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Vorarlberger, über die man spricht. Reinhold Fritz (59)

Experte in eigener Sache

von Marlies Mohr
Reinhold Fritz hält mit seiner ehemaligen Alkoholsucht nicht hinter dem Berg und kann damit auch anderen helfen. Foto: caritas

Reinhold Fritz hält mit seiner ehemaligen Alkoholsucht nicht hinter dem Berg und kann damit auch anderen helfen. Foto: caritas

Ehemals selbst alkoholkrank, engagiert sich Reinhold Fritz jetzt in der Suchthilfe.

hirschegg. (VN-mm) Seine Stimme klingt fest und zuversichtlich. Etwas, das jene, die mit Reinhold Fritz in Kontakt kommen, mehr als alles andere brauchen können, denn es sind Menschen, die einen Ausweg aus ihrer Alkoholsucht suchen. Der Kleinwalsertaler weiß aus eigener Betroffenheit, wie steinig der Pfad  ist. Er selbst hat die Krankheit im Griff, auch dank der Nachbetreuung durch die Caritas-Suchtfachstelle in Egg. Als Reinhold Fritz gefragt wurde, ob er sich als Kontakt für Personen mit Alkoholproblemen im Kleinwalsertal zur Verfügung stellen würde, hat er sofort eingewilligt. „Nach Egg ist es ja doch ein bisschen weit“, meint er. Das war 2007. Seitdem engagiert sich der Seilbahnbedienstete ehrenamtlich für Alkoholkranke. Ärzte, Gemeinde und Polizei kennen seine Handynummer und geben sie bei Bedarf weiter. „Die Leute melden sich nicht sofort“, erzählt Reinhold Fritz. Die einen tun es früher, die anderen später. Aber fast alle wollen letztlich diese Chance nützen.

Die Reißleine gezogen

Bei Reinhold Fritz waren es in erster Linie berufliche Schwierigkeiten, die ihn schon in jungen Jahren zur Flasche greifen ließen. Sein Alkoholkonsum steigerte sich sukzessive. Aufgefallen ist das jedoch nur anderen. „Selbst merkt man das kaum“, sagt er beiläufig. Erst als er immer öfter zu hören bekam, er trinke ziemlich viel, und ihm der Arzt bedrohlich schlechte Leberwerte attestierte, setzte bei Fritz das Nachdenken ein. Dazu kam der immer stärker werdende Druck aus dem sozialen Umfeld. Da zog er die Reißleine, machte auf Maria Ebene einen achtwöchigen Entzug und ließ sich danach ambulant durch die Caritas betreuen. Rückblickend spricht der Hobbylandwirt von großem Glück, das ihm beschieden war. „Ich hatte noch alles: die Familie, den Arbeitsplatz und den Führerschein.“ Das wollte er sich bewahren. Heute noch nimmt er an Treffen der Anonymen Alkoholiker in Sonthofen teil. Das bietet er auch seinen Klienten an. Doch zuerst wird geredet. Alles bleibt im Raum. Reinhold Fritz betont die Schweigepflicht. Es beginnt damit, dass er seine eigene Geschichte erzählt. Sie öffnet meist sehr schnell die Tür zum Gegenüber. Dann hört er zu, bis alles gesagt ist. Danach bietet er die Weitervermittlung zur Caritas oder zu den Anonymen Alkoholikern an, nicht, ohne den Hilfesuchenden noch Informationen in die Hand zu drücken und sie zu einem Folgetreffen einzuladen. Hat sich der Klient für die Suchtberatung der Caritas entschieden, wird er von Reinhold Fritz zum ersten Treffen begleitet. So lassen sich Hemmschwellen leichter überwinden. Gleiches gilt für die Anonymen Alkoholiker. Der Hirschegger ist da, wenn er gebraucht wird.

Offener Umgang

Stets hat er ein paar Telefonnummern parat, die er anrufen kann, wenn es seine Situation erfordert. Die Alkoholsucht lässt einen nämlich nie mehr ganz los. Doch Reinhold Fritz kann offen damit umgehen. Er scheut sich längst nicht mehr, nach Alkohol im Kuchen zu fragen. „Allein schon der Geschmack …“, lässt er den Satz unvollendet. Die ehrenamtliche Tätigkeit stärkt ihn ebenso wie der regelmäßige Besuch der Anonymen Alkoholiker. „Diese Selbsthilfegruppe ist mein Stammtisch“, merkt er lachend an. Man nehme immer etwas mit, könne aber auch viel dort lassen. Zu den Ritualen, die ihm gut tun und ihn wach halten, zählen zudem Besuche auf Maria Ebene. „Ich möchte nicht mehr in dieses Fahrwasser geraten“, hat sich Reinhold Fritz vorgenommen.

Ich hatte noch alles: die Familie, die Arbeit und den Führerschein.

Reinhold Fritz

Zur Person

Reinhold Fritz

Geboren: 23. März 1957 in Hirschegg/Kleinwalsertal

Wohnort: Hirschegg

Familienstand: verheiratet, 2 Kinder

Beruf: Seilbahnbediensteter

Hobby: Landwirtschaft mit Schafen und Hühnern

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