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Vorarlberger, über die man spricht. Josef Kittinger (63)

Vom Leben tragen lassen

Josef Kittinger hat das Bildungshaus St. Arbogast über 27 Jahre geleitet und geprägt. Foto: VN/GMS

Josef Kittinger hat das Bildungshaus St. Arbogast über 27 Jahre geleitet und geprägt. Foto: VN/GMS

Josef Kittinger hat nach prägenden 27 Jahren die Führung des Bildungshauses St. Arbogast abgegeben.

Götzis. (VN-gms) „Es ist sehr stimmig. Ich habe innerlich schon losgelassen.“ So antwortet Josef Kittinger auf die Frage, die er in den letzten Tagen öfters gehört hat. Nämlich, wie leicht es ihm fällt, seine Aufgabe in St. Arbogast aufzugeben. Denn seit dem 2. November ist er nicht mehr der Leiter des Bildungshauses St. Arbogast. Ein Haus, das unter seiner Führung in 27 Jahren die jährlichen Gästezahlen von 16.000 auf 28.000 Besucher fast verdoppelt hat. 680.000 Vorarlberger, darunter 180.000 Jugendliche, waren während seiner Amtszeit zu Gast im Bildungshaus oberhalb von Götzis. Und St. Arbogast wurde in seiner Amtszeit in vielerlei Hinsicht um- und ausgebaut. Da wären einmal die vielen Baumaßnahmen, die das Bildungshaus architektonisch neu ausgerichtet haben und auf die Kittinger hörbar stolz ist, wenn er von gelungener Architektur und technischen Neuerungen, wie der damals ersten Biomasse-Nahwärme-Anlage Vorarlbergs, spricht. Aber auch inhaltlich hat der Theologe mit steirischen Wurzeln das Haus geprägt und weiterentwickelt. „Als ich übernommen habe, hat bereits eine Kultur der Gastfreundschaft vorgeherrscht“, erklärt er. „Darauf hat meine Arbeit aufgebaut.“ Aber er hat weit mehr getan. Er hat die klassisch katholische Bildungseinrichtung weiter geöffnet. „Frei reden, frei denken, zu sich selber finden“, das sollen die Menschen in Arbogast, wünscht sich Kittinger. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wurde mehrfach ausgezeichnet, so etwa mit dem Staatspreis für Erwachsenenbildung 2011.

„Weltoffene christliche Spiritualität“ ist für Kittinger die Grundlage, ohne aber beliebig zu sein. Das bedeute aber Respekt vor jedem Menschen, ganz gleich, welche Leistung er bringt, aus welcher Kultur er kommt oder welche Religion er hat. „Das ist ganz im Sinne Jesu.“ Arbogast sieht er als Haus des Dialogs. Deshalb sei es auch wichtig, dass hier alle Bevölkerungsgruppen Zugang hätten und Angebote finden würden. „Der gesellschaftliche Querschnitt ist willkommen.“

Stille als Energiequelle

Die eigene Spiritualität erlebt der Theologe vor allem in Momenten der Stille. Da spüre er die Verbundenheit mit dem großen Ganzen, mit dem Göttlichen. „Da gehe ich dem Leben auf den Grund, und ich merke: Das Leben trägt mich.“ Daraus schöpfe er auch seine Energie. Diese Besinnung und Kraft trägt Kittinger dann in den Tag hinaus und in die Begegnungen mit den Menschen hinein. Er sei ein „Nicht-Perfektionist“, betont er, und auch in Arbogast herrsche eine fehlerfreundliche Unternehmenskultur. Das ermögliche es, besser zu werden. Was man nicht ändern könne, das könne man getrost annehmen. Ihn prägt eine weltoffene sinnliche Spiritualität, die er so zusammenfasst: „Das Leben lieben und die Liebe leben.“

Derzeit übergibt er sein Amt an Nachfolger Daniel Mutschlechner. Das Büro habe er bereits gewechselt. Und diese Woche wird bei einer Feier Abschied gefeiert. Losgelassen habe er bereits in den letzten Wochen. „Ich bin aktuell in einer Transitphase.“ Angesprochen auf seine Pläne für den Ruhestand, ist die Antwort überraschend. „Mein Plan ist eine Brachzeit. Und nicht gleich Pläne zu machen.“ Er freut sich darauf, dass er nun mehr Zeit für die Stille hat. Und fürs Lesen und Reisen.

Allerdings ist der Abschied kein kompletter Ausstieg vom Bildungshaus St. Arbogast. Denn Josef Kittinger wird die „Tage der Utopie“ weiter mitgestalten und sich zukünftig auch intensiver einbringen können.

Mein Plan ist eine Brachzeit. Und nicht gleich Pläne zu machen.

Josef Kittinger

Zur Person

Josef Kittinger

Von 1989 bis Anfang November hat der Theologe das Bildungshaus St. Arbogast geführt.

Geboren: 1. Februar 1953

Familie: verheiratet, zwei Töchter

Hobbys: Lesen, Reisen, Fotografieren, Stille und Natur genießen.

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