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Gedanken zum Sonntag

Weise „Könige“ gehen in die Knie


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Abschluss des von Papst Franziskus vor einem Jahr ausgerufenen Jahres der Barmherzigkeit und Ende des Kirchenjahres mit dem Christkönigsfest: Königsfeier und Barmherzigkeit, das birgt für mich eine ordentliche Spannung in sich – durch die Ereignisse der letzten Tage verstärkt.

Die Evangeliumsstelle nach Lukas (23,35-43) führt uns in die Passions- und Leidensgeschichte Jesu – und stellt ihn als König vor, der ein anderes Reich, eine andere Hoffnung verkörpert, als jene Menschen erwarten, die sich gerne im Windschatten von Mächtigen und Starken einrichten.

Georg Schärmer, Direktor der Caritas Innsbruck, beschreibt etwas von dieser Spannung in seinem Büchlein „Herzschrittmacher, Wege der Barmherzigkeit“ unter Bezug auf die Weisen aus dem Morgenland: „Von unseren ‚Königen‘, Machthabern sind wir anderes gewohnt. Sie zwingen in die Knie, schauen und handeln gerne über die Köpfe der Menschen hinweg. Ihnen geht kein Stern auf; sie verharren oft in der Dunkelheit der Auseinandersetzungen, in der Kälte festgefahrener Positionen. Sie machen sich nicht mit anderen, auch Andersfarbigen auf den Weg. Langmütig-hoffnungsvolle Weise haben eine Vision, suchen Erlösung. Sie finden ein Kind – und gehen vor diesem Kind in die Knie. ‚Willst du ins Angesicht Gottes schauen, wirst du dich wohl bücken müssen.‘“

Die andere Hoffnung

In seinem Roman „Der Großinquisitor“ sagt Dostojews­ki: „Hättest du Krone und Schwert angenommen, so hätten sich dir alle freudig unterworfen. […] Du hast es versäumt. […] Du stiegst nicht herab (vom Kreuz), weil du die Menschen nicht durch ein Wunder zu Sklaven machen wolltest, weil dich nach freier und nicht nach einer durch Wunder erzwungenen Liebe verlangte.“

Jesus wurde gekreuzigt. Die damaligen Herrscher, die er infrage stellte, waren gewohnt, gegen Rebellen rigoros vorzugehen. Viele Menschen schauten stumm zu – zu sagen hatten sie in der großen Politik nichts. Die führenden Männer und Soldaten verspotteten den Sterbenden, die Handlanger der Herrschenden kamen sich stark vor gegenüber der Ohnmacht des Gescheiterten.

Und da waren noch zwei Mitgekreuzigte – Mörder. Der eine von ihnen durchbrach den Chor der Lästerer. Er konnte nichts mehr ändern, nichts mehr gutmachen. Seine Möglichkeiten waren am Ende. Aber mit seiner Bitte „Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Königtum kommst“ nahm sein Leben eine neue Wende. Was er mit Gewalt nicht erreichte – hier wurde es ihm geschenkt. Er bekam Zukunft. An der Schwelle seines Lebens spürte der Schächer wohl die Kraft einer bleibenden Zuwendung. Deshalb konnte er bitten, etwas für ihn zu tun. Er anerkannte Jesus als Retter. Jesus sagte zu allem Spott, der ihm entgegengeschlagen war, kein Wort. Dem reuigen Verbrecher aber verhieß er: „Noch heute wirst du bei mir im Paradiese sein.“

Es ist ein paradoxes „Königsbild“: nicht ein Potentat, sondern ein mit Füßen getretener, geschundener, ans Kreuz genagelter Mensch wird uns als der Gesandte Gottes gezeigt.

Darin liegt eine radikale Infragestellung aller Herrschaft von Menschen über Menschen. Die Perspektive des von Jesus bezeugten Reich Gottes ist die Vision von Miteinander und Gemeinschaft, von Frieden und Gerechtigkeit unter den Menschen, von einer Haltung, die das Gemeinwohl über das Eigenwohl stellt.

Jesus lebte nicht mühelos, er litt an der zerrissenen Menschheit, die sich spaltet in Sieger und Verlierer, Arme und Reiche, Mächtige und Ohnmächtige. Er kam ans Kreuz. Und so hat er die Liebeszuwendung und Zärtlichkeit Gottes für uns Menschen und untereinander erfahrbar gemacht.

Papst Franziskus

Diese Haltung zeigt und verkörpert auch der jetzige Bischof von Rom seit seiner Wahl zum Papst. Angesichts von Kriegen, zunehmender Gewalt und Armut scheint es, als würde die messianische Vision der Gerechtigkeit unter den Menschen, von der Würde aller und der Verantwortung für die Schwächeren wieder einmal schmerzlich scheitern – unter dem Spott all derer, die sich im herrschenden System Vorteile erhoffen, und unter den stummen Blicken vieler, die sich manipulieren lassen.

Papst Franziskus ermuntert zu einer anderen Haltung, die nicht den eigenen Vorteil sucht, sondern sich in den Dienst der anderen stellt. Und er verlangt von der Kirche entschieden, dass sie im Gerangel um den größten Einfluss nicht mitmacht und stattdessen nach den Opfern, nach den Schwachen und an den Rand Gedrängten fragt. Deswegen ist ihm auch eine „verbeulte“ Kirche lieber, als eine, die sich in den Elfenbeinturm theologischer Gelehrsamkeit zurückzieht. Sein Leben und Wirken beeindruckt nicht nur in katholischen und kirchlichen Kreisen, wie man oft und z. B. erst kürzlich bei seiner Teilnahme an den Feierlichkeiten zum Luther-Jubiläum in Lund/Schweden erleben konnte.

Im deutschen Wort Barmherzigkeit steckt ein Arm, der hilft, und ein Herz, das antreibt. Wir dürfen nicht nur auf ein besseres Jenseits warten, sondern sind verantwortlich für unsere Welt. Mut machende Erfahrungen und herz-berührende Zeugnisse der Achtsamkeit und Zuwendung, der Großzügigkeit und Gemeinschaft, die wir auch erleben, machen dankbar und ermuntern dazu, unseren Beitrag zum Frieden, zur Gerechtigkeit und zur Erhaltung der Schöpfung zu leisten.

Dr. Karoline Artner, Werk der Frohbotschaft Batschuns

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