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von FRITZ JURMAN
Spielzeug wurde als Klangerzeuger eingesetzt.

Spielzeug wurde als Klangerzeuger eingesetzt.

Der erste Abend der „Bludenzer Tage“ hinterließ einen zwiespältigen Eindruck.

Bludenz. Irgendwie läuft das nicht mehr rund bei diesem einst so ambitionierten Festival für Neue und neueste Musik. Diesen Eindruck erhielt man beim ersten Konzert der diesjährigen „Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik“ am Donnerstag in der gut besuchten Remise. Die einst zu Recht viel gelobte stringente Planung eines Wolfram Schurig, die minutiös ineinander komponierten Programme eines Alexander Moosbrugger als frühere Intendanten sind im dritten Jahr der italienisch-deutschen Kuratorin Clara Iannotta einer gewissen Beliebigkeit in der Werkauswahl gewichen. Dies mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass sie als Komponistin so viel beschäftigt ist, dass ihr kaum Zeit für diesen verantwortungsvollen Nebenjob bleibt. Dazu kommen noch organisatorische Mängel des veranstaltenden Vereins allerArt.

Keine Strukturen

Erstmals gibt es heuer keinen Festival-Katalog mehr mit Komponisten-Biografien und Werkbeschreibungen, wie er gerade bei so viel Neuem und Unbekanntem einfach unverzichtbar ist. Auf Befragen teilt Obmann Wolfgang Maurer mit, dass die Herstellung dieses Druckwerks zu viel zeitlichen Aufwand bedeutet hätte. So wird das Publikum mit Handzetteln abgespeist, die gerade das Allernotwendigste an Information enthalten. Auch die als Ersatz angebotenen Komponistengespräche mit Iannotta bleiben zumindest im ersten Teil äußerst dürftig und ohne Mikrofon während des lauten Bühnenumbaus auch kaum verständlich. In Summe ein Versäumnis, das eines international ausgerichteten Festivals nicht würdig ist. Auch die Musik kann zumindest im ersten Teil des Abends nicht wirklich überzeugen.

Die beiden als Neue Musik propagierten Auftragswerke der „btzm“ an zwei junge Musiker sind stilistisch in Wirklichkeit nichts anderes als eine Rückkehr zu den Neuerungen eines John Cage in den Achtzigern, bloße Klangstudien mit allerlei Tonerzeugern, ohne dass dabei Strukturen erkennbar wären, die einen Anspruch auf den Begriff „Komposition“ rechtfertigen würden. Der aus Costa Rica stammende Mauricio Pauly kann bei seinem Quintett „The Difference in the Building between us“ immerhin durch die mit Liveelektronik erzeugten klanglichen Wellenbewegungen beeindrucken, die dem Stück zumindest rhythmisch einen Impetus verleihen. Völlig ins Kindliche bis Kindische abgestürzt ist das Stück „Holes and Tunnels“ der Israelin Sivan Cohen Elias (40), in der klapperndes Spielzeug und Gummischläuche als Blasinstrumente für oberflächlichen Spaß herhalten müssen – eine allzu banale Auslegung von Iannottas Vorgabe, Musik müsse nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden. Beides Mal ist das hervorragende Wiener Ensemble „PHACE“ bei diesen Uraufführungen mit großer Ernsthaftigkeit und Konzentration bei der Sache.

Intensive Klangwirkung

Erst nach der Pause wird die Musik endlich konkreter und durchgestylter mit zwei Werken von Komponisten, die die Liveelektronik in eine jeweils unterschiedliche Beziehung zur Musik stellen und dazu auch Vernünftiges zu sagen wissen. Der Südtiroler Hannes Kerschbaumer (35), Schüler u. a. von Georg Friedrich Haas, erzielt in seinem Stück „Patina“ (Auftrag des Ensemble „PHACE“) durch eine direkte Verstärkung der Instrumente als Resonanzkörper besonders intensive Klangwirkungen. Die Musiker werden dabei über einen Klicktrack im Ohr rhythmisch gesteuert, am Schluss steht als bleibender Eindruck das Geräusch einer Kreissäge.

Das letzte und intensivste Stück des Abends kommt von dem namhaften Salzburger Gerhard E. Winkler (57), der in seinem 2009 komponierten „Bikini. Atoll“ Saxophone, präpariertes Klavier und Percussion virtuos ineinander schichtet. Die dabei entstehenden Klangräume werden über ein Computerprogramm mit Liveelektronik und Loops saalfüllend vervielfacht – ein faszinierender Klangeindruck!

Nächste Konzerte der „Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik“ in der Remise Bludenz: 19. November,
20 Uhr, und 20. November, 11 Uhr: „Curious Chamber Players“; 17 Uhr: Nicolas Bernier         

<p class="caption">Das Wiener Ensemble „PHACE“ war mit großer Ernsthaftigkeit und Konzentration bei der Sache. Foto: Jurmann</p>

Das Wiener Ensemble „PHACE“ war mit großer Ernsthaftigkeit und Konzentration bei der Sache. Foto: Jurmann

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