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VN-Interview. Landeshauptmann Markus Wallner

“Das Lädele im Dorf noch stärker nützen”

von Andreas Scalet
Gemeinsam für die Nahversorgung: Wirtschaftslandesrat LSth. Karlheinz Rüdisser und Landeshauptmann Markus Wallner. Foto: VN/Hartinger

Gemeinsam für die Nahversorgung: Wirtschaftslandesrat LSth. Karlheinz Rüdisser und Landeshauptmann Markus Wallner. Foto: VN/Hartinger

Land Vorarlberg fördert die Nahversorgung in den Gemeinden.

Schwarzach. (VN) Eine Gemeinde ist nur lebendig, wenn auch die Infrastruktur stimmt. Deshalb ist das Land Vorarlberg bemüht, dass es neben Schulen und Ärzten auch einen funktionierenden Handel in den Orten gibt.

Herr Landeshauptmann, vonseiten des Landes wird die Nahversorgung in Vorarlberg stark unterstützt. Ist es gelungen, dadurch die Situation in den Gemeinden zu stabilisieren bzw. zu verbessern?

Wallner: Die Erhaltung der Nahversorgung im ländlichen Raum ist eine wichtige Aufgabe. Rückblickend betrachtet, verzeichnete Vorarlberg ab den 70er-Jahren einen deutlichen Rückgang bei der Zahl der Lebensmittelgeschäfte. Inzwischen konnte die Entwicklung deutlich abgebremst werden. Das Land stellt jährlich beträchtliche Mittel zur Verfügung, um eine funktionierende Nahversorgung in den Kleingemeinden aufrechtzuerhalten. Auch im kommenden Jahr haben wir diese Förderungen wieder erhöht. Diese Beiträge sind gut investiert, denn eine gute Versorgung in der Nähe ist ein wichtiger Faktor, damit sich auch kleinere Gemeinden im ländlichen Raum eine hohe Wohn- und Lebensqualität bewahren können. In den letzten zehn Jahren hat das Land Förderungen in Höhe von knapp zehn Millionen Euro für die Sicherung der Lebensmittel-Nahversorgung bereitgestellt.

Erklärtes Ziel in der Raumplanung ist es, keine neuen Einkaufszentren mehr auf die grüne Wiese zu bauen. Auch Erweiterungen werden kritisch gesehen. Ist das im Sinne der Konsumenten? Wie geht der Handel damit um?

Wallner: Einkaufszentren auf der grünen Wiese sind vor allem mit Blick auf die Auswirkungen auf die Innenstädte und Ortskerne problematisch. Mit dem Ziel, eine hohe Lebensqualität sicherzustellen, arbeiten wir gemeinsam mit den Gemeinden und Regionen an einer sensiblen Abstimmung von Siedlungs- und Versorgungsentwicklung. Dabei gibt es auch ein klares politisches Bekenntnis zur Stärkung unserer alten Orts- und Stadtkerne. Weitgehende Übereinstimmung gibt es in der Einschätzung, dass ein weiterer Ausbau peripherer Einkaufszentren nicht ohne Folgen für die künftige Entwicklung im Land bleiben wird. Aus unserer Sicht ist es daher notwendig, Ausbaupläne immer auch aus diesem Blickwinkel heraus genau zu betrachten und sich verantwortungsvoll mit möglichen Auswirkungen und Konsequenzen zu befassen. Vor- und Nachteile gilt es ehrlich und offen gegenüberzustellen und abzuwägen. Das ist im Interesse der vor Ort lebenden Bürger, der Mehrheit der Handelsbetriebe und aus meiner Sicht auch im Sinne der Konsumenten.

Ein wesentlicher Faktor all dieser Bemühungen für eine Stärkung der Ortszentren ist der Bürger. Es entsteht jedoch oft der Eindruck, dass man zwar ein „Lädele“ will, dann aber doch in den großen Zentren einkauft. Versucht die Landesregierung, hier einen Gesinnungswandel zu erreichen?

Wallner: Natürlich ist es nötig, hier laufend auch Sensibilität zu wecken und das Bewusstsein zu schärfen. Das „Lädele“ kann verständlicherweise nur so lange gut funktionieren, wie die Einwohner einer Gemeinde in „ihrem“ Lebensmittelgeschäft auch einkaufen und damit die Basis für eine wirtschaftliche Führung schaffen. Bislang sehe ich diesbezüglich keinen negativen Trend. Die Menschen identifizieren sich mit den Geschäften vor Ort und wissen um den Wert einer funktionierenden Nahversorgung. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn das „Lädele“ im Ort noch stärker genützt werden würde. Und klar ist auch: Ein attraktiver Ortskern, eine lebendige Innenstadt besitzen sehr große Anziehungskraft, wenn auch das Angebot stimmt.

Sind nicht auch die Einkaufszentren eine aussterbende Spezies, weil der Onlinehandel die wahre Bedrohung des stationären Handels ist? Braucht es regionale Handelsplattformen im Internet?

Wallner: Nicht nur für die großen Einkaufszentren, sondern auch für die kleinen Geschäfte und Läden in den Innenstädten und Ortskernen wird der Onlinehandel mehr und mehr zu einer ernstzunehmenden Herausforderung, für die es Antworten braucht. Laut jüngster Studie (KA-VO 2016 – Kaufkraftstrom- und Einzelhandelsstrukturuntersuchung; Anm. d. Red.) ist der Onlinehandel mit einem Anteil von 5,4 Prozent an der Gesamtkaufkraft zwar noch überschaubar. Wichtig ist aber, früh genug die erforderlichen Weichen zu stellen, um die neuen Entwicklungen gut bewältigen zu können. Es gilt, die Chancen, die sich durch den Online-Handel ergeben, und die Standortvorteile, wie z.B. ein hervorragendes Angebot, Kompetenz und ausgezeichnete Beratung, freundliches Personal und Serviceleistungen von höchster Qualität, zu kombinieren.

Sind Sie Vorbild? Wie kauft die Familie Wallner ein – regelmäßig im Ort oder immer samstags im großen Einkaufszentrum?

Wallner: Wir kaufen nach Möglichkeit vor allem vor Ort in der Heimatgemeinde ein. Dort ist fast alles zu bekommen, was wir benötigen, die Beratung ist kompetent und freundlich. Und die Wege sind ebenfalls kurz.

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