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VN-Interview. Hans Concin (69) und Michael Jeleff (63) über Zika und seine Folgen

Noch zehn Jahre bis zur Impfung

von Marlies Mohr
Michael Jeleff kennt sich in der Reisemedizin aus. Foto: vn/mm

Michael Jeleff kennt sich in der Reisemedizin aus. Foto: vn/mm

Das Zika-Virus beschäftigt vor allem die Reiseberatung, aber erst nach der Rückkehr.

Bregenz. (VN-mm) Die rasante Verbreitung des Zika-Virus war das Thema dieses Sommers, nicht zuletzt, weil auch in Europa immer mehr Infektionen bekannt werden. Aktuell gibt es zudem einen Fall in Vorarlberg (die VN berichteten). Eine besondere Rolle spielt das Virus in der Reiseberatung.

In welchen Ländern treten aktuell Zika-Infektionen auf?

Jeleff: Es sind schon mehr als 60 Länder betroffen, aktuelle Zika-Gebiete sind Mittel- und Südamerika (besonders Brasilien und Kolumbien), Südflorida, die Karibik (Puerto Rico), die pazifischen Inseln Ozeaniens, Länder West- und Zentralafrikas sowie Südostasien (Singapur, Thailand, Vietnam). Eine ständige Aktualisierung ist auf der Homepage des Gesundheitsministeriums, die eine Zika-Weltkarte beinhaltet, unter www.bmgf.gv.at/home/zika abrufbar.

Wie erfolgt die Übertragung des Zika-Virus?

Jeleff: Es wird hauptsächlich durch Stechmücken der Gattung Aedes übertragen. Diese Mücken sind vor allem in den Tropen und den Subtropen heimisch und überwiegend tagaktiv. Sie übertragen zudem das Dengue-Fieber und Chikungunya. Als weiterer Überträger gilt die Asiatische Tigermücke, die mittlerweile auch in Europa anzutreffen ist. Da es noch keine Impfung gibt, bleibt als Sicherheit nur der Mückenschutz.

Wie sollte der aussehen?

Jeleff: Ich empfehle mit Imprägniermittel behandelte langärmelige helle Kleidung bzw. Hosen sowie das Auftragen eines Mückenschutzes für die Haut. Er ist auch für Schwangere ungefährlich. Im Hotelzimmer die Klimaanlage einschalten, denn Mücken mögen kühle Räume nicht so gerne.

Es gibt ein gehäuftes Auftreten von kindlichen Missbildungen, wenn schwangere Frauen eine Zikavirus-Infektion durchgemacht haben. Stimmt das?

Concin: Ja, der Zusammenhang ist inzwischen wissenschaftlich gesichert. Eine Infektion mit dem Zika-Virus während der Schwangerschaft kann Schädel-Hirn-Missbildungen beim ungeborenen Kind verursachen, und das nicht nur am Anfang einer Schwangerschaft. Laut neuesten Erkenntnissen wirkt die zerstörerische Kraft bis ans Ende der Schwangerschaft. Aber auch bei gesund Geborenen können später neurologische Probleme auftreten. Dazu kommt, dass die Hälfte aller Schwangerschaften ungeplant ist. Das heißt, viele wissen vielleicht gar nicht, dass sie infiziert sind. Zika-Viren halten sich auch sehr lange im Samen des Mannes. Ursprünglich war von drei bis vier Monaten die Rede, inzwischen wurde der Zeitraum auf ein halbes Jahr ausgedehnt. In dieser Zeit sollte kein ungeschützter Geschlechtsverkehr stattfinden und auf eine Schwangerschaft verzichtet werden.

Wenn das Virus schon seit 1947 bekannt ist, warum wurden erst jetzt Missbildungen bekannt?

Concin: Das könnte einerseits daran liegen, dass die dort lebende Bevölkerung eine Infektion schon im Kindesalter durchgemacht hat und dadurch der Großteil der Frauen bei der Schwangerschaft immun ist, andererseits fehlen erfasste Daten hierzu, und eine hohe Säuglingssterblichkeit spielt sicher auch eine Rolle.

Bis wann ist mit einer Impfung zu rechnen?

Concin: Das wird sicher noch zehn Jahre dauern. In Amerika wurden 6000 Substanzen getestet, zwei davon gelten als vielversprechende Therapieoptionen.

Welche Symptome sind für eine Zika-Virus-Infektion typisch?

Jeleff: Charakteristisch ist das Auftreten eines knotig fleckigen Hautausschlags, begleitet von Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, Erbrechen sowie einer nicht eitrigen Bindehautentzündung. Der Hautausschlag hält ca. sechs Tage an, die anderen Symptome klingen früher ab. Komplikationen sind selten, dann aber heftig. Es kann zu einem neurologischen Krankheitsbild, dem Guillain-Barre-Syndrom kommen, welches entzündliche Veränderungen im Rückenmark auslöst, die zu Lähmungen führen. In der Regel ist die Infektion jedoch harmlos, oft verläuft sie ohne Krankheitssymptome.

Sollte nach der Rückkehr aus einem Zika-Gebiet immer gleich das Blut untersucht werden?

Jeleff: Bei fehlenden Symptomen ist eine serologische Untersuchung bei aktuell schwangeren Frauen und Männern mit schwangerer Partnerin, die aus Zika-Virus-Ausbruchsgebieten kommen, sinnvoll. Frauen, die sich nicht sicher sind, ob sie schwanger sein könnten, sollten einen Schwangerschaftstest durchführen. (Quelle: Bernhard Nocht Institut für Tropenmedizin). Bei Unsicherheit in diesen Fragen sollten sie sich an die Frauenärztin oder den Frauenarzt wenden.

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