IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG!
Hier klicken und mitmachen!

Vorarlberger zahlen beim Unfallschutz drauf

von Michael Prock

Vorarlberger erhalten 53 Prozent ihre AUVA-Beiträge an Leistungen zurück.

Schwarzach. Die Lohnneben­kosten haben sich längst zu einem Dauergast wirtschaftspolitischer Debatten entwickelt. Ihr Ruf ist umstritten: Wirtschaftsvertreter und diverse politische Lager halten Lohnnebenkosten für eine Unternehmerbremse; Gewerkschaften und andere politische Lager raten dringend davon ab, Lohnnebenkosten zu kürzen. Der Begriff „Kosten“ ist jedenfalls irreführend. Schließlich gibt es für viele dieser Ausgaben eine Gegenleistung, zum Beispiel bei der Allgemeinen Unfallversicherung (AUVA). Der Arbeitgeber bezahlt 1,3 Prozent der Bruttolohnkosten an die AUVA, dafür sind die Angestellten und Arbeiter während der Arbeitszeit unfallversichert.

53 Prozent kommen zurück

Die Versicherung unterhält sieben Unfallkrankenhäuser und vier Reha-Zentren. Zudem bezahlt die AUVA sogenannte Unfallrenten, wenn jemand nach einem Arbeitsunfall nicht mehr arbeiten kann. Eine parlamentarische Anfrage des Neos-Nationalratsabgeordneten Gerald Loacker nimmt die finanzielle Situation der AUVA unter die Lupe. Demnach waren 206.724 Vorarlberger unfallversichert, die Unternehmen bezahlten insgesamt rund 60 Millionen Euro. Ein bisschen über 30 Millionen kamen zurück. Umgerechnet flossen 53 Prozent der Beiträge an Vorarlberg: Spitzenwert in Österreich. Am besten steigen die Kärntner aus, sie erhalten ein Viertel mehr, als sie einzahlen.

Die Zahlen sind allerdings relativ: Schließlich verfügt Vorarlberg weder über eine Heilanstalt noch über ein Reha-Zentrum der AUVA, an welche die Beiträge bezahlt werden könnten. Auch die Rentenleistung differiere, schildert Loacker: „In den Industrieländern wie Oberösterreich sind diese Werte sicher höher, allerdings hätte auch Vorarlberg viel Industrie. Zudem ist etwa Kärnten vielleicht einfach ein bisschen großzügiger bei der Begutachtung.“ Summa summarum bedeutet das: „Der Unterschied zwischen den Bundesländern ist nur teilweise erklärbar.“ Die Beiträge der Vorarlberger stagnieren. Auch 2015 zahlten Vorarlbergs Arbeitgeber fast 60 Millionen Euro ein. Insgesamt verfügt die AUVA über ein Vermögen von über 1,1 Milliarden Euro, darunter fallen die eigenen Spitäler, die Immobilien sind 416 Millionen wert. Zum Vergleich: Die Versicherung öffentlicher Bediensteter besitzt Immobilien im Wert von 54,4 Millionen, bei einem Reinvermögen von 809 Millionen Euro. Die Bauernversicherung verfügt bei einem Vermögen von 306 Millionen Euro über Immobilien, die drei Millionen Euro wert sind. Die AUVA kann allein auf stolze 489 Millionen Euro an Finanzvermögen verweisen.

Autohaftpflicht als Vorbild

Für den Nationalratsabgeordneten Loacker steht fest: „Diesen Versicherungsträger braucht es nicht mehr. Das Problem ist, dass die Versicherung von der Wirtschaftskammer und damit der ÖVP dominiert ist.“ Ein Ende der AUVA würde sich direkt auf die Mehrheitsverhältnisse im Hauptverband auswirken. Loacker hat eine Idee, wie die Unfallversicherung zukünftig aussehen könnte. Er fordert eine private Haftpflichtversicherung, ähnlich des Modells beim Auto: „Die Firmen könnten selber aussuchen, bei welchem Unternehmen sie eine Unfallversicherung abschließen. Das würde nicht einmal die Hälfte kosten.“

Diesen Versicherungsträger braucht es nicht mehr.

Gerald Loacker
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.