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Vorarlberg auf Mission Iran: Ein Hoffnungsmarkt meldet sich zurück

von Hanna Reiner, Teheran
Die Wirtschaftsdelegation unter der Leitung von WKV-Direktor Helmut Steurer mit dem Team des AußenwirtschaftsCenter Teheran.  Fotos: WKV, Reiner

Die Wirtschaftsdelegation unter der Leitung von WKV-Direktor Helmut Steurer mit dem Team des AußenwirtschaftsCenter Teheran. Fotos: WKV, Reiner

Vorarlberger Delegation in Teheran: Millionenmarkt mit Potenzial und Nachholbedarf.

Teheran. Selten bekommt man vor Beginn einer Reise so viele gutgemeinte Ratschläge und nervöse Tipps, wie wenn man in den Iran fliegt. Die Bilder von religiösen Mullahs und Geheimpolizei sind in vielen Köpfen allgegenwärtig. Dass das Land mit Sicherheitsstufe 2 auf demselben Niveau wie Frankreich liegt, ist indes keine weit verbreitete Information. Der Start der Wirtschaftsmission in den Iran, die von der Wirtschaftskammer Vorarlberg in Zusammenarbeit mit dem AußenwirtschaftsCenter Teheran organisiert wurde, war somit spannungsgeladen. Aber am Ende, soviel sei vorweggenommen, kam eine neue Erkenntnis dazu: Selten gelang es in nur vier Tagen, existierende Vorurteile so schnell auch wieder abzubauen.

Kaum betritt man iranischen Boden, spürt man die Aufbruchsstimmung, die im Land herrscht. Denn der Iran meldet sich als Exportmarkt mit enormem Potenzial zurück und ist spätestens seit den Erleichterungen hinsichtlich der nuklearbedingten Sanktionen zu einem wichtigen Hoffnungsmarkt für österreichische Firmen geworden. Knapp 80 Millionen Einwohner, von denen gerade die jungen Menschen sehr gut gebildet sind, eine kaufkräftige Mittelschicht und vor allem der immense Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur machen den Iran zu diesem Chancenmarkt. Das sieht man spätestens nach der Ankunft im Hotel. Die 500 Zimmer sind komplett belegt – von Teilnehmern verschiedener Wirtschaftsdelegationen aus den verschiedensten Ländern dieser Welt. Und Vorarlberg ist mittendrin. Das AußenwirtschaftsCenter in Teheran hat bereits beste Vorarbeit geleistet. Für jeden der heimischen Delegationsteilnehmer wurden speziell auf die Branche abgestimmte Kontakte organisiert. Während der nächsten Tage finden die Einzeltermine mit iranischen Unternehmern statt. Dazwischen stehen Besuche der Wirtschaftskammer, der Organisation für Handelsförderung sowie der Elektronik- und Baumesse an.

Beliebtes Österreich

Und überall wo man hinkommt, merkt man eines sehr deutlich. Die Iraner mögen Österreich. Denn der Iran war historisch betrachtet immer einer der wichtigsten österreichischen Handelspartner im Nahen und Mittleren Osten. Zudem hat sich Österreich nie eingemischt und sich während aller Konflikte neutral verhalten. Das wird geschätzt. Genauso lernen im Österreichischen Kulturforum in Teheran jährlich über 4000 Menschen Deutsch.

Nun soll die gute Beziehung wirtschaftlich noch stärker vertieft werden. Und Vorarlberg als „Exportland, das für höchste Qualität steht und mit Familienunternehmen aufwartet, die an langfristigen Beziehungen interessiert sind“, wie es WKV-Direktor Steurer betont, kommt sehr gut an im Iran. Dort ist man nicht nur an ausländischen Investitionen interessiert, sondern eben auch an langfristigem Engagement. Deshalb gelten alle Anstrengungen, die noch vorhandenen Hemmnisse Schritt für Schritt aus dem Weg zu räumen. Und die gibt es. Das Hauptproblem in den Geschäftsbeziehungen mit dem Iran ist aktuell das Finanzsystem. Transfers können noch nicht direkt durchgeführt werden. Am Bankomat als Ausländer Geld abzuheben oder mit Kreditkarte zu bezahlen, ist somit ebenfalls nicht möglich. Das soll sich aber bis spätestens nächsten Jahres erledigt haben. Zumindest ist die Österreichische Kontrollbank mittlerweile wieder in der Lage, volle Exportgarantien für den Iran auszustellen.

Die wirtschaftlichen Kennzahlen zeigen dafür in eine gute Richtung. Für heuer rechnet die iranische Regierung mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu fünf Prozent. Zudem wird erwartet, dass sich die Inflationsrate bei zehn Prozent einpendelt. Die österreichischen Exporte in den Iran betrugen 2015 rund 248 Millionen Euro. Maschinen und Pharmazeutika sind bislang die wichtigsten Exportprodukte. Die Möglichkeit für ausländische Unternehmen im Iran sind aber noch enorm. Infrastruktur wird dringend benötigt und damit auch das Knowhow aus Vorarlberg. Bahntechnik, Wasserkraft, Energie, Automotive, Mobilität und Lebensmittel sind nur einige der Schlagworte, die in den bilateralen Gesprächen immer fallen. Auch ein Verkehrsplaner würde wohl nicht schaden. Oft braucht man auf den Straßen Teherans für eine fünf Kilometer lange Strecke über eineinhalb Stunden. Jeder fährt Auto, zu Fuß geht man nicht. Der Iran ist ein „Verbrauchervolk“. Über 60 Prozent der Menschen gibt jährlich mehr als 20.000 Dollar aus. Dabei liegt das Durchschnittseinkommen bei rund 300 Dollar im Monat. Für eine 50 Quadratmeter Wohnung in Teheran sind bis zu 1000 Dollar Miete im Monat fällig. Es hat sich eine reiche Mittelschicht gebildet. Die meisten Frauen tragen ihr Kopftuch mehr aus Pflicht und Gebets-Rufe aus den Moscheen hört man keine. Zu viele Nachbarn hatten sich immer wieder über den „Lärm“ beschwert.

Große Hoffnungen

Vielmehr liegt die große Hoffnung – vor allem der jungen Iraner – darin, voranzukommen. Der Iran ist in Aufbruchsstimmung und die Wirtschaftsreise somit ein erster wichtiger Schritt. Für viele der mitgereisten Vorarlberger Unternehmer war es auch nicht der letzte. Es gibt konkrete Projekte und bereits Folgetermine. Ein einfacher Weg wird es allerdings nicht. Denn es gibt viele Punkte, die verbesserungswürdig sind. Daran wird mit Nachdruck gearbeitet. Denn der Iran will von der Dynamik, die in Form Hunderter Wirtschaftsdelegationen, die von Woche zu Woche in ihr Land reisen, profitieren. Den neuen US-Präsidenten Donald Trump, der vor der Wahl mit einem Ausstieg aus dem Atomdeal drohte, will die Führung in Teheran jedenfalls an Taten und nicht an Worten messen. Ein Markt mit fast 80 Millionen Menschen meldet sich als Handelspartner zurück.

<p class="text_lb">Man sieht, welche Kräfte freigesetzt werden, wenn sich ein Land aus der Isolation befreit. Es gibt im Iran sehr viele interessante Projekte. Die Reise und dabei vor allem der direkte Kontakt waren ein erster wichtiger Schritt. Zurück in Vorarlberg werden wir konkrete Gespräche mit unseren Unternehmen führen.  </p><p class="text_lb">
               Helmut Steurer, Direktor Wirtschaftskammer Vorarlberg
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Man sieht, welche Kräfte freigesetzt werden, wenn sich ein Land aus der Isolation befreit. Es gibt im Iran sehr viele interessante Projekte. Die Reise und dabei vor allem der direkte Kontakt waren ein erster wichtiger Schritt. Zurück in Vorarlberg werden wir konkrete Gespräche mit unseren Unternehmen führen.

Helmut Steurer, Direktor Wirtschaftskammer Vorarlberg

<p class="text_lb">Wir haben bestehende Kontakte vertieft und viele Gespräche mit Ärzten geführt. Der Iran hat einen tollen Ruf in der Medizin. Viele unserer Mitbewerber sind schon da, es ist also gut dabei zu sein. Der Iran ist ein vielversprechender Markt, in dem aber noch viele Schritte zu tun sind.  </p><p class="text_lb">
               Marc Jablonowski, CEO A.M.I. Agency for Medical Innovations, Feldkirch
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Wir haben bestehende Kontakte vertieft und viele Gespräche mit Ärzten geführt. Der Iran hat einen tollen Ruf in der Medizin. Viele unserer Mitbewerber sind schon da, es ist also gut dabei zu sein. Der Iran ist ein vielversprechender Markt, in dem aber noch viele Schritte zu tun sind.

Marc Jablonowski, CEO A.M.I. Agency for Medical Innovations, Feldkirch

<p class="text_lb">Es war eine spannende Reise. Teheran ist sehr westlich und man spürt eine hohe Dynamik. Das Wichtigste ist, dass die Firmen zufrieden sind. Das ist auch der tollen Arbeit des AußenwirtschaftsCenter zu verdanken. Aber natürlich geht hier nichts von heute auf morgen.  </p><p class="text_lb">
               Christina Marent, Leiterin Außenwirtschaft, Wirtschaftskammer Vorarlberg
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Es war eine spannende Reise. Teheran ist sehr westlich und man spürt eine hohe Dynamik. Das Wichtigste ist, dass die Firmen zufrieden sind. Das ist auch der tollen Arbeit des AußenwirtschaftsCenter zu verdanken. Aber natürlich geht hier nichts von heute auf morgen.

Christina Marent, Leiterin Außenwirtschaft, Wirtschaftskammer Vorarlberg

<p class="text_lb">Meine Sichtweise auf den Iran hat sich durch diese Wirtschaftsreise schon sehr verändert. Beeindruckend sind vor allem die Offenheit und auch die Zielstrebigkeit der iranischen Bevölkerung, ihr Land zu verändern. Das hat bei mir eine sehr positive Wirkung hinterlassen.  </p><p class="text_lb">
               Udo Filzmaier, CEO System Industrie Electronic GmbH, Lustenau
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Meine Sichtweise auf den Iran hat sich durch diese Wirtschaftsreise schon sehr verändert. Beeindruckend sind vor allem die Offenheit und auch die Zielstrebigkeit der iranischen Bevölkerung, ihr Land zu verändern. Das hat bei mir eine sehr positive Wirkung hinterlassen.

Udo Filzmaier,
CEO System Industrie
Electronic GmbH, Lustenau

<p class="text_lb">Unser Ziel war es, den Markt kennenzulernen. Es war ein sehr interessanter Einblick und wir konnten damit anfangen, ein Netzwerk aufzubauen. Für uns hat der Maschinenbau und die Baubranche viel Potenzial. Für 2017 haben wir bereits einen Folgetermin. Jetzt gilt es abzuwarten, wie sich das Ganze entwickelt.  </p><p class="text_lb">
               Ralf Wolbeck, Verkaufsleiter Diem Werke, Hörbranz
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Unser Ziel war es, den Markt kennenzulernen. Es war ein sehr interessanter Einblick und wir konnten damit anfangen, ein Netzwerk aufzubauen. Für uns hat der Maschinenbau und die Baubranche viel Potenzial. Für 2017 haben wir bereits einen Folgetermin. Jetzt gilt es abzuwarten, wie sich das Ganze entwickelt.

Ralf Wolbeck, Verkaufsleiter Diem Werke, Hörbranz

<p class="text_lb">Das Potenzial für uns im Premiumsegment ist schwierig einzuschätzen. Denn Art und Stil unserer Vorhangbänder sind anders, als im Iran gewohnt. Dennoch, der Markt für Fensterdekoration ist riesig. Eine erste Bestellung haben wir bereits bekommen und im Februar ist eine Veranstaltung vor Ort geplant.  </p><p class="text_lb">
               Martin Grübener,Geschäftsführer Bandex Textil
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Das Potenzial für uns im Premiumsegment ist schwierig einzuschätzen. Denn Art und Stil unserer Vorhangbänder sind anders, als im Iran gewohnt. Dennoch, der Markt für Fensterdekoration ist riesig. Eine erste Bestellung haben wir bereits bekommen und im Februar ist eine Veranstaltung vor Ort geplant.

Martin Grübener,
Geschäftsführer Bandex Textil

<p class="caption">Im Stadtgebiet von Teheran leben nach offiziellen Angaben knapp 14 Millionen Menschen. Dem Verkehr nach zu urteilen, besitzt fast jeder auch ein Auto. Der Golestanpalast war früher offizieller Sitz des persischen Monarchen und wurde 2013 in die Liste der Weltkulturstätten der UNESCO aufgenommen.</p>

Im Stadtgebiet von Teheran leben nach offiziellen Angaben knapp 14 Millionen Menschen. Dem Verkehr nach zu urteilen, besitzt fast jeder auch ein Auto. Der Golestanpalast war früher offizieller Sitz des persischen Monarchen und wurde 2013 in die Liste der Weltkulturstätten der UNESCO aufgenommen.

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