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Kommentar

Walter Fink

Zukunft steht auf dem Spiel

In den letzten Tagen ist viel zur Seestadt in Bregenz gesagt und geschrieben worden. Ich muss trotzdem – oder eigentlich: deshalb – meinen Kommentar vom letzten Samstag ergänzen. Denn nicht alles, was gesagt wurde, kann man so stehen lassen, wenn es um die Zukunft der Stadt geht. Die Vorgeschichte ist bekannt: Architekten und Kulturschaffende haben sich vehement gegen die Errichtung der Seestadt nach derzeitigem Planungsstand ausgesprochen. Hauptkritik ist, dass hier erneut ein Riegel zwischen Innenstadt und See errichtet werde, dass es in der Seestadt keinen attraktiven öffentlichen Raum gebe, dass seeseitig keine Geh- und Radwege vorgesehen seien, dass die Verbindung zum See über die „Seespange“ nicht gelöst sei, kurz: alles dem Verkehr und dem Handel untergeordnet werde. Schließlich fehle auch „eine architektonische Idee und ein starker gestalterischer Ansatz“, wie die Architekten meinen.

 

Dem hält Bürgermeister Markus Linhart entgegen, dass über keine Bebauung so ausführlich informiert worden sei, dass es bis heute eine Vielzahl von öffentlichen Veranstaltungen gegeben habe, dass letztlich auch schon Rechte erwachsen seien. Damals hätte man mit der Kritik kommen müssen, heute sei das zu spät, nachdem das Bauverfahren kurz vor dem Ende stehe. Bernhard Ölz als Vertreter der Bauherrnschaft meint ebenfalls, dass „ausgiebig diskutiert wurde“, deshalb komme ein Baustopp nicht infrage. Man habe schon vier Millionen Euro investiert, alles sei korrekt abgelaufen, also werde man nach den Genehmigungen bauen. Dem halten die Architekten entgegen, dass die Pläne zur Seestadt so oft geändert worden seien, dass man im Laufe der Zeit den Überblick verloren habe. Tatsache ist, dass vom ursprünglichen Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs nicht mehr viel übrig geblieben ist.

 

Das Problem ist, dass weder Politik noch Bauherrnschaft auf die eigentlichen Argumente der Architekten eingehen. Kritisiert wird der architektonische und städtebauliche Ansatz des Projekts. Damit müsste man sich auseinandersetzen. Und wenn diese Kritik stimmt, dann kommt es weder auf vier Millionen Euro noch auf Genehmigungen an. Dann geht es darum, über Jahrzehnte anhaltenden Schaden von der Stadt abzuwenden. Retten kann jetzt wohl nur noch ein gemeinsames, vorbehaltloses Gespräch zwischen Bauherrnschaft, Stadt und Architekten – hoffentlich zum Wohle von Bregenz.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

Das Problem ist, dass weder Politik noch Bauherrnschaft auf die Argumente der Architekten eingehen.

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