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Verwachsen mit seiner eigens entwickelten Klarinette

Der Klarinettist Alex Ladstätter überzeugte erneut.   Foto: Jurmann

Der Klarinettist Alex Ladstätter überzeugte erneut.   Foto: Jurmann

Alex Ladstätter musizierte Mozarts Konzert mit der Slowakischen Philharmonie.

DORNBIRN. (JU) Es ist mittlerweile familiär geworden bei den Konzerten von „Dornbirn Klassik“. Kulturamtsleiter Roland Jörg ist es gelungen, durch einen Kreis von immer wieder verpflichteten Solisten und Orchestern eine Bindung zum Publikum herzustellen, etwa zur Slowakischen Philharmonie Bratislava, die hier mehrfach beeindruckte. Wenn dann noch ein populäres Programm und ein exzellenter heimischer Solist wie Alex Ladstätter mit seiner Klarinette dazukommen, dann ist das Kulturhaus so stark besetzt und die Stimmung zuletzt so gut, dass einige Gäste sogar versuchten, bei der schmissigen Zugabe mit Brahms‘ Ungarischem Tanz Nr. 5 den Takt mitzuklatschen.

Alex Ladstätter (33) ist ein ehrgeiziger junger Künstler. Er hat sich als Substitut bei Orchestern wie den Philharmonikern einen Namen gemacht und inzwischen seine erste Anstellung bei den Hofer Symphonikern wieder gekündigt, weil er auf seinem Weg nach oben lieber frei sein und Neues erkunden möchte. Immerhin nimmt er hier quasi auf Augenhöhe die Position der Weltklasseklarinettistin Sharon Kam ein, die als Solistin des Mozartkonzerts mit den Slowaken auf Tournee ist. Mozart hat es ihm überhaupt angetan. Während man Ladstätter im Sommer noch in Krumbach mit seinem Ensemble „pagon“ mit dessen Klarinettenquintett gehört hat, ist es nun das weit gewichtigere Klarinettenkonzert. „Es ist ein vollkommenes Werk, das viele Stimmungen und Gefühle beinhaltet“, schwärmt er im VN-Gespräch. „Mozart meinte, dass die Klarinette der menschlichen Stimme am nächsten kommt. Vielleicht sprechen uns deshalb seine Melodien so unmittelbar an.“

Natürlicher Mozartklang

Ladschätter scheint denn auch wie verwachsen mit seinem Instrument, einer A-Klarinette, die er zusammen mit dem Wiener Karl Radovanovic für sich entwickelt hat. Man ist gefesselt von ihrem vollmundigen Ton. Vor allem aber auch von der Wärme in Mozarts geheimnisvoll dunklen Tönen, die Ladstätter mit schönster Klangkultur auf technisch untadeligem Niveau zum Leben erweckt. Im Kernstück des Werks, dem Adagio, das nicht zuletzt durch die Verwendung im Streifen „Jenseits von Afrika“ Weltgeltung erlangt hat, spielt er die Reprise in einem Pianissimo, wie es kaum mehr möglich scheint. Das Orchester unter der Leitung des versierten chinesischen Dirigenten Muhai Tang, den man zuletzt bei „Arpeggione“ Hohenems erlebte, zieht voll mit und findet gemeinsam mit dem Solisten auch in den bewegten Ecksätzen zu einem wunderbar belebten, natürlichen Mozartklang. Schelmisch spielt Ladstätter noch das Thema der Katze aus Prokofievs „Peter und der Wolf“ als Zugabe.

Auf ganz andere Art beeindruckt das Orchester in Tschaikowskys Symphonie Nr. 4, einem Koloss, bei dem es die glühende Leidenschaftlichkeit und Intensität dieser Musik in den Vordergrund stellt. Unter dem ausgefuchsten, auswendigen Dirigat von Tang, der die vier Sätze fast nahtlos aneinanderhängt, gelingt der Bogen von tiefer Melancholie zu jubelndem Triumph in den Fanfaren, bei denen freilich das Blech etwas sauberer hätte agieren können.

Nächstes Konzert bei „Dornbirn Klassik“: 2. März 2017, Anja Lechner, Cello, François Couturier, Klavier

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