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Aus der Geschichte. Am 21. November 1916 starb Kaiser Franz Joseph I.

Ein Festumzug für den greisen Kaiser

von Peter Schuster

Vor 100 Jahren starb Kaiser Franz Joseph I. Fünf Jahre zuvor hatte er Bregenz besucht.

Bregenz. In einem patriotischen Freudentaumel befand sich ganz Vorarlberg an jenem 30. August des Jahres 1909, an dem Kaiser Franz Joseph I. dem Land seine Aufwartung machte. Es war der erste Besuch des greisen Kaisers seit 25 Jahren, und der hatte einen besonderen Anlass: 100 Jahre zuvor hatten Vorarlberger im Aufstand gegen Bayern für das Haus Habsburg gekämpft. Höhepunkt des Besuchs war ein großer Umzug in Bregenz, in dem 1600 Kostümierte nicht nur die Kämpfe von 1809, sondern die gesamte Geschichte Vorarlbergs vor den Augen des Kaisers Revue passieren ließen, der in einer eigens gebauten Loge am Kornmarktplatz zusah.

Auf der Fahrt nach Bregenz ließ sich der 79-jährige Herrscher von Landeshauptmann Adolf Rhomberg Auskünfte erteilen und soll dabei gezeigt haben, dass er sich gut in Vorarlberg auskennt. „Ihm waren zahlreiche Berge, Täler und Orte im Ländle wohlbekannt“, berichtete das Vorarlberger Volksblatt und schrieb auch: „Liebe und Treue zum erlauchten Herrscherhause, Treue und Liebe zum Stamme der Habsburger sind tief eingewurzelt in die Herzen der Untertanen.“

Dieser Überschwang war durchaus ernst gemeint. „Vorarlberg war schon sehr kaisertreu“, weiß der Bregenzer Stadtarchivar Thomas Klagian. Dennoch steckte in den Treuebekundungen und den aufwendig zelebrierten Feierlichkeiten 1909 ein bisschen Kalkül: Man wollte dem Kaiser zeigen, dass man ein Land mit eigener Identität war und folglich auch eine eigene Landesverwaltung verdiene. Vorarlberg war zu dieser Zeit der Statthalterei in Innsbruck unterstellt. „Da ging es aber vor allem um die Identität“, erläutert Klagian. Denn große Nachteile brachte diese Verwaltungsstruktur den Vorarlbergern nicht, „viele Verwaltungsangelegenheiten konnte man in Vorarlberg selbst bestimmen“, so der Archivar.

Mehrere Besuche

Es war der vierte Besuch Franz Josephs bei seinen Untertanen vor dem Arlberg. 1850, nur zwei Jahre nach seiner Thronbesteigung, weilte er erstmals in Bregenz. Damals traf er sich mit den Königen von Württemberg und Bayern, um zu beraten, wie man wohl mit revolutionären Kräften verfahren solle. „Franz Joseph war stockkonservativ“, urteilt Historiker Klagian.

Bis zu seinem nächsten Trip über den Arlberg dauerte es: 1881 und nur drei Jahre später, 1884, überzeugte sich der nun über 50-jährige Monarch vom technischen Fortschritt im Land. 1881 führte er in Dornbirn das erste Telefongespräch im Ländle, als er die Telefonanlage von der Spinnerei Gütle und dem Hauptbüro der Firma F. M. Hämmerle einweihte. 1884 nahm er an der Premierenfahrt der Arlbergbahn teil.

In seiner Ansprache am Kornmarktplatz bei seinem Besuch 1909 bedankte sich der 79-Jährige für die Treue der Vorarlberger zu seinem Hause. „Früchte getragen haben die Bemühungen um eine eigene Landesverwaltung übrigens nicht“, sagt Thomas Klagian.

<p class="caption">Der Kaiser sah sich den Festumzug aus der eigens für ihn gebauten Loge an.  Fotos: Stadtarchiv</p>

Der Kaiser sah sich den Festumzug aus der eigens für ihn gebauten Loge an.  Fotos: Stadtarchiv

<p class="caption">Der Monarch wird am Bahnhof Bregenz empfangen. </p>

Der Monarch wird am Bahnhof Bregenz empfangen.

Der "ewige" Kaiser Franz Joseph I.

Wien. Seine Regentschaft war länger als die Lebenserwartung seiner Untertanen. Fast 68 Jahre lang führte Franz Joseph I. das Zepter in der Donaumonarchie. Am heutigen Montag jährt sich sein Tod zum 100. Mal. Die Habsburgermonarchie überlebte den “ewigen” Kaiser nur um knapp zwei Jahre.

Erzherzog Franz Joseph aus dem Hause Habsburg-Lothringen wurde am 18. August 1830 unter der Regentschaft seines Großvaters Franz II./I. im Schloss Schönbrunn geboren. Als dieser 1835 starb, folgte ihm zunächst sein Sohn Ferdinand I. auf den Thron. Als 1848 die Revolution auch über Wien hereinbrach, musste Ferdinand abdanken. Der 18-jährige Franz wurde am 2. Dezember 1848 zum Kaiser proklamiert.

Der junge Kaiser errichtete zunächst eine unbeschränkte neoabsolutistische Herrschaft. Erst außenpolitische Ereignisse führten zu einer Wende hin zu konstitutionellen Reformen. 1854 heiratete Franz Joseph die Tochter des Herzogs von Bayern, Prinzessin Elisabeth, genannt “Sisi”. Sie schenkte ihm vier Kinder, ihr einziger Sohn Rudolf beging jedoch 1889 Selbstmord. Elisabeth wurde 1898 in Genf von dem Anarchisten Luigi Lucheni erstochen.

Am 21. November 1916 um 21.05 Uhr hauchte der 86-jährige Kaiser, schon länger von Fieber und Husten geplagt, im Schloss Schönbrunn sein Leben aus.

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