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Die Schneidezähne eingeschlagen

von Christiane Eckert

Klassenkameraden schubsten sich gegenseitig, Gericht mäßigte die Forderungen.

Feldkirch. (ec) Kinder auf dem Schulweg sind übermütig, vor allem nach der Schule schubsen sie gerne und machen Unfug, ohne viel nachzudenken. So auch die beiden Jungs, neun und zehn Jahre alt, die gemeinsam zur Bushaltestelle rannten. Zunächst rempelte der Jüngere den Älteren, worauf dieser auf die Schultasche am Rücken fiel. Der Junge lag zum Teil auf dem Gehsteig, zum Teil auf der Fahrbahn, ihm war nichts passiert, doch er wollte sich bei nächster Gelegenheit revanchieren.

Schwer verletzt

Der Zehnjährige stellte dem Neunjährigen daraufhin ein Bein, der Bub fiel aufs Gesicht und verletzte sich beide Schneidezähne schwer. Ein Teil der Kanten brach ab, die Frakturlinien reichten bis in das Zahnbein. Zahnschiene, verletzte Oberlippe, mehrere Wochen Sportverbot waren die Folgen. Der Verletzte forderte 4600 Euro, das Erstgericht gab dem Begehren statt. „Einem Zehnjährigen muss bewusst sein, dass das Beinstellen zu einem Sturz und zu schweren Verletzungen führen kann. Außerdem besteht durch die Haftpflichtversicherung ein ausreichender Deckungsfonds“, so die Begründung. Stefan Denifl, Anwalt des „Beinstellers“ und der Versicherung der Familie, begehrte von der zweiten Instanz eine Kürzung der Ansprüche um die Hälfte und bekam Recht. „Mein Mandant wurde vom Kläger ebenfalls zu Sturz gebracht und kam auf der Fahrbahn zu liegen“, stellt Denifl klar, dass der andere Junge als Erster provozierte.

Gegner provozierte

Das Landesgericht Feldkirch sah das Verschulden eins zu eins. „Die objektive Sorgfaltswidrigkeit meines Mandanten wiegt nicht schwerer als das vorangehende provozierende Verhalten des Klägers“, so Denifl. Und auch das Gericht geht davon aus, dass sich der Zehnjährige nur deshalb revanchieren wollte, weil er als Erster niedergerempelt wurde. „Das Berufungsgericht hat die Ansprüche aus Billigkeitserwägungen dementsprechend gekürzt“, ist Denifl mit dem Ausgang des Verfahrens zufrieden. Der Spieltrieb von Kindern müsse zwar berücksichtigt werden und könne auch den Verschuldensvorwurf gegen ein unmündiges Kind abschwächen, doch im gegenständlichen Fall, so das Landesgericht, sei der Beklagte durch den zuerst erfolgten Rempler ebenfalls gestürzt und sogar zum Teil auf der Fahrbahn zu liegen gekommen. „Eine Schadensteilung im Verhältnis eins zu eins ist somit berechtigt“, lautet das letzte Wort in dieser Causa. Auch für künftig auftretende Schäden haftet der Beklagte nur zur Hälfte für eventuell anfallende Kosten. 

Mein Mandant wurde vom Kläger ebenfalls zu Sturz gebracht und kam auf der Fahrbahn zu liegen.

Stefan Denifel
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