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Die Vorsorge landet jetzt auf dem Seziertisch

von Marlies Mohr

Erstes Gesundheits­forum befasst sich mit Mammografie- und PSA-Screening.

Lingenau. (VN-mm) Ausgerechnet im Musterland der Vorsorge kommt eben jene nun auf den Seziertisch. Nächste Woche startet in Lingenau die erste Runde des Gesundheitsforums, in dem es um die Vorsorgemedizin der Zukunft geht. In- und ausländische Experten nehmen dabei das Mammografie- und PSA-Screening unter die Lupe. Hintergrund ist die weltweit lauter werdende Diskussion um den tatsächlichen Nutzen solcher umfassender Untersuchungen, vor allem aber der daraus resultierenden Überdiagnosen. „Es ist Zeit, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu sondieren“, begründet Hans Concin, Vorsorgemediziner und Präsident des aks Vereins, die Gründung dieser Veranstaltungsreihe, die viermal im Jahr stattfinden und bestehende Vorsorgeangebote eingehend betrachten soll.

Schlafende Karzinome

Screening-Programme haben in Vorarlberg eine lange Tradition. So wurde bereits 1966 die Schuluntersuchung eingeführt. Zwei Jahre später folgte die Schwangerenvorsorge, danach die gynäkologische Vorsorge. Weitere Beispiele sind die Gesundenuntersuchung, das Mammografie- und Osteoporose-Screening sowie die Darmkrebsvorsorge. Die Bevölkerung nutzte die Möglichkeiten. Rund 190.000 Untersuchungen sind mittlerweile in der Datenbank des aks verzeichnet. Speziell im onkologischen Screening haben sich allerdings Probleme offenbart. „Es zeigte sich, dass die hochsensiblen Untersuchungsmethoden offenbar vermehrt sogenannte schlafende Karzinome zutage fördern, die zumindest theoretisch nie auffällig werden“, erklärt Hans Concin den Begriff der Überdiagnosen. Ihre Anzahl lässt sich jedoch nur schwer feststellen, weil die zur Bestimmung verwendeten mathematischen Modelle oft auf Annahmen beruhen und deshalb recht unterschiedliche Ergebnisse liefern. Die Diskussion habe dennoch zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung und bei Ärzten geführt.

Keine Einschränkungen

Den Wert von Screening-Untersuchungen stellt Concin nicht in Abrede. Im Gegenteil. „Sie sind eine tragende Säule der Vorsorgemedizin“, betont er. Die Abwägung von Vor- und Nachteilen einer Massenuntersuchung erfordere aber einen gesicherten wissenschaftlichen Nachweis. Die Basis dazu soll das Gesundheitsforum liefern. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard steht ebenfalls hinter dem Anspruch, eine evidenzbasierte Vorsorgemedizin zu bieten. Es sei legitim, bestehende Programme kritisch zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen, denn es gehe letztendlich auch um die Entwicklung neuer Angebote. Den in diesem Zusammenhang unterstellten Spargedanken erteilt Bernhard eine deutliche Absage. „Es wird in der Vorsorge keine Einschränkungen geben“, versichert er. Vielmehr gelte es fachlich zu überprüfen, was zum Vorteil der Bevölkerung ist.

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