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200 freie Asylplätze im Land

von Michael Prock
Im Großquartier in der ehemaligen Tennishalle Götzis sind aktuell rund 100 Plätze für Asylwerber frei. Foto: VN/Steurer

Im Großquartier in der ehemaligen Tennishalle Götzis sind aktuell rund 100 Plätze für Asylwerber frei. Foto: VN/Steurer

Landesrat Schwärzler will 2017 die Anzahl der Asylquartiere in Vorarlberg reduzieren.

Bregenz. Es waren turbulente Zeiten, mit denen sich Österreich vor über einem Jahr konfrontiert sah. Zigtausende Flüchtlinge suchten Schutz in Mitteleuropa. Krieg, Hunger und Verfolgung trieben Menschen über die Türkei, Griechenland, die Balkanländer bis nach Österreich und Deutschland. In allen Bundesländern das gleiche Bild: Quartiere mussten her, und zwar rasch. Auch in Vorarlberg suchten Land und Gemeinden nach Wohnungen, Häusern und Hallen, um Asylwerbern ein Dach bieten zu können.

Der Zuzug nach Mitteleuropa, und damit auch nach Vorarlberg, hat sich in diesem Jahr drastisch verringert. Die Bundesregierung legte eine sogenannte Obergrenze fest: Bei 37.500 Asylwerbern ist Schluss. Derzeit rechnen die Verantwortlichen damit, diese Höchstgrenze nicht zu erreichen. Dementsprechend hat auch der Druck auf die Grundversorgungsquartiere in Vorarlberg nachgelassen. So sehr, dass Asyllandesrat Erich Schwärzler (ÖVP) betont: „Wir werden Anfang des Jahres die Situation neu bewerten und anschließend die Anzahl der Quartiere verringern.“

3649 Flüchtlinge werden derzeit in 660 Quartieren im Land grundversorgt. Fast zwei Drittel der Asylquartiere (403) zählt die Landesverwaltung zu den „privaten Kleinquartieren“, darunter fallen auch Wohnungen, die für Konventionsflüchtlinge gefunden wurden. Nicht alle Plätze sind belegt. Laut Auskunft des Landes verfügt Vorarlberg derzeit über 200 freie Plätze. Zudem sind rund 600 Plätze von Flüchtlingen mit Asylstatus belegt. Es fehlt an geeignetem Wohnraum im Land, erklärt Sonja Troger, Flüchtlingskoordinatorin des Landes: „Zudem gibt es keine zwangsweise Verpflichtungsmöglichkeit einer Behörde für einen Konventionsflüchtling, jede Unterkunft anzunehmen.“ Wohnungen im Rheintal seien logischerweise begehrter als in den höheren Talschaften.

Über die Hälfte der freien Plätze befindet sich in den zwei großen Quartieren in Götzis und in Dornbirn, die jeweils das Privatunternehmen ORS verwaltet. In Götzis haben rund 180 Menschen Platz, etwa 80 bewohnen die Halle derzeit. Auch in Dornbirn leben aktuell 80 Flüchtlinge, bei einer Quartiersgröße von 130. Für die leeren Betten zahlt das Land nur bedingt, wie Schwärzler erklärt: „Die Hallenmiete ist immer gleich, egal, wie viele Flüchtlinge darin leben. Der Betrag für Verpflegung und Betreuung richtet sich natürlich nach den tatsächlich betreuten Asylwerbern.“

Länder in Lauerstellung

Auf die 200 Plätze wollen die Verantwortlichen vorerst nicht verzichten, sagt Sonja Troger: „Grundsätzlich sind Bund und Länder in einer Art Lauerstellung. Es ist bekannt, dass rund um Europa Hunderttausende Flüchtlinge warten.“ Anfang 2017 wollen Innenministerium und Länder die Situation neu bewerten. „Wir werden darüber nachdenken, wie viele Quartiere wir tatsächlich noch brauchen. Ich gehe davon aus, dass wir die Plätze verringern werden“, ist sich Landesrat Schwärzler sicher. Eine weitere Herausforderung für das kommende Jahr wird der Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF).

In Ländern wie dem Irak existieren keine zentralen Melderegister, Geburtsdaten werden teilweise gar nicht aufgezeichnet. Jugendliche mit unbekanntem Geburtstag bekommen von Österreichs Behörden den 1. Jänner zugewiesen, was zur Folge hat, dass am 1. Jänner 2017 viele Jugendliche 18 Jahre alt werden. Die Zahl der Minderjährigen nimmt mit Jahreswechsel demnach schlagartig ab. Als Erwachsene werden Flüchtlinge anders behandelt; sie erhalten weniger Betreuung und sollten sich eine eigene Wohnung suchen. Das aber ist, wie bereits beschrieben, in Vorarlberg besonders schwierig.

Ich gehe davon aus, dass wir die Plätze verringern werden.

Erich Schwärzler

Asyl in Vorarlberg

80.854 Menschen in der Grundversorgung in Österreich, davon 3649 in Vorarlberg (Quote: 102,33 Prozent)

Vorarlberg:
660 Quartiere in 81 Gemeinden

» 18 Quartiere der Caritas mit jeweils über 25 Personen

» 231 Caritas Kleinquartiere

» 403 private Quartiere (inklusive Quartiere, die für Konventionsflüchtlinge gefunden wurden)

» 5 große Quartiere von ORS

» 1 Quartier des Roten Kreuzes

» 2 IfS-Quartiere (für UMF)

 

(Quelle: Land Vorarlberg,
Stand 4. November 2016)

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