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Sorge wegen der Vogelgrippe

von Michael Gasser
Verordnung: Ab heute muss Geflügel in elf Gemeinden in die Ställe. Symbolfoto: vn/Hartinger

Verordnung: Ab heute muss Geflügel in elf Gemeinden in die Ställe. Symbolfoto: vn/Hartinger

Erster Verdachtsfall in einem Betrieb. Stallpflicht auf elf Gemeinden ausgeweitet.

bregenz. Die Lage spitzt sich zu. Immer neue Meldungen über an der Vogelgrippe verendete Wildvögel halten die Behörden in Atem. Gestern wurde nun auch der erste Verdachtsfall bei Hausgeflügel bekannt. Proben von zumindest zwei toten Tieren aus einem Vorarlberger Betrieb werden von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf Vogelgrippe getestet. Für heute, Freitag, wurde dem Land Vorarlberg das Untersuchungsergebnis zugesagt. „Dann müssen wir je nach Ergebnis entscheiden, welche notwendigen Maßnahmen zu setzen sind“, erklärt Agrarlandesrat Erich Schwärzler (63) auf VN-Anfrage.

Der Verdachtsfall wurde am Mittwoch gemeldet, der Betrieb umgehend gesperrt. Sollte sich der Verdacht bestätigen, sei der betroffene Bestand zu keulen, hieß es seitens des Gesundheitsministeriums gestern. Hinweise darauf, dass betroffenes Geflügel in den Verkauf gekommen sei, gibt es indes nicht.

Stallpflicht ausgeweitet

Um Mitternacht ist unterdessen eine Verordnung zur Stallpflicht in Kraft getreten. War ursprünglich in Absprache mit Deutschland und der Schweiz ein Schutzgebiet von etwa einem Kilometer rund um den Bodensee im Gespräch, wurde am Abend das Gebiet deutlich ausgeweitet. Die Stallpflicht trifft Geflügelhalter in elf Kommunen (Bregenz, Fußach, Gaißau, Hard, Höchst, Hörbranz, Kennelbach, Lauterach, Lochau, Lustenau und Wolfurt) – sie gilt für das gesamte Gemeindegebiet. Informationen über die Dauer der Sperre gab es noch nicht. Klarheit dürfte der heutige Tag bringen. Hinter den Kulissen wird bereits ein Worst-Case-Szenario vorbereitet. Dieses würde auch ein Ausdehnen der Stallpflicht auf weitere Gemeinden beinhalten.

Sorge um Tiere

Die Stallpflicht stößt allerdings längst nicht überall auf Gegenliebe. Elisabeth Feuerstein aus Dornbirn hält gut 30 Tiere. Sie sagt: „Viele kleine Geflügelhalter haben gar keine Möglichkeit, die Tiere artgerecht unter Dach zu halten.“ Die Ställe würden oft nur als Schutz vor Fuchs und Marder dienen. Deshalb sollte man kleinen Betrieben die Möglichkeit geben, die Tiere draußen zu lassen. Auf kleinstem Raum würden sie sich sonst gegenseitig verletzen oder töten.

Landesrat Erich Schwärzler hat grundsätzlich Verständnis für die Einwände wegen zusätzlicher Belastung, sagt aber gleichzeitig: „Die Gesundheit der Tiere hat Priorität.“ Allerdings sollte man bei der Dauer der Stallpflicht flexibel sein. „Wenn die Gefahr gebannt ist, sollen die Betriebe möglichst schnell wieder freigegeben werden.“

Gestern äußerte sich Vorarlbergs Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (53) über die vom Virus ausgehende Ansteckungsgefahr. Er glaube nicht, dass das Virus H5N8 auf andere Tiere als Vögel übertragbar ist. Die Gefahr für Wildvögel und Hausgeflügel sei aber immens. „Das Virus ist für die Vogelwelt das, was Ebola für den Menschen ist“, betonte er im Gespräch mit der APA.

Experten haben zuletzt immer wieder darauf hingewiesen, dass die aktuelle Form der Vogelgrippe für den Menschen ungefährlich sei. H5N8 gehöre nicht zu den Stämmen, die auch bei Menschen Krankheiten auslösen, heißt es.

Das Virus ist für die Vogelwelt das, was Ebola für Menschen ist.

LR Christian Bernhard

Stichwort

H5N8. Die Untersuchungen der in Vorarlberg gefundenen toten Reiher- und Tafelenten haben den Nachweis des Aviären Influenzavirus (AI) des Subtyps H5N8 in der hochpathogenen Variante ergeben. H5N8 gehört nach bisherigem Kenntnisstand nicht zu den Stämmen, die auch bei Menschen Erkrankungen auslösen. Die Unterscheidung in hochpathogene und niedrigpathogene AI-Typen bezieht sich auf den Schweregrad der Erkrankung bei Vöglen. Hochpathogene AI-Typen führen zu schweren Krankheitsverläufen und hohen Sterberaten.

Vogelgrippe weitet sich in anderen Regionen aus

Bregenz. Die Gesundheitsbehörden mehrerer Länder bestätigen immer neue Fälle der Vogelgrippe. So wurde der Erreger des Subtyps H5N8 bei Enten in einer Geflügelfarm im südungarischen Ort Kiskunmajsa nachgewiesen. Die ungarischen Behörden haben die Tötung der infizierten Tiere angeordnet.

Die Vogelgrippe hat unterdessen auch das deutsche Bundesland Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Bei einer toten Reiherente, die auf der Insel Riems gefunden wurde, sei das Virus H5N8 nachgewiesen worden, teilte der zuständige Agrarminister mit. Außerdem gebe es zahlreiche weitere Verdachtsfälle.

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