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Kommentar

Gerald Matt

Geschätzter Berater

Für nur drei Dollar kaufte der berühmte, inzwischen verstorbene US-Künstler Robert Rauschenberg vor 67 Jahren einen Flaschenhalter („Porte Bouteilles“) aus Metall vom französischen Kunststar und -guru Marcel Duchamp. Ein banaler, alltäglicher Gegenstand, den Duchamp Readymade nannte, signierte und auf einen Sockel stellte. Kunst war nun das, was ein Künstler zur Kunst erklärte. Duchamps Flaschenhalter schrieb Kunstgeschichte. Der erste Duchamp-Flaschenhalter ging jedoch 1914 verloren. 1959 kaufte Man Ray auf Wunsch von Duchamp am Grand Bazar einen neuen und schickte ihn nach New York, wo er in der Ausstellung „Art and the found object“ gezeigt wurde. Auch Rauschenberg nahm an der Schau teil und fand Gefallen an Duchamps Objekt.

Zuletzt wurde 2011 Duchamps Parfümfläschchen „Belle Haleine – Eau de Voilette“ (1921) für 7,7 Mill. Euro versteigert. Dementsprechend groß war das Interesse, als die Rauschenberg Stiftung bei fünf Topgalerien um Konzepte für einen Verkauf anfragte. Den Zuschlag zum Sensationsverkauf erhielt Österreichs Spitzengalerist Thaddaeus Ropac. Ropac gehört zu den weltweit erfolgreichsten Galeristen. 1983 gründete er seine anfangs noch 20 Quadratmeter kleine Galerie in Salzburg und erlebte seither einen kometenhaften Aufstieg. Heute umfasst die Galerie Ropac neben der Stammgalerie in Salzburg eine Galerie in Paris sowie zwei Ausstellungshallen musealer Dimension in Salzburg und Paris. In Kürze wird er in London eine weitere Niederlassung eröffnen. Nahezu 100 hochqualifizierte Menschen arbeiten für den Kunstzampano und geschätzten Berater.

Ropac vertritt mehr als 60 Künstler, darunter Stars wie Alex Katz oder Erwin Wurm sowie Werke von Andy Warhol und Keith Haring, Künstler mit denen er noch zu Lebzeiten arbeiten konnte.

„So etwas kommt nie auf den Markt“, sagte mir Ropac zu recht stolz in meinem W24 Fernsehtalk. Nun ist bis Ende Jänner „Porte Bouteilles“ in der Pariser Ropac-Galerie im Marais ausgestellt. Sogar das Timing ist perfekt, genau zum 100-Jahr-Jubiläum der Readymades. Kein Wunder, dass ganz Kulturfrankreich Anteil nimmt und ein französisches TV-Team die Rückkehr der Ikone aus den USA filmte. Die künstlerische Sensation wird ihren Preis haben. Der Erlös wird der Rauschenberg-Stiftung zukommen, um unter anderem zu helfen, einen umfangreichen Werkkatalog zu finanzieren. Die „New York Times“ spekulierte mit einem Verkaufserlös von bis zu 14 Millionen Dollar. Die Liste kapitalkräftiger Interessenten ist lang. Infrage kommt nach Ropac nur ein hochkarätiges Museum. Gratulation an Thaddeus Ropac.

gerald.matt@vorarlbergernachrichten.at
Dr. Gerald Matt ist Kulturmanager und unterrichtet
an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.

Ropac vertritt mehr als 60 Künstler, darunter Stars wie Alex Katz oder Erwin Wurm.

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