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“Jetzt geht es nur mehr ums Kind”

von Martina Kuster
Yannic ist müde und von der Chemotherapie mitgenommen. Foto: VN/Klaus Hartinger

Yannic ist müde und von der Chemotherapie mitgenommen. Foto: VN/Klaus Hartinger

Antje und Remo werden derzeit vom Schicksal geprüft. Ihr einziges Kind leidet an Krebs.

Lustenau. Yannic (12) ist müde und liegt auf der Couch. Den Teddybär, der ihm seit seiner Geburt ein treuer Begleiter ist, hat er fest an sich gedrückt. Der Teddy spendet dem Buben Trost in einer Situation, die für ihn und seine Eltern Antje und Remo sehr schwer ist. Yannic unterzieht sich gerade einer mehrwöchigen Chemotherapie am Krankenhaus Dornbirn. Metastasen in der Lunge und im Sprunggelenk haben sie notwendig gemacht.

Nichts mehr so, wie es war

Der Krankheit brach im Juni unvermittelt in das Leben der Familie ein. Der Sohn klagte über Schmerzen im rechten Oberschenkel. „Zuerst dachte ich mir, dass das vom Sport kommt. Aber als das Bein anschwoll, fuhren wir ins Spital“, erzählt Mutter Antje (39). Die Röntgenaufnahme zeigte eine Geschwulst am Oberschenkelknochen.

Die Diagnose „bösartiger Knochentumor“ (im Volksmund auch Knochenkrebs genannt) stellte das Leben der Kleinfamilie auf den Kopf. „Von einem Tag zum andern ist nichts mehr so, wie es war. Alles, was wichtig war, wurde unwichtig. Es geht nur mehr ums Kind“, zeigt die leidgeplagte Mutter auf, dass die schwere Krankheit ihres einzigen Kindes ihr Leben und ihre Prioritäten grundlegend verändert hat.

Während Vater Remo weiterhin der Arbeit nachgeht, ist Antje, die von Beruf Krankenschwester ist, derzeit voll und ganz für ihren Sohn da. „Ich arbeite nur mehr ein paar Stunden am Wochenende.“ Yannic braucht seine Mama jetzt mehr denn je. Gemeinsam waren sie monatelang im Krankenhaus und überstanden unter anderem mehrere Chemos und eine Operation, bei der dem Buben ein großer Teil des Knochens und der Muskulatur entfernt worden waren.

Seither ist Yannic auf Krücken, den Rollstuhl und Hilfe angewiesen. „Unser Sohn litt im Spital an Heimweh. Aber schlimmer war für ihn, dass er nicht mehr allein auf die Toilette gehen konnte“, erzählt seine Mama. Sie tröstete ihn mit den Worten, dass er später mit der Prothese nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen sein würde. Aber die Zukunft ist noch nicht da. Antje hofft, dass es für ihr Kind eine gibt. „Ich bin Mutter und deshalb optimistisch.“ Auch Yannic kämpft. Er möchte sobald wie möglich wieder in die Schule gehen und nach der Schule seinen Traumberuf erlernen: Fahrzeugbauer. Vorsichtig zieht die 39-Jährige ihrem Kind, das eingenickt ist, die Decke bis über die Schultern und räumt ein Star-War-Raumschiff, ein Fotoalbum und eine Perlenkette von der Couch.

Das Fotobuch brachte kürzlich Yannics Klassenlehrerin vorbei. Neben Fotos von Mitschülern sind darin gute Wünsche der Klassenkameraden und Lehrer enthalten. Schulkollegin Anna-Lena etwa bedauert, „dass du nicht mit uns spielen, lachen und tanzen kannst. Aber gib nicht auf. Wir alle freuen uns auf ein Wiedersehen. Ich wünsche dir viel Kraft und Glück und hoffe, dass du bald wieder gesund und glücklich in unserer Klasse sitzt.“

Mutperlen für schlechte Tage

Antje erklärt, was es mit der halbfertigen Kette, die Yannic selbst aufgefädelt hat, auf sich hat. „Das ist eine Mutperlenkette. Jede Perle steht für etwas, was das Kind durchgestanden hat: Chemo, Operation, Verbandswechsel, Bluttransfusion, Haarausfall, Intensivstation, …“ Und dann gibt es noch Perlen für gute Tage, die sind lilafarben, und für schlechte Tage. Die sind grün. Zunächst hält man vergeblich Ausschau nach lilafarbenen Mutperlen. Aber dann entdeckt man doch noch eine, eine einzige.

Antjes Smartphone klingelt. Schnell eilt sie in ein anderes Zimmer, um ihren Sohn nicht aufzuwecken. Ihre Schwiegermutter hat angerufen. Sie informiert sie darüber, dass sie zur goldenen Hochzeit keine Geschenke möchte, sondern Spenden für die Kinderkrebshilfe bevorzugt. Antje freut sich darüber. Denn die Kinderkrebshilfe Österreich unterstützt auch sie. „Wenn man ein krankes Kind hat, hat man Ausgaben ohne Ende, für Medikamente, Fahrtkosten, Ernährung, etc. Deshalb sind wir sehr froh über die finanzielle Unterstützung.“  

Schade, dass du nicht mit uns spielen, lachen und tanzen kannst.

Schulkollegin Anna-Lena

Engagement für krebskranke Kinder

Dornbirn. (VN) Sechs Frauen haben sich unter dem Namen „Hex-Hex – eine zauberhafte Idee“ vor drei Jahren zusammengetan, um krebskranke Kinder im Spital Dornbirn zu unterstützen. „Drei von uns haben die Erfahrung Krebs selbst durchlitten. Es ist schon für uns schwer, so etwas zu bewältigen, aber für Kinder erst recht. Deshalb haben wir beschlossen, dass wir krebskranken Kindern und deren Familien helfen wollen“, erzählt „Hexe“ Tatjana Luger, wie es zu dem Engagement kam. Die „Hexen“ stellen Produkte wie Marmeladen, Pesto, Kräutersalze oder Öle her und verkaufen sie, z. B. am Geflügelhof von Daniel Bell in Feldkirch oder bei Josef Böhler, Gartenbau, in Schwarzach. Der Verkaufserlös kommt der Kinderkrebsstation des Dornbirner Spitals zugute. Mit dem Geld können Nachsorgeaufenthalte für Familien mitfinanziert werden. Spendenkonto: Hex-Hex, Dornbirner Sparkasse AT04 2060 2000 0429 3379.  

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