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Kurt Michelini privat

“Wir sind 0,002 Prozent des Weltbiermarktes”

Kurt Michelini vor dem alten Sudhaus. Das neue wird in das alte Gebäude integriert. Das kostet zwar deutlich mehr als ein Neubau, aber es sei ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal.  Fotos: VN/Paulitsch

Kurt Michelini vor dem alten Sudhaus. Das neue wird in das alte Gebäude integriert. Das kostet zwar deutlich mehr als ein Neubau, aber es sei ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal.  Fotos: VN/Paulitsch

Frastanz. Kurt Michelini ist Geschäftsführer der Brauerei Frastanz, die sich 114 Jahre nach Gründung auf einem erfolgreichen Weg befindet. Im Interview spricht er über schwierige Jahre und wieso man nun den Weg in Richtung „Volksbrauerei“ geht.

„Zusammenhalten und den großen, preisdiktierenden Brauereien trotzen!“ war das Motto bei der Gründung. Inwiefern ist das heute noch der Antrieb?

Michelini: Es ist mehr denn je unser Antrieb, denn das internationale Biergeschäft ist inzwischen sehr aufgeräumt. Weltweit gibt es drei, vier Betriebe, die über 50 Prozent des Weltbiermarktes kontrollieren. In Österreich hat die Heineken-Gruppe über 60 Prozent Marktanteil. Die sagen, wo es langgeht.

Große Brauereien verlieren Marktanteile, aber es gibt auch einen Boom kleiner Brauereien. Wo sehen Sie Frastanzer positioniert?

Michelini: Im Biergeschäft sind wir ein absoluter Winzling. Unser Anteil am Weltbiermarkt liegt bei 0,002 Prozent. Die Situation ist die, dass die ganz großen Konzerne gewinnen. Verlieren tun die nicht ganz großen und nicht ganz kleinen Brauereien. In unserer Größenordnung kann man sich schon auf eine Nische konzentrieren, mit der man sehr erfolgreich bestehen kann.

Was sind die Erfolg-Eckpfeiler?

Michelini: Wir haben ein starkes Bekenntnis zur Regionalität. Die Großkonzerne suggerieren dem Kunden Biervielfalt und optimieren im Hintergrund die Prozesse. Man darf sich dann nicht wundern, wenn überall dasselbe drin ist. Wir wollen ein Bier mit eigenem Charakter aus und für die Region produzieren. Die typisch österreichischen schlanken Biere kommen beim Vorarlberger auch nicht gut an und die ganz Großen konnten so nicht wirklich einen Fuß auf den Boden bringen.

In den 2000er-Jahren hatte die Brauerei wirtschaftliche Probleme. Wie haben Sie dem entgegengewirkt?

Michelini: Wir haben damals massiv restrukturiert, haben uns von vielen Absatzmärkten und allen Depots ersatzlos getrennt. Genauso haben wir uns vom Billigbiermarkt verabschiedet. Da haben wir nichts verloren und es bringt strategisch nichts. Dadurch sind wir auf 25.000 Hektoliter zurückgefallen und haben dementsprechend an Umsatz verloren. Das konnten wir aber mit neuen Produkten wieder wettmachen und haben den Umsatz in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Heute machen wir zwei Drittel des Flaschenbierumsatzes mit Produkten, die es vor zehn Jahren noch gar nicht gab.

Sie haben viele Sorten auf Bio umgestellt. Kommt man daran heute nicht mehr vorbei?

Michelini: Einige Sorten haben wir bereits umgestellt, und alles, was wir neu bringen, ist Bio. Wenn man das Reinheitsgebot wirklich ernst nimmt, kann man eigentlich nur Bio einsetzen. Das kann man aber nicht sofort bei allen Produkten, weil es die Kosten massiv erhöhen würde und die Rohstoffe schwierig zu bekommen sind.

Die Brauerei hat 110 Genossenschafter, heuer wurden über 1000 Anteilsscheine freigegeben. Wie groß ist das Interesse, Miteigentümer zu werden?

Michelini: Wir waren immer eine Kundengenossenschaft. Die bisherigen Eigentümer der Brauerei waren überwiegend Wirte und Gastronomen, denn früher gab es Bier nur in den Gasthäusern. Wir haben den Gedanken dahingehend weitergesponnen, dass es eigentlich auch für die Fans der Brauerei die Möglichkeit geben müsste, Miteigentümer zu werden. Dabei ging es nie ums Geld, sondern darum, die Brauerei langfristig abzusichern und zu verjüngen. Wir haben 1444 Anteilsscheine verkauft und somit das Maximum der möglichen verkaufbaren Anteile.

Ein Verkauf ist so fast ausgeschlossen. Gab es in der Vergangenheit Verkaufsgelüste?

Michelini: Es gab immer Kaufinteressenten. Vielfach ging es aber nicht um die Brauerei, sondern um das Grundstück, das eines der größten zusammenhängenden in der Region ist. Aber die Genossenschaft hat sich entschieden, noch einmal durchzustarten. Und das, wie man sieht, mit Erfolg.

Wie groß ist die Konkurrenz unter Vorarlbergs Brauereien?

Michelini: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir sehen das sportlich und wollen natürlich gewinnen. Der eigentliche Feind sind aber nicht die anderen Vorarlberger Brauereien. Wir kämpfen in Wahrheit alle gemeinsam für den Erhalt der regionalen Biere. Da muss man auch mal alle Fünfe gerade sein lassen, auch wenn es weh tut, wenn man ein Gasthaus an einen anderen verliert.

Sie haben Metzger gelernt, waren bei Ländle-Marketing. Welche Erfahrungen konnten Sie in die Brauerei einbringen?

Michelini: Böse Zungen behaupten, wir hätten mehr Metzger im Betrieb als Brauer. Die Leute aus der Lebensmittelbranche können relativ gut wechseln, weil die Prozesse ähnlich sind. Die Braubranche ist nicht leicht, aber im Vergleich zur Fleischbranche doch viel einfacher.

<p class="caption">Im Rampenverkauf werden neben Frastanzer und internationalen Bieren genauso auch Weine, Limonaden und Spirituosen verkauft.</p>

Im Rampenverkauf werden neben Frastanzer und internationalen Bieren genauso auch Weine, Limonaden und Spirituosen verkauft.

Wenn man langfristig bestehen will, muss man auch aktiver mit den Kunden zusammenarbeiten.

Kennzahlen

» Eigentümer: 110

» Eigentümer Neu: 1444 Brauerei-Sympathisanten

» Obmann: Lothar Gallaun

» Aufsichtsratsvorsitzender:
Walter Fritz

» Umsatz 2015: 8 Mill. Euro (+6 %)

» Ergebnis 2015: 250.000 Euro (+100 Prozent)

» Mitarbeiter: 40

» Bier abgefüllt: 40.000 Hektoliter (+25 % in fünf Jahren)

» Marktanteil in Vorarlberg: 12 %

Zur Person

Kurt Michelini

Geschäftsführer der Brauerei Frastanz

Geboren: 5. 2.1970

Ausbildung: Volksschule, Hauptschule, Lehre als Metzger

Weiterbildung: Masterstudium für Betriebswirtschaft und Marketing am Management Center Innsbruck

Laufbahn: Tätigkeit in Metzgereibetrieb, Betriebsleiter bei Ospelt in Liechtenstein, Geschäftsführer Ländle Qualitätsprodukte Marketing, seit 2007 Geschäftsführer der Brauerei Frastanz

Familie: verheiratet, drei Kinder im Alter von 13, 16 und 22 Jahren

Eine Genossenschaft mit Ideen und echten Fans

Die Brauerei Frastanz hat sich zwischen ganz kleinen und den großen Brauereien etabliert.

Frastanz. (VN) Schon das Brauhaus war und ist ein stolzes Statement der Genossenschaft. Die Frastanzer Brauerei ist eine von dreien in Österreich, die genossenschaftlich organisiert sind. 1902 wollte der Gründer Martin Reisch nicht nur ein Zeichen setzen, sondern die Wirte unabhängiger machen von den großen Brauereien, nachdem viele kleine Vorarlberger Brauer w. o. geben mussten. 35 Wirte schlossen sich Martin Reisch an, der bis ins Jahr 1911 auch Obmann der Genossenschaft war.

Seit 114 Jahren trotzt Fras­tanzer der Konkurrenz und hat in Vorarlberg einen Marktanteil von rund zwölf Prozent. Zu den 110 bisherigen Genossenschaftern sind heuer neue Anteilseigner gestoßen – pro Anteil zahlten sie 500 Euro, maximal zehn wurden pro Person ausgegeben – über 1400 wurden verkauft. „Das sind echte Fans unseres Biers und die besten Botschafter für Frastanzer“, freut sich Kurt Michelini über die österreichweit beachtete Aktion. Als neuer Genossenschafter erhält man Sitz und Stimme in der Generalversammlung und kann bei der Entwicklung unterschiedlicher Biersorten mitbestimmen. Die lukrierten Einnahmen von 700.000 Euro der neuen „Aktionäre“ werden in ein neues Sudhaus und einen neuen Gärkeller investiert. Gesamtkosten der Bauprojekte: fünf Millionen Euro. 

Die Brauerei hat gute und schwierige Zeiten erlebt. Zuletzt musste Anfang der 2000er-Jahre eine Krise gemeistert werden. Frastanzer begab sich damals in direkte Konkurrenz zu den ganz großen Konkurrenten, versuchte sein Glück im Export und mit Billig-Bier. Durch einen radikalen Umbau des Geschäftsmodells wurde gegengesteuert. Heute hat sich die Brauerei erfolgreich positioniert – der Markt wurde auf Vorarlberg beschränkt, statt billiger Massenware werden zahlreiche Spezialbiere gebraut, Erfolg ist auch dem Bio-Bier beschieden. Und Marketingaktionen wie die „Drei Schwestern“ oder der Bockbier-Anstich sorgen bei den Fans für Kult-Status.

Von den Drei Schwestern auf den Mount Kenya

Übersaxen. (VN) Kurt Michelini ist kein Workaholic, wie er selbst sagt. „Ich hau auch mal den Hut drauf und nehm einen Nachmittag frei“, so der Brauereichef. Und wenn er freinimmt, ist er oft in den Bergen anzutreffen. Nicht beim Wandern. „Ich bin Kletterer“, stellt er klar. Die Drei Schwestern kennt er natürlich gut, doch er sucht sich auch andere Herausforderungen. „Gerade planen wir eine Klettertour auf den Mount Kenya, den zweithöchsten Berg Afrikas.“ Rund eine Woche wird die Besteigung dauern. Wenn er wieder zu Hause ist, pflegt er mit Frau und drei Kindern das Familienleben. „Da ist ordentlich was los, wenn alle mit ihren Freunden da sind.“

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