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Kommentar

Wolfgang Burtscher

Gottes Hilfe

Nun soll es also der liebe Gott richten. Nach dem „Ich bin bei Euch“ hat Norbert Hofer noch eins draufgesetzt. Mein erster Gedanke nach dem Plakat „So wahr mir Gott helfe“ war der uralte Spruch: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! Aber das kann Hofer nicht gemeint haben, denn der Satz warnt ja davor, sich nicht zu sehr auf Götter oder höhere Mächte zu verlassen. Und Hofer bettelt ja förmlich um Gottes Hilfe. Hat es schon so weit heruntergeschneit? Hofers Plakate sind schon deshalb pikant, weil er vor sieben Jahren wegen einer „von höchsten katholischen Kreisen initiierten Kampagne und Hexenjagd gegen die FPÖ“ aus der katholischen Kirche ausgetreten und später in die evangelische Kirche eingetreten ist. Tritt er jetzt auch dort aus, weil ihm die evangelischen Kirchen klar geantwortet haben: „Gott lässt sich nicht für eigene Absichten oder politische Zwecke instrumentalisieren“? Dazu wurde das zweite Gebot der Bibel zitiert: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.“ Wird Hofer mit einem anderen Bibelzitat antworten? Ich hätte da einige Vorschläge: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh, 14,6)? Geht aber nicht, zu zahlreich sind die Unwahrheiten, deren Hofer und die FPÖ in den letzten Monaten überführt worden sind. Aus exakt demselben Grund scheidet aus: „Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider Deinen Nächsten (2. Moses, 20, 16). Oder: „Eure Rede sei ja, ja, nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel“ (Mt 5,37) – zu aberwitzig sind die Hofer-Schwenks zu wichtigen Fragen, allen voran zunächst der Jubel um den Brexit und der Vorschlag für den Öxit, und dann ist Hofer wieder gegen den EU-Austritt.

Immer mehr fragen sich Österreichs Journalisten, wie man auf die laufenden FPÖ-Provokationen reagieren soll. Sich empören? Totschweigen? Ich halte es heute mit dem Spruch „Wie man in den Wald hineinruft“ – also mit Bibelzitaten. Eine Auswahl: Zu Hofers Allmachtsfantasien, was er denn als Präsident alles tun werde, obwohl ihm die Verfassung vieles in Wahrheit gar nicht erlaubt: „Was deines Amtes nicht ist, da lass deinen Vorwitz“ (Jesus Sirach 3,24). Zu seinem Parteiobmann, der gerade wegen der Flüchtlingsbewegung einen Bürgerkrieg heraufbeschwört: „ Sie säen Wind und werden Sturm ernten“ (Hosea 8,7). Wenn derselbe Strache, ausgerechnet am Nationalfeiertag, auf Facebook Gedichte des Dichters Ottokar Kernstock zitiert , dessen Hakenkreuzlied von den Nationalsozialisten zur Propaganda verwendet wurde, sei auf Matthäus 7,16 verwiesen: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Dieselbe Bibelstelle ist offenbar von hoher Aktualität: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen. Inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“

Sollte Hofer am 4. Dezember nicht gewinnen, zwei Zitate: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Mk 15,34). Oder: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lk 23,34 ).

wolfgang.burtscher@vorarlbergernachrichten.at
Wolfgang Burtscher, Journalist und ehemaliger ORF-Landesdirektor, lebt in Feldkirch.

Hat es schon so weit herunter­geschneit?

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