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im Gespräch. Petra Kreuzer (46), Vorstand F. M. Hämmerle Holding AG, geschäftsführende Gesellschafterin Kreuzer Immo Solution

„Unsere lange Tradition ist auch Verpflichtung“

Petra Kreuzer im Quartier Steinebach. Sie ist stolz darauf, wie man es in Vorarlberg geschafft hat, aus allen ehemaligen Textilarealen erfolgreiche Gewerbeparks zu machen. Fotos: VN/Steurer

Petra Kreuzer im Quartier Steinebach. Sie ist stolz darauf, wie man es in Vorarlberg geschafft hat, aus allen ehemaligen Textilarealen erfolgreiche Gewerbeparks zu machen. Fotos: VN/Steurer

Dornbirn. Petra Kreuzer ist viel beschäftigt. Sie managt nicht nur die Geschicke von Vorarlbergs größtem Immobilieneigentümer F. M. Hämmerle. Derzeit verhandelt sie intensiv um die Weiterführung der Spinnerei Feldkirch und wurde gerade zur Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer gewählt.

Gratulation zur Wahl zur Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer. Was hat Sie bewogen, dieses Amt anzunehmen?

Kreuzer: Ich glaube, dass wir mit diesem Team einiges bewegen können. Wir sind schlagkräftig und in der Wirtschaft verankert. Manfred Rein hat eine Lücke hinterlassen und gute Themen angestoßen. Diese sollte man nun weiterführen und ausbauen.

Präsident Metzler hat über Sie gesagt: „Sie ist eine Persönlichkeit, die mitten im Leben steht und sich alles selbst erarbeitet hat. Mit Sicherheit ist sie keine Quotenfrau.“ Würden Sie das unterschreiben?

Kreuzer: Ich kann sagen, ich habe es wirklich aus eigener Kraft geschafft. Ich hatte mit Manfred Rein, Walter-Heinz Rhomberg oder Hermann Metzler Mentoren, die mich unterstützt und persönlich weitergebracht haben. Man braucht Mentoren, genauso aber auch eine Portion Glück. Und es braucht sehr viel Engagement. Ohne viel zu arbeiten, geht es mit Sicherheit nicht.

Sie arbeiten seit Studienabschluss in der Immobilienbranche. Wie hat sich das Geschäft in diesen Jahren verändert?

Kreuzer: Im Wohnbau haben die Normen überhand genommen und der Preis ist gewaltig in die Höhe gegangen. Bei den Jungen ist der Wunsch nach einer Eigentumswohnung auch nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Viele wollen lieber eine Mietwohnung, um flexibler zu bleiben. Künftig wird sich vor allem auch die Mobilität ändern. Im Rheintal oder in den Städten gibt es Mieter, die kein Auto haben und auf den öffentlichen Verkehr setzen. Im Gewerbebereich ist der Mietbereich, mit Ausnahme von großen, traditionellen Unternehmen, heute ebenfalls stärker. Gerade Jungunternehmer bleiben so flexibler.

Derzeit erleben wir einen stark erhitzten Markt. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Kreuzer: Der Markt ist momentan sehr überhitzt, und wenn sich die Zinssituation ändert, dann könnten viele Wohnungen wieder auf den Markt kommen. Denn die Preise sind enorm hoch. Es ist zwar Geld im Land und die Nachfrage ist derzeit höher als das Angebot, steigen aber die Zinsen, kann sich das drehen. Wann das sein wird, kann niemand sagen, denn wer hätte gedacht, dass wir jemals Negativzinsen haben würden. Wichtig für uns ist deshalb, dass wir nicht nur reagieren, sondern auch vorausschauend handeln.

Sie führen eines der traditionsreichsten Unternehmen des Landes. Sind in dieser Position besondere Erwartungen zu erfüllen?

Kreuzer: Wir haben Gesellschafter, die noch im Unternehmen F. M. Hämmerle tätig waren. Die schauen natürlich genau auf uns. Ich glaube aber, wir haben uns in den letzten Jahren in die richtige Richtung entwickelt und haben vieles bewahren können. Wenn man sich Steinebach oder das Magazin in Dornbirn anschaut, kann man sagen, wir haben nicht nur Wohnraum errichtet, um gute Renditen zu erwirtschaften, sondern haben versucht, schönen, qualitativ hochwertigen Wohnraum zu schaffen. Wir können nur gute Mieter haben, wenn wir ihnen etwas bieten. Aber nicht nur das Unternehmen hat eine lange Tradition, sondern auch die Mitarbeiter sind schon lange dabei. Das ist auch eine gewisse Verpflichtung unseren Eigentümern gegenüber. Der Älteste, unser Archivar Franz Huber, ist seit 75 Jahren bei F. M. Hämmerle.

Welches sind die Herausforderungen im Tagesgeschäft als Vorstand des größten Immobilienbesitzers im Land?

Kreuzer: Lange Zeit war es die Vermietung, jetzt kommen die Projektentwicklung und der Neubau dazu. In den letzten Monaten ist jedoch die Spinnerei zu einem Großteil zu meinem Tagesgeschäft geworden. Das war auch emotional die größte Herausforderung. Die Schließung war sehr unangenehm, auch weil ich versucht habe, die Spinnerei gemeinsam mit den Mitarbeitern wieder auf Vordermann zu bringen, was uns leider nicht gelungen ist.

Wie gehen Sie persönlich mit einer solchen Situation um?

Kreuzer: Es ist sehr schwierig, wenn man ein Unternehmen schließen muss. Ich als Vorstand musste es machen, weil es in meinen Aufgabenbereich fällt. Das, was mir wahnsinnig wehgetan hat, war, Mitarbeiter entlassen zu müssen, die schon ewig lang im Unternehmen waren. Es war sehr emotional, und es sind viele Tränen geflossen. Wir haben mit vielen möglichen Interessenten gesprochen und die Gespräche mit einem laufen nach wie vor. Ob es funktioniert, weiß ich nicht, aber ich bin mit vollem Engagement dabei, damit es zu einer Weiterführung kommt und die Mitarbeiter, die heute noch keinen Job haben, die Möglichkeit bekommen, weiterzumachen.

<p class="caption">Steinebach war früher eine Textilfabrik. Heute ist es ein Beispiel dafür, wie Immobilien zu hochwertigen Quartieren entwickelt werden.</p>

Steinebach war früher eine Textilfabrik. Heute ist es ein Beispiel dafür, wie Immobilien zu hochwertigen Quartieren entwickelt werden.

Ich bin sehr stolz auf mein Team. Wir arbeiten Hand in Hand. Das ist ein Glücksgriff für uns alle.

Kennzahlen

» Gegründet: F. M. Hämmerle 1836, Holding ab 1983 F. M. Hämmerle Beteiligungs AG, 2000 Aufteilung in Holding und Textilgesellschaft

» Mitarbeiter: 7

» Tätigkeitsbereich: Immobilienverwaltung und -entwicklung

» Bestand: 550 Wohnungen, Gewerbepark Steinebach und Magazin in Dornbirn, Spinnerei Feldkirch, Bürohäuser in Wien und Kapstadt, Immobilien in der Schweiz, 230 Gewerbeobjekte, rund zwei Millionen Quadratmeter Grund, Kraftwerke.

Zur Person

Petra Kreuzer

Vorstand F. M. Hämmerle Holding AG, geschäftsführende Gesellschafterin ­Kreuzer Immo Solution

Geboren: 23. 4. 1970

Ausbildung: Betriebswirtschafts-Studium in Innsbruck

Laufbahn: 1995–1998 Prokuristin bei einem Wohnbauträger; 1998–2004 Vertrieb von Wohnbauprojekten, Abteilungsleiterin Projektentwicklung Gewerbe­bereich bei Rhomberg Bau; 2004–2010 Geschäftsführerin S-Immobilien; seit 2011 GfG Kreuzer Immo Solution; seit 2014 Vorstand F. M Hämmerle Holding

Familie: verlobt

Vom Textilkonzern zum Immobilien-Entwickler

Seit 180 Jahren schreibt F. M. Hämmerle Vorarlberger Wirtschaftsgeschichte. 

Dornbirn. (VN) Im Jahr 1836 schritt Franz Martin Hämmerle zur Tat. Er gründete einen Betrieb zur Herstellung von Textilien. Zuvor sondierte er die Chancen und Möglichkeiten, die in Dornbirn ideal waren. Für Strom sorgten die zahlreichen Bäche, die geografische Lage ermöglichte neben der Bedienung der Märkte in den Kronländern auch Exporte nach Deutschland und in die Schweiz. Das Unternehmen wuchs rasch, die Qualität war sprichwörtlich und wurde bei der Weltausstellung 1873 in Wien beklatscht. Hämmerle baute mehrere Werke im Land, die dazugehörenden Kraftwerke und beschäftigte 1986, im 150. Jahr des Bestehens, 2100 Mitarbeiter. Die wohnten sehr oft in firmen­eigenen Siedlungen und Wohnungen. Doch der 150. Geburtstag war schon überschattet vom Strukturwandel. In Asien und einigen europäischen Ländern wurden Textilien einfach günstiger produziert. Bereits 1983 stellte die Unternehmensführung die Weichen für die Zukunft. Das Traditionsunternehmen wurde in eine Holdinggesellschaft, die F. M. Hämmerle Beteiligungs AG, umgewandelt. Im Jahr 2000 wurde die F. M. Hämmerle Beteiligungs AG in die beiden Betriebsteile F. M. Hämmerle Holding AG und F. M. Hämmerle Textilwerke AG aufgeteilt. Die letzte Textilfabrikation, die Spinnerei Feldkirch, schloss Ende September. Eine Weiterführung mit anderen Eigentümern steht nach wie vor im Raum, ist aber noch nicht abgeschlossen.

Auf Erbe aufgebaut

Die Holding konnte auf das Erbe des Textilkonzerns aufbauen und ist heute der größte international tätige Immobilien- und Liegenschaftseigentümer in Vorarlberg. Aktuell verwaltet die Holding 550 Mietwohnungen, bebaute und unbebaute Liegenschaften, Kraftwerke und Wälder, weitere Immobilien sind in Wien, in der Schweiz und in Südafrika. Für die nächsten Jahre sind rund 400 weitere Wohnungen in Planung und Bau. Der größte Gewerbepark im Portfolio ist das Quartier Steinebach. Die Haupttätigkeit liegt in der Entwicklung des eigenen Immobilienportfolios zu hochwertigen Quartieren und im Erwerb von bebauten und unbebauten Liegenschaften.

Mit Bike an den Gardasee

Dornbirn. (VN) Petra Kreuzer weiß, dass eine Auszeit wichtig ist, auch wenn sie das Entwickeln von Immobilien als ihr Hobby bezeichnet und deshalb sehr gerne arbeitet. Sie sportelt gerne, weil man dabei den Kopf frei bekommt für neue Ideen. Sportlich ist sie durchaus ambitioniert. Sie hat bereits die Transalp mit dem Mountainbike von Dornbirn an den Gardasee bewältigt oder war Skifahren im Kaukasus.

Mountainbike-Touren machen kann sie direkt von ihrer Haustüre in Kehlegg weg, ohne zuerst ins Auto steigen zu müssen.

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