Markt
22. September 2012

Neue Zähler helfen Geld sparen – aber wie viel?

von Ernest Enzelsberger
Die digitalen Stromzähler (Smart Meter) sollen bis 2019 flächendeckend eingeführt werden. Foto: VKW
Die digitalen Stromzähler (Smart Meter) sollen bis 2019 flächendeckend eingeführt werden. Foto: VKW

E-Control sieht Stromsparpotenzial von drei bis vier Prozent – die VKW ein Prozent.

Nizza. Bis 2019 sollen 95 Prozent der österreichischen Haushalte mit digitalen Stromzählern (Smart Meter) ausgestattet sein. Diese sollen beim Energiesparen helfen, indem sie den Endkunden schnell und sicher genaue Daten über Verbrauch und Kosten liefern. Das Einsparungspotenzial beträgt 30 bis 50 Euro für einen Haushalt im Jahr – das sind etwa 3 bis 4 Prozent der Stromkosten. Das erklärte Harald ­Proidl, Leiter der Abteilung Ökoenergie und Energieeffizienz des Regulators E-Control, vor Journalisten in Nizza.

Von den rund 5,5 Millionen Stromzählern in Österreich sind bereits 200.000 „intelligent“, der Großteil davon in Oberösterreich. Auch die Stadtwerke Feldkirch haben bereits umgerüstet.

Informationen für Kunden

Was hat nun ein Endverbraucher vom Smart Meter? Einerseits muss der Netzbetreiber dem Kunden auf einer Internetplattform die Stromverbrauchsdaten der vergangenen drei Jahre zugänglich machen. Gleichzeitig soll der Kunde Energiespartipps bekommen sowie die Möglichkeit, seine Daten für einen Energieberater freizugeben. Auf der anderen Seite ist der Lieferant verpflichtet, den Kunden einmal pro Monat kostenlos per E-Mail oder Post zu informieren, und zwar sowohl über Verbrauch als auch über Kosten.

Direkte Zusatzkosten sollen auf die Konsumenten keine zukommen, so E-Control. Die Netzbetreiber müssen aber für die 5,5 Millionen digitale Stromzähler 800 Mill. bis 1,1 Mrd. Euro in die Hand nehmen, führt E-Control-Vorstand Martin Graf aus.

Wenig Euphorie bei VKW

Wenig euphorisch ist man bei der VKW. Sie startete 2010 ein Smart-Metering-Projekt mit 500 privaten Haushalten. Dabei sollte untersucht werden, welche Stromsparpotenziale durch Smart Metering, Feedbackinstrumente und Energieberatung erzielt werden können.

Die reine Einführung der Messgeräte mit Webportal und Verbrauchsanzeige, ohne fachkundige Begleitung durch einen Energieberater, hatte dabei für die Probekunden lediglich Einsparungen von einem Prozent zur Folge.

Signifikant bessere Ergebnisse lieferten jene Testgruppen, die in Form von personalisierten Feedbackinstrumenten oder in Form einer persönlichen Beratung vor Ort betreut wurden. Die Kombination ergab im Mittelwert Einsparungen von rund vier Prozent.

VKW-Vorstandsvorsitzender Christof Germann: „Die von der VKW errechneten Kosten für eine flächendeckende Einführung des Smart Metering lassen sich aufgrund einer Vielzahl noch ungeklärter Fragen allein aufgrund des möglichen Einsparungspotenzials nicht rechtfertigen.“

Kein geeignetes Modell

Und er ergänzt: „Einer im Idealfall durchschnittlichen Ersparnis von 20 bis 30 Euro stehen pro Haushalt Investitionskosten von rund 290 Euro und laufende Kosten im Ausmaß von zehn Euro entgegen. Wir sehen bislang kein geeignetes Geschäftsmodell für die flächendeckende Einführung.“