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So mancher Hüttenwirt verwandelt sich im Winter in einen Skilehrer

Im Winter nimmt Manfred Immler 60 Skilehrer unter seine Fittiche. Der Gaschurner leitet die Skischule Gaschurn-Partenen.

Im Winter nimmt Manfred Immler 60 Skilehrer unter seine Fittiche. Der Gaschurner leitet die Skischule Gaschurn-Partenen.

Im Sommer führen sie Schutzhütten. Aber was tun Hüttenwirte eigentlich im Winter?

bludenz. (VN-kum) Manfred Zwischenbrugger versucht man vergeblich am Handy zu erreichen. Man probiert via Mail mit dem Wirt der Wormser Hütte Kontakt aufzunehmen. Als Antwort kommt retour: „Wir sind dann mal weg – und genießen den verlängerten Sommer mit allen Sinnen. Darum werden wir uns erst etwas später wieder melden. Bis dahin noch eine tolle Zeit und sonnige Grüße aus Mexiko.” Die Hüttenwirte haben jetzt eine Verschnaufpause von ihrem anstrengenden Arbeitsalltag.

Kindheitstraum wurde wahr

Bruno Falch (49) – er führt seit 2001 die Saarbrücker Hütte in der Silvretta – macht gerade Brennholz. „Ich arbeite jetzt alles ab, was über den Sommer liegen geblieben ist“, sagt der Tiroler, während er den Holzspalter bedient. Der gelernte Tischler wohnt mit seiner Familie in Pians und betreibt hier eine kleine Landwirtschaft. In wenigen Tagen wird der Hüttenwirt seinen Zweitberuf antreten. Im Winter arbeitet der dreifache Vater als Skilehrer am Arlberg. „Natur und Ruhe“, fällt ihm zu diesem Job ein. Im Sommer hingegen gehe es oft hektisch zu. Da ist nicht nur Falch voll gefordert, sondern seine ganze Familie. „Alle müssen mit anpacken.“ Es sei eine Illusion zu glauben, dass man als Hüttenwirt Zeit hätte, um in die Berge zu gehen. „Meistens bist du in der Hütte.“ Selbst an Regentagen sei er beschäftigt – mit Reparaturarbeiten, mit dem Transport von Material. Dass Falch heute Hüttenwirt ist, hat mit seiner Frau Sabine zu tun. Sie wuchs auf der Saarbrücker Hütte auf. Ihre Eltern führten diese, bis ihre Tochter und ihr Schwiegersohn sie übernahmen. Simon Bock (36) hingegen brachte nicht die Liebe zu einer Frau, sondern die Liebe zu den Bergen auf eine Schutzhütte. „Ich bin schon als Kind sehr gerne und oft in die Berge gegangen“, erinnert sich der Wirt der Heinrich-Hueter-Hütte am Fuß der Zimba. Als dort ein Pächter gesucht wurde, bewarb sich Bock mit Erfolg. Für ihn ging damit ein Kindheitstraum in Erfüllung. Die Arbeit dort oben gefällt ihm. „Du bist immer am Berg und hast ein schönes Panorama.“ Außerdem schätzt er an seinem Job, dass er so abwechslungsreich ist. „Du hältst die Hütte in Schuss, gibst Auskünfte und nimmst Reservierungen entgegen. Es wird einem nie langweilig.“ Auch im Winter kann sich Bock, dessen Arbeitstag auf der Hütte um 5 Uhr beginnt und um 24 Uhr endet, nicht über mangelnde Arbeit beklagen. Da betreibt der Paznauntaler ein Bergrestaurant mit Après-Skibar im Skigebiet in Kappl. Die „Bock-Alm“ eröffnet am 14. Dezember. Der Gastronom steckt bereits mitten in den Vorbereitungen. „Es gibt immer was zu tun.“ Urlaub ist für ihn ein Fremdwort. „Ich war noch nie weg.“

Urlaubsziel Malediven

Apropos Urlaub. Thomas Beck (51) – der Brandner führt seit 17 Jahren mit seiner Familie die Lindauer Hütte am Fuß der Drei Türme – sagt seinen Gästen immer, dass er in der Nebensaison einen Monat auf den Malediven urlauben wird. Tatsächlich aber kommt er meistens nicht weiter als bis nach Südtirol. Aber Beck schätzt bereits diese Kurzurlaube. Denn Zeit ist Mangelware bei ihm. Jetzt bereitet er sich schon wieder auf die Wintersaison vor. Nach Weihnachten herrscht auf der Lindauer Hütte Hochbetrieb. „An Silvester sind wir ausgebucht.“ Aber noch sind seine Tage relativ besinnlich. „Ich kann mich in aller Ruhe hinsetzen und hocken bleiben.“ Einer wie er schätzt das. Denn ab 20. Dezember wird er wieder den ganzen Tag auf den Beinen sein.

Auch Manfred Immler (69) ist das ganze Jahr über voll gefordert. Aber das macht ihm nichts aus, im Gegenteil. „Ich laufe zur Höchstform auf, wenn ich gefordert werde.“ Der Gaschurner führt seit vier Jahrzehnten die Heilbronner Hütte im Verwall. Im Winter trägt er als Leiter der Skischule Gaschurn-Partenen Verantwortung für mehr als 60 Skilehrer. „Ich mache beides mit großer Begeisterung“, beteuert Immler. Man glaubt es ihm. Sonst würde er in seinem Alter nicht mehr voll im Berufsleben stehen.

<p class="caption">Manfred Immler auf dem Weg zur Heilbronner Hütte. Der Gaschurner führt sie seit vier Jahrzehnten.  </p>

Manfred Immler auf dem Weg zur Heilbronner Hütte. Der Gaschurner führt sie seit vier Jahrzehnten.

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