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Nun geht es um die weibliche Seite Gottes

von Christa Dietrich
Direktor Hanno Loewy mit Kuratorin Anika Reichwald: Die Sonderausstellung „Übrig“ ist noch bis 19. Februar geöffnet. Foto: VN/RP

Direktor Hanno Loewy mit Kuratorin Anika Reichwald: Die Sonderausstellung „Übrig“ ist noch bis 19. Februar geöffnet. Foto: VN/RP

Jüdisches Museum erhielt große Auszeichnung und widmet sich einem starken Thema.

Hohenems. Das Thema beschäftigt Hanno Loewy und Wissenschaftlerinnen wie Felicitas Heimann-Jelinek schon länger, im kommenden Jahr wird es, wie der Direktor des Jüdischen Museums im Gespräch mit den VN verrät, im Rahmen einer Sonderausstellung behandelt, die in Hohenems erstellt und gezeigt wird und anschließend an weiteren Stationen, etwa in Frankfurt, zu sehen ist. Das Projekt über die weibliche Seite Gottes behandelt die Frage, wie sich der Monotheismus und die Geschlechtergeschichte zueinander verhalten.

Geschlechtsneutraler Gott

Auch wenn es keinen konkreten Anlass gibt, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, ist die Relevanz, wie Hanno Loewy bestätigt, schon allein aufgrund der Tatsache gegeben, dass sich selbstbewusste jüdische Frauen bei der Religion verständlicher Weise nicht gerne in die zweite Reihe verweisen lassen. Seit der Monotheismus mit unterschiedlichen Göttinnen und Göttern, also dem Pluralismus, aufgeräumt habe, existiere diese Spannung zwischen einer Vorstellung von Gott als einer geschlechtsneutralen Einheit und einer Realität, die diesen Gott immer als männlich sieht, daraus Privilegien für die Männer definiert und eine Ungleichheit befördert. Nachzugehen sei somit der im Judentum als ältester monothetischer Religion immer schon existierenden Unterströmung, die diesen einen Gott als weiblich und männlich beschrieben hat. Dazu gibt es, so Loewy, nicht nur Vorstellungen, sondern auch eine Reihe von künstlerischen Arbeiten, die man präsentieren werde.

Im Kontrast dazu existieren aber auch Bilder zur Dämonisierung der Frau. Wobei Loewy durchaus salopp daran erinnert, dass das, was in der Genesis über das Paradies mit der Schlange nachzulesen ist, auch nicht „vom Himmel gefallen“ sei. Derlei Vorstellungen gab es bereits bevor vom Judentum überhaupt die Rede war. Nach der noch einige Wochen laufenden Sonderausstellung „Übrig“ mit Erinnerungsobjekten bzw. Dokumenten von Kultur und Barbarei ist in Hohenems somit erneut ein vielschichtiges Ausstellungsthema zu erwarten.

400-Jahre-Jubiläum

Ein Kernthema im kommenden Jahr ist zudem die Geschichte der jüdischen Gemeinde überhaupt. Weil er sich wirtschaftliche Impulse erwartete, schuf Graf Kaspar von Hohenems mit dem Schutzbrief von 1617 die rechtliche Grundlage für die Ansiedelung von jüdischen Familien und den Aufbau einer jüdischen Gemeinde in Hohenems. In den 1940er-Jahren erfolgte die Deportation und Ermordung der letzten Mitglieder der jüdischen Gemeinde. In den späten 1990er-Jahren wurden wesentliche Teile des jüdischen Viertels, das den Kern der nunmehrigen Stadt bildet, unter Denkmalschutz gestellt.

Maecenas-Preis

Im Jüdischen Museum Hohenems, das 1991 eröffnet wurde, werde die historische Vielschichtigkeit Europas erlebbar, heißt es nun in der Jury-Begründung des Maecenas-Preises, der von der „Initiative Wirtschaft für Kunst“ für die Förderung von Kunstprojekten verliehen wird. Das Museum wurde soeben mit dem Sonderpreis als herausragender „Kulturanbieter“ ausgezeichnet.

Selbstbewusste jüdische Frauen lassen sich bei der Religion nicht in die zweite Reihe verweisen.

Hanno Loewy
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