesús León, Tenor, und Johannes Schwendinger, Bass, verströmt vor allem in den geschlossenen Teilen des Benedictus wunderbaren Wohlklang. Feuersinger, die man gerne auch in diesem Rahmen hört, setzt mit ihrem demütig verhaltenen, kultivierten Solopart in Mozarts „Laudate Dominum“ einen finalen Glanzpunkt. Das Publikum feiert die Mitwirkenden herzlich. Dennoch: Mozart pur, eventuell mit den kompletten „Vesperae solennes de confessore“, wäre wohl manch einem lieber gewesen als diese wenig erbauliche Mischung.

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