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22. September 2012

Viagra-Betrüger täuschten über 150.000 Internet-Besteller

von Christiane Eckert
Mit den gefälschten Pillen soll die Gruppierung 20 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Foto: archiv/apa
Mit den gefälschten Pillen soll die Gruppierung 20 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Foto: archiv/apa

Wälder soll als Mitglied der „Pillenbande“ gefälschte Potenzpräparate verkauft haben.

feldkirch. Zwischen 2008 und 2011 soll ein 62-jähriger Bregenzerwälder, einst Führungskraft in einem Vorarlberger Unternehmen, im großen Stil diverse gefälschte Potenzmittel und Diätpillen verschoben haben. Über 25 Seiten stark ist die Anklageschrift gegen den Pensionisten und dessen Exgattin. In mühevoller Kleinarbeit hat die Anklagebehörde Beweise zusammengetragen, die vor allem den 62-Jährigen schwer belasten. Angeklagt ist nicht nur schwerer, gewerbsmäßiger Betrug mit „falschen Pillen“, sondern auch das „Vergehen der kriminellen Vereinigung“ – ein Exot im Strafgesetzbuch und in den seltensten Fällen zu beweisen.

20 Millionen erwirtschaftet

Die Pillenbande soll zum einen vorgetäuscht haben, sie vertreibe Originalpräparate, zum anderen Generika. In Wirklichkeit habe es sich in allen Fällen um Fälschungen gehandelt. Bis April 2010 seien über 153.000 Internetbestellungen effektiv ausgeführt, also Präparate gegen Kaufpreis getauscht worden. Bis April 2011 soll die Gruppierung 20 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Die Pillenkäufer in Österreich, Deutschland und der Schweiz erhielten die Ware offenbar per Post. Neben dem Führungspersonal habe es Technikspezialisten, Transportunternehmen, Verpackungsmitarbeiter, Fahrer, einen eigenen Werbefotografen und sogenannte Webmaster gegeben. Letztere bewarben die Ware im Internet. Die Verpackungen sollten hochwertig aussehen. In Tschechien wurden laut Anklage 25 Server angemietet. 15 Mitglieder bildeten offenbar die kriminelle Vereinigung. Leistungsanreize wie Gratis-Bordellbesuche sollten anscheinend für fleißige Mitarbeiter sorgen.

Potenz für die Post

3500 Postsendungen wurden im Postverteilzentrum in Hall in Tirol zurückgehalten. Sie waren unterfrankiert, somit blieben die angeblichen Potenzmittel im Postweg hängen. Der Angeklagte ist nur zum Teil geständig. Er habe seinem Sohn, der in Tschechien eine Porno-Produktions- und Vertriebsfirma betreibt, ein wenig geholfen. So zum Beispiel den Briefkasten geleert. Beim Pillenhandel des Sohnes sei der Wälder laut eigener Angabe nur untergeordnet tätig gewesen, mit der „Organisation“ habe er nichts zu tun gehabt. Der Sohn des Angeklagten ist unbekannten Aufenthaltes, er soll ebenfalls führend in der Pillenbande tätig gewesen sein. Die angeklagte Exfrau des Pensionisten soll über 3600 Pillenkuverts von Vorarlberg aus an Endkunden verschickt haben. Welche Rolle das einstige Ehepaar in der „Pillenbande“ tatsächlich hatte, soll der Prozess am 9. Oktober aufzeigen. Richter Norbert Melter hat das Verfahren jedenfalls auf fünf Stunden anberaumt.