IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG!
Hier klicken und mitmachen!

VN-Interview. Schauspielerin und Drehbuchautorin Emma Thompson (57)

Ein kämpferischer Geist

Emma Thompson spielt im Drama „Jeder stirbt für sich allein“.

Berlin. (VN-lh) Momentan ist sie in der Komödie „Bridget Jones’ Baby“ zu sehen. In „Jeder stirbt für sich allein“ (Österreich-Start am 18. November) verkörpert sie die einfache Berliner Bürgerin Anna Quangel, die mit ihrem Mann gegen die Nazis revoltiert.

War es eine große Herausforderung, Anna Quengel zu spielen?

THOMPSON: Sie überzeugend zu spielen – denn sie war eine einfache Frau ohne höhere Bildung und wurde von ihrer inneren Reinheit und ihrem Gewissen zum Widerstand getrieben. Es ist auch eine Geschichte über Liebe und Ehe. Denn Anna und Otto Quangel hatten sich mit den Jahren auseinander gelebt, indem sie aber nun gemeinsam für etwas kämpfen, wofür es sich zu kämpfen lohnt, entdecken sie ihre Liebe aufs Neue.

Wie sehr waren Sie mit der deutschen Geschichte vertraut?

THOMPSON: Ich wurde 15 Jahre nach Kriegsende geboren, unsere Kenntnisse waren von den Eltern geprägt. Irgendwie erlebte ich auch eine „Gehirnwäsche“, denn wir sahen ja als Heranwachsende nur Filme mit vielen tapferen britischen Helden. Erst bei den Recherchen zu diesem Projekt und nicht zuletzt durch den Autor Hans Fallada wurde mein Interesse für die anständigen Menschen geweckt, die inmitten einer fürchterlichen Zeit anständig bleiben wollten und konnten. Auch für die Menschen im Polizeiapparat und der Justiz. Institutionen, die ja über Jahrhunderte geschaffen wurden, um für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen und auf einmal von brutalsten und schwachsinnigsten Auswüchsen der Menschheit „auseinander genommen“ wurden.

Wie gut, dass das alles vorbei ist. Oder?

THOMPSON: Von wegen. Lesen Sie einmal ein Essay mit dem Titel „The Bureaucracy Of Homicide“ aus dem Buch „Protest and Survive“. Lesen Sie, wie FBI und CIA mit Knopfdruck Drohnen in Bewegung setzen und viele, viele Meilen entfernt Menschen killen, mit denen wir nie Streit hatten. Lasst uns also nicht glauben, gewisse Dinge wären Vergangenheit. Sie passieren im Hier und Jetzt. So wie Anna und Otto ergeht es heute auch uns.

Sie gelten als sehr kämpferische Frau?

THOMPSON: Das hat auch Regisseur Vincent Perez gesagt. Stimmt schon. Ich muss mich immer wieder wegen Missständen aufregen.

Wie sind Sie Schauspielerin geworden?

THOMPSON: Diesen Entschluss habe ich mit 16 gefasst, nachdem ich eine fantastische Aufführung gesehen hatte. Da kam ich diesem Beruf nicht mehr aus. Und ich fürchte, meiner jetzt 16-jährigen Tochter Gaia wird es ähnlich ergehen.

Sie sind die einzige Person, die den Oscar sowohl als Schauspielerin („Howards End“) wie auch als Drehbuchautorin („Sinn und Sinnlichkeit“) erhalten hat. Wo liegt der wesentliche Unterschied?

THOMPSON: Als Schauspieler ist man immer subjektiv, als Autorin immer objektiv. Jedenfalls ist es ein wunderbares Gefühl, wenn einem als Autorin etwas besonders gut gelungen ist.

Haben Sie sich auf „Jeder stirbt für sich allein“ speziell vorbereitet?

THOMPSON: Wir begannen bereits einen Monat vor Drehbeginn mit Proben. Das war sehr wertvoll, denn so kannten wir viele Bewegungsabläufe und die „Temperatur“ gewisser Szenen schon, bevor noch die erste Klappe gefallen war. Und ab 24 Stunden vor dem Drehen nicht zu lächeln. Anna Quangel hatte ein hartes Leben. Das sollte man ihr ansehen. Lächeln, das ist nun einmal so, ändert die Muskulatur und schafft vorübergehend einen gewissen Eindruck von „Wohlergehen“ im Gesicht.

Es ist auch eine Geschichte über Liebe und Ehe.

Emma Thompson
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.