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im Gespräch. Bauunternehmer und Innungsmeister Peter Keckeis (60)

“Übertriebene Bauerei muss sich einbremsen”

Peter Keckeis im Steinbruch Fritztobel. Die Steinbruchtechnologie hat sich mit den Jahren sehr gewandelt. Händisch passiert nichts mehr. Heute gibt es für fast alles Maschinen. Fotos: VN/Paulitsch

Peter Keckeis im Steinbruch Fritztobel. Die Steinbruchtechnologie hat sich mit den Jahren sehr gewandelt. Händisch passiert nichts mehr. Heute gibt es für fast alles Maschinen. Fotos: VN/Paulitsch

Rankweil. Peter Keckeis entstammt einer alteingesessenen Vorarlberger Bauunternehmerfamilie. Er führt das Bau- und Steinbruchunternehmen  bereits in dritter Generation und ist zudem Bau-Innungsmeister für Vorarlberg.

Ihr Unternehmen besteht seit über 100 Jahren. Begonnen als Steinbruch, hat sich das Angebot ständig erweitert. Welches sind heute die Stützen der Firma Keckeis?

Keckeis: Der Großvater hat mit dem Steinbruch angefangen, später auch Waldwege und Straßen gebaut. Mein Vater ging dann verstärkt in den Baubereich, hat beispielsweise die Furka-Straße gebaut und hat dann mit dem Steinbruch in Rankweil angefangen. Den Bau hat ursprünglich mein älterer Bruder geführt. Als er ausgeschieden ist, habe ich den Bau übernommen und dann 1992 auch mit dem Hochbau angefangen. Im Steinbruchbereich haben wir heute 22 Mitarbeiter, im Baubereich sind es 25.

Als Steinbruchbetreiber steht man immer wieder im Licht der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Keckeis: Hier in Rankweil haben wir die Wanderwege ringsherum so abgesichert, dass nichts passiert. Das große Thema ist aber nicht der Steinbruch an sich, sondern der Verkehr. Denn da wir am Bergfuß sind, müssen wir immer durchs Tal fahren.

Für den Bau ist heuer ein extrem gutes Jahr. Sind Sie mit der Geschäftslage zufrieden?

Keckeis: Im Bau ist ein Wahnsinn passiert. Wenn mich jemand fragt, ob wir ihm nächstes Jahr ein Haus bauen können, muss ich sagen vielleicht im November oder Dezember. Wir müssen also die Menschen schon bis dahin vertrösten. Ich glaube, irgendwann muss sich diese übertriebene Bauerei aber einbremsen. Das ist nicht gut. Ich bin kein Freund dieser Pusherei.

Aber der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum ist offensichtlich da.

Keckeis: Ja, der Bedarf ist da, aber das müsste man viel gezielter machen. Es ist ein Wahnsinn, wenn man sieht, was allein die sozialen Wohnbauträger derzeit bauen. Heute wohnen die Menschen auf 40 Quadratmetern pro Person. Früher war man zu siebt in einem 100-Quadratmeter-Haus. Und da muss man nicht bis in die 60er-Jahre zurückgehen.

Dann sind die gestiegenen Ansprüche ebenfalls ein Preistreiber geworden?

Keckeis: Ich glaube nicht, dass der Baumeister an sich teurer geworden ist, sondern das, was man dazu noch will. Das kostet viel. Was ich auch nicht gut finde, ist die Preistreiberei bei den Grundstücken. Teilweise kann ich gar nicht glauben, was für Grundstücke bezahlt wird.

Gerade hat die Landesregierung die neue Bautechnikverordnung präsentiert. Wie zufrieden sind Sie damit?

Keckeis: Wir haben viele Wünsche eingebracht, und sie ist nun sicher besser als vorher. Das Land ist auch bei den Förderungen vernünftiger geworden. Ich bin aber dennoch der Meinung, dass man noch sparsamer bauen könnte, wenn man nicht diese hohen energietechnischen Anforderungen hätte. Es gibt genügend Studien darüber, dass Minimalenergiehäuser viel besser funktionieren als jedes Passivhaus.

Ein Wunschthema ist auch immer eine höhere Baunutzungszahl.

Keckeis: Über die Baunutzungszahl entscheidet der Bürgermeister. Aber der Widerstand der Bevölkerung, wenn man höher bauen will, ist extrem. Man muss die Menschen abholen und in die Projekte einbinden. Wenn eine Wohnanlage gut geplant ist und die Architektur stimmt, sind vier Stockwerke kein Problem.

Bauen Sie aufgrund der Grundstücksknappheit auch weniger Einfamilienhäuser?

Keckeis: Wir bauen heute mehr Einfamilienhäuser als andere Sachen. Das wundert mich selber oft. Aber der Trend ist, dass die meisten sich das Haus fixfertig bauen lassen. Nachbarschaftshilfe oder Eigenleistung werden immer weniger. Aber heute sind auch die bautechnischen Anforderungen viel höher als früher.

Welche Wünsche haben Sie als Innungsmeister an die Politik?

Keckeis: In der Bautechnikverordnung könnte man noch einiges einfacher machen. Auch bei der Sanierungsverordnung würden wir gerne mehr mitreden. Das Wichtigste ist einfach, mehr Maß und Ziel walten zu lassen. Insgesamt haben wir aber eine gute Unterstützung vonseiten des Landes. Mühe habe ich nur mit den 150 Wohnungen, die das Land im Billigsegment bauen will. Bei den Containerlösungen aus Holz ist die Frage, wie lange das funktioniert. Aber dafür werden wir spätestens in 15 bis 20 Jahren viel Arbeit haben. Somit mache ich mir um die Baubranche keine Sorgen. Mehr Bedenken habe ich bei den Parkplätzen im sozialen Wohnbau. 0,8 Parkplätze pro Wohneinheit finde ich krass. Da machen sie sich bei den Anrainern viel kaputt. Wir im Gegenzug haben eine Ausnahmegenehmigung gebraucht, weil wir zwei Tiefgaragenplätze pro Wohnung haben wollten.

<p class="caption">Peter Keckeis ist nicht nur Bau- und Steinbruchunternehmer, sondern auch Bau-Innungsmeister für Vorarlberg.</p>

Peter Keckeis ist nicht nur Bau- und Steinbruchunternehmer, sondern auch Bau-Innungsmeister für Vorarlberg.

Ich glaube, der Baumeister an sich ist nicht teurer geworden, sondern es sind die hohen Ansprüche.

Kennzahlen

» Gegründet: 1909

» Gesellschafter und Geschäfts­führer: Peter Keckeis

» Weiteres Unternehmen: Keckeis Immo GmbH & Co KG

» Mitarbeiter: 47, zwei Lehrlinge

» Geschäftsbereiche: Bauunternehmen (Hoch-und Tiefbau), Betrieb eines Steinbruchs (Schottergewinnung, Verarbeitung von Natursteinen), Transportservice

Zur Person

Peter Keckeis

geschäftsführender Gesellschafter Baumeister Ing. Peter Keckeis Ges.m.b.H., Keckeis Holding GmbH, Röthis

Geboren: 19. 11. 1956

Ausbildung: Volksschule, Hauptschule, Höhere Technische Lehranstalt, später verschiedene Konzessionsprüfungen, Sprengmeisterprüfung, Studium der Betriebswirtschaft, Sachverständigenprüfung

Laufbahn: 1986 Eintritt ins Familienunternehmen 

Familie: verheiratet, drei Töchter

Vom Steinbruch zum Komplettanbieter

Sand und Steine bekommt man bei Keckeis genauso wie einen Güterweg oder eine Wohnung.

Rankweil. (VN) Roman Keckeis pachtete im Jahr 1909 einen Steinbruch von der Gemeinde Röthis und belieferte fortan die Kundschaft mit Stein, Schotter und Kies. Der Erfolg stellte sich bald ein, der Betrieb wurde erweitert. Daneben bewirtschaftete Romans Frau Ottilie auch noch den Familienbauernhof.  In den ersten Jahrzehnten war Steinbrucharbeit Handarbeit, außerdem kamen Pferdefuhrwerke zum Einsatz, erst ab den 50er-Jahren machten Kräne und Lastwagen die Arbeit leichter und weniger gefährlich.

Keckeis war und ist ein echtes Familienunternehmen; so arbeiteten in der zweiten Generation insgesamt fünf Keckeis-Brüder und ein Cousin im Unternehmen. 1957 hat Erich Keckeis die Firma, die bereits zwei Steinbrüche betrieb, übernommen. 1958 wurde mit dem Bau des längsten Güterwegs Vorarlbergs, dem Valorschertal-Weg, ein Meilenstein im Tiefbau geschaffen. Der Bau mit Hangsicherungen und zwölf Brücken dauerte neun Jahre. Die Firma Keckeis expandierte, kaufte und pachtete weitere Steinbrüche und baute den Straßenbau weiter aus.

1981 dann der nächste große Schritt. Die Keckeis Bauges.m.b.H. wurde gegründet. 1986 übernahm die nächste Generation, die Brüder Werner und Peter Keckeis, das Ruder. Werner schied zehn Jahre später aus, seither ist der Betrieb im Besitz von Peter Keckeis, der den 1962 gegründeten Bereich Hochbau durch einen Firmenzukauf 2002 kräftig erweiterte.

Heute sind alle Sparten des Traditionsbetriebs gut ausgelastet; als Bauunternehmen ist Keckeis vor allem im privaten Wohnbau sehr aktiv, auch Wohnanlagen in der Region werden in Eigenregie errichtet. Das Unternehmen hat Standorte in Rankweil und Röthis und betreibt drei Steinbrüche, in denen Kalkstein abgebaut und verarbeitet wird.

Engagement für Branche und Spaß beim Golfen

Röthis. (VN) Die Firmenzentrale ist inzwischen auf halbem Weg zwischen Rankweil und Übersaxen angesiedelt, doch privat ist Peter Keckeis in Röthis verwurzelt, wo nach wie vor der Hauptsitz des Unternehmens ist. In Röthis sitzt er in seiner Freizeit auch im Gemeindevorstand. Ebenfalls ehrenamtlich ist seine Tätigkeit als Innungsmeister der Vorarlberger Bauwirtschaft, zuvor engagierte er sich schon in der Interessenvertretung des Bauhilfsgewerbes. Wenn er aber richtig freie Zeit hat, dann ist Peter Keckeis auf dem Golfplatz zu finden. Oft ist das nicht der Fall, denn: „Ich habe das Gefühl, dass ich besser wäre, wenn ich mehr Zeit hätte“, sagt der Baumeister im Gespräch. Im Winter ist der Röthner ein begeisterter Skifahrer. Nicht zu vergessen: Mit seinen Enkelkindern geht der Familienmensch, der drei Töchter hat, gerne spazieren.

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