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Aus dem Bezirksgericht Vernachlässigung der Meldepflicht

„Nur ein billiger Betrüger und ein Heiratsschwindler ist das“

von Gerhard Sohm
Der Charmeur entpuppte sich angeblich als betrügerischer Mietnomade, dem es bei seinen vielen Affären nur um einen festen Wohnsitz ging.

Der Charmeur entpuppte sich angeblich als betrügerischer Mietnomade, dem es bei seinen vielen Affären nur um einen festen Wohnsitz ging.

44-Jährige verschwieg Meldeamt ihren windigen Freund und Mitbewohner.

Bregenz. „Dem ging es nur um einen festen Wohnsitz. Und ich war die Lackierte“, schmettert die Beschuldigte Richter Christian Röthlin am Bezirksgericht Bregenz entgegen. Und meint damit jenen 45-jährigen Deutschen, dem sie in ihrer Wohnung „Unterschlupf“ gewährt hatte. Als ihr Lebensgefährte, wie sie heute mit deutlich desillusioniertem Unterton bedauert.

Die teilzeitbeschäftigte Mutter muss monatlich mit 380 Euro auskommen. Da war das „Aushalten“ des Liebhabers nicht mehr drin. Also beantragte sie bei
der Bezirkshauptmannschaft Wohnbeihilfe und Mindest­sicherung als Zuwendung. Den Mitbewohner verschwieg sie dem Meldeamt. So kam sie in den Genuss von 1772 Euro, bis die Behörde Wind davon bekam und Anzeige erstattete.

„Nichts beigesteuert“

Vor Gericht bekennt sich die 44-Jährige für nicht schuldig. Dieser Hochstapler sei es gewesen, der sie in diese Drangsal gebracht hätte. „Wenn er überhaupt mal da war und nicht bei irgendeiner seiner Freundinnen, hat er nichts beigesteuert, nicht einen Cent.“

Von einer Meldepflicht hätte sie keinen blanken Schimmer gehabt. Und anfänglich auch nichts von der verkommenen Moral ihres Mietnomaden, an dem sie kein gutes Haar lässt. „Nur ein Betrüger und ein Heiratsschwindler ist das! Der wird schon überall wegen Betrugs gesucht. Einmal habe ich eine Lohnpfändung von 50.000 Euro von ihm gesehen. Aber die vielen armen Frauen, die dieser Typ schon ausgenutzt hat! Und alles gesundheitlich angeschlagene Frauen, so wie ich“, klagt sie dem Richter. Schließlich hätte sie ihn dann eines Tages vor die Tür gesetzt, diesen Luftikus.

„Höchstens Hipp-Müsli“

Als Zeuge geladen, versucht der Deutsche zu relativieren. Zumindest, was das „Ausnutzen ohne einen eigenen Cent“ betraf. So habe er sie und ihre Tochter durchaus mal zu Ausflügen und Essen eingeladen. Eine Aussage, die die Beschuldigte nun endgültig auf die Palme bringt. „Ja ja, Ausflüge und Trallala! Einen Sch . . . dreck hat der Typ bezahlt! Essen konnte ich aufgrund meiner Krankheit ohnehin nichts. Höchstens Hipp-Müsli für zwei Euro“, empört sie sich.

Richter Röthlin attestiert der Beschuldigten kein vorsätzliches Vorgehen bezüglich der Zuwendungen. Sie habe der Behörde nicht bewusst etwas verschwiegen, ist er überzeugt und fällt den Freispruch.

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