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VN-Interview. DI Otmar Bitsche (59), Leiter Entwicklung Elektrik, Elektronik und Elektromobilität bei Porsche in Weissach

Feldkircher baut Porsche der Zukunft

von Michael Gasser
Otmar Bitsche ist in Feldkirch-Tosters aufgewachsen. Nach dem Studium an der TU Graz führte sein beruflicher Weg rasch in den Automobilbau. Heute leitet er die Entwicklung Elektromobilität bei Porsche. Fotos: VN/Steurer

Otmar Bitsche ist in Feldkirch-Tosters aufgewachsen. Nach dem Studium an der TU Graz führte sein beruflicher Weg rasch in den Automobilbau. Heute leitet er die Entwicklung Elektromobilität bei Porsche. Fotos: VN/Steurer

Tesla-Konkurrent kommt 2020 und trägt die Handschrift eines Vorarlbergers.

Stuttgart. Anfang der 90er-Jahre hat Otmar Bitsche bei Steyr-Daimler-Puch einem Fiat Panda ein Elektro-Herz eingepflanzt. Seither lässt den gebürtigen Feldkircher die Elektromobilität nicht mehr los. Heute verantwortet er die Entwicklung von Elektroautos des Sportwagenherstellers Porsche. Mission E, der 2020 auf den Markt kommt, soll sein Meisterstück werden. Er wird die Antwort des deutschen Herstellers auf das Model S von Elektropionier Tesla.

Sie arbeiten am Porsche der Zukunft. Was wird er können?

Bitsche: Wir haben mit der Mission E eine Idee gezeigt. Das Serienmodell wird sehr nahe an dem sein, was auf der IAA in Frankfurt 2015 zu sehen war. Wir haben uns sehr genau angeschaut, was die Kundenerwartungen in diesem Segment sind. Die Reichweite muss mindestens 500 Kilometer betragen. Und die Kunden wollen nicht nur schnell fahren, sondern sie wollen auch schnell laden. Mit diesem Thema haben wir uns intensiv auseinandergesetzt und uns für die 800-Volt-Technologie entschieden.

Sie wollen Ladezeiten in der Größenordnung eines normalen Tankvorgangs erreichen – also nur wenige Minuten?

Bitsche: Wir wollen in unter 20 Minuten 400 Kilometer Reichweite nachladen. Ein typischer Tankvorgang dauert heute bis zu 15 Minuten. Da kommen wir in eine ähnliche Größenordnung.

Dazu braucht es aber entsprechende Lademöglichkeiten. Kümmert sich Porsche da selbst darum?

Bitsche: Wir arbeiten auch am Thema Ladeinfrastruktur. Wir sehen, dass mit rund 400 Schnellladestationen in Europa das Autobahnnetz abgedeckt werden kann. Wir werden auf jeden Fall darauf schauen, dass zur Markteinführung des Mission E eine entsprechende Infrastruktur mit ausreichender Leistung steht. Da reden wir von über 300 kW Ladeleistung. Dieses Thema wird gezielt vom VW-Konzern forciert. Mit welchen Partnern das umgesetzt wird, ist noch Gegenstand von Verhandlungen.

Sind solche Ladeleistungen bis in vier Jahren machbar?

Bitsche: Die Wettbewerber sind heute ungefähr bei einem Drittel der Leistung. Damit wir in diese Dimensionen vorstoßen können, brauchen wir zu den entsprechend großen Ladeleistungen Batterien, die das auch können. Voraussetzung dafür ist die 800-Volt-Technologie. Ohne sie wären so hohe Ströme nicht mehr beherrschbar.

Welchen Einfluss haben da die Erfahrungen aus dem Motorsport?

Bitsche: Wir haben im Motorsport erstmals gezeigt, dass die 800-Volt-Technologie eine sinnvolle Lösung ist, wenn man wenig Gewicht und hohe Leistung haben will. Die Technik hat sich im Rennsport bewährt und kann mit entsprechenden Adaptionen für die Großserientechnik übernommen werden.

Porsche steht für Emotionen und höchsten Fahrspaß. Wie lässt sich das auf ein Elektrofahrzeug übertragen?

Bitsche: Emotion ist natürlich erst einmal Design. Da hat Mission-E bereits Standards gesetzt. Und dann kommt es aufs Fahren an. Das Fahrzeug wird bis 500 kW Spitzenleistung haben und in drei Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Es wird auch in Sachen Fahrdynamik Maßstäbe für Elektrofahrzeuge setzen.

Wettbewerber wie Tesla schaffen den Sprint auf Tempo 100 schon jetzt in 2,7 Sekunden. Was muss Porsche besser können?

Bitsche: Schnell beschleunigen kann im Prinzip jeder. Da braucht man nur einen Elektromotor mit entsprechend viel Drehmoment ins Auto zu schrauben. Ein entscheidender Faktor ist die Wiederholbarkeit. Dass die Leistung nicht nur einmal abrufbar ist, sondern unter möglichst allen Betriebsbedingungen der Batterie bereitsteht. Sicherheit ist ein weiteres Thema. Es geht darum, dass das Auto nicht nur Längsbeschleunigung bietet, sondern auch entsprechende Querbeschleunigung. Also all das, was heute bereits einen Porsche ausmacht: Es geht nicht darum, nur einen fetten Motor hineinzuschrauben, sondern um den echten Spaß am Autofahren.

Gewicht ist ein entscheidender Faktor beim Fahrspaß. Wie ist Porsche da aufgestellt?

Bitsche: Wir freuen uns natürlich nicht über das große Gewicht der Batterien. Aber wir können gut damit umgehen. Die Batterie wird für einen idealen Schwerpunkt sehr tief verbaut. Wir werden sicherlich auch keinen Wettbewerb um die größte Reichweite mitmachen, sondern einen guten Kompromiss zwischen Batterie-größe, Leistung und Gewicht finden.

Die Batterieleistung ihres Elektroautos soll über 90 kWh liegen. Ist das schon das Limit?

Bitsche: Das ist der Zielwert, den wir für 2020 anfliegen. Die Batterieentwicklung ist nach wie vor sehr dynamisch. Zwei Jahre später kann man sicherlich wieder mit fünf bis zehn Prozent mehr rechnen. Da muss man dann eben überlegen, will ich immer mehr Reichweite, oder gehe zugunsten einer Gewichtsreduktion einen Schritt zurück.

Entwickelt Porsche eigene Batterien?

Bitsche: Zellfertigung werden wir nicht machen, wie wir heute für Verbrennungsmotoren auch keine eigenen Einspritzsysteme machen. Da gibt es gute Produkte am Markt, die wir zukaufen. So ähnlich ist das bei den Zellen. Aber das System, wie die Module ausschauen, wie daraus ein Batteriepack gemacht wird, der möglichst leicht und effizient ist und gut gekühlt wird – das machen wir selbst, weil da das differenzierende Know-how drin steckt.

Wollen Sie bei den Motoren weiter an der Leistungsschraube drehen?

Bitsche: Es gibt gewisse physikalische Limits, die noch Sinn machen. Die Frage ist ja, was der Kunde noch erleben kann. Das liegt bei der Beschleunigung in einer Range von 2,7 und 3 Sekunden. Ob der Kunde das im Alltag dann auch nutzt, ist eine andere Frage. Wichtiger ist, dass bei 150 km/h auf der Autobahn noch Beschleunigungsreserven vorhanden sind.

Der Aufsichtsrat hat bereits grünes Licht für Mission-E gegeben. Wie sind sie unterwegs?

Bitsche: Die ersten Aggregateträger fahren bereits auf den verschiedenen Teststrecken und werden auf Herz und Nieren geprüft. Bisher sehen wir nichts, das uns daran hindert, den Auftrag des Aufsichtsrats nicht zu erfüllen.

Was kann den Durchbruch der E-Mobilität jetzt noch verhindern?

Bitsche: Technisch kann man alles machen. Die größte Herausforderung ist das Laden und die Ladeinfrastruktur. Die Schnelllademöglichkeiten können wir selbst bereitstellen. Bei der Infrastruktur in Parkhäusern und in der Öffentlichkeit braucht es aber auch die Politik. Solange es die Ladeinfrastruktur nicht gibt, wird man den Durchbruch in der E-Mobilität nicht haben. Der Kunde wird kein Auto kaufen, wenn er es nirgends laden kann.

Vorarlberg ist Modellregion für Elektro-Mobilität. Beobachten Sie das Projekt?

Bitsche: Ehrlich gesagt, habe ich es bisher wenig verfolgt. Es wäre mir aber auch nicht aufgefallen, dass es in Vorarlberg eine flächendeckende Ladeinfrastruktur gibt, die barrierefrei zugänglich ist. Das ist das nächste Problem. Beim herkömmlichen Tanken kann jederzeit mit Kreditkarte bezahlt werden, beim Laden ist das aus unerfindlichen Gründen nicht möglich.

Nächste Woche: Wie Otmar Bitsche zu Porsche kam und welche Potenziale Plug-in-Hybride haben.

<p class="caption">VN-Motorchef Michael Gasser traf den gebürtigen Feldkircher Otmar Bitsche an einem Ort, wo nur selten Journalisten Zutritt haben: Im Forschungs- und Entwicklungszentrum von Porsche sprach Bitsche über den Porsche der Zukunft. Der Mission E (r.) soll 2020 als elektrischer Viersitzer auf den Markt kommen. „Erste Aggregateträger fahren bereits“, verriet Bitsche den VN.</p>

VN-Motorchef Michael Gasser traf den gebürtigen Feldkircher Otmar Bitsche an einem Ort, wo nur selten Journalisten Zutritt haben: Im Forschungs- und Entwicklungszentrum von Porsche sprach Bitsche über den Porsche der Zukunft. Der Mission E (r.) soll 2020 als elektrischer Viersitzer auf den Markt kommen. „Erste Aggregateträger fahren bereits“, verriet Bitsche den VN.

<p class="caption">Porsche Mission E trägt die Handschrift des gebürtigen Feldkirchers Otmar Bitsche, der in Weissach die E-Mobilitäts-Entwicklung leitet. werk</p>

Porsche Mission E trägt die Handschrift des gebürtigen Feldkirchers Otmar Bitsche, der in Weissach die E-Mobilitäts-Entwicklung leitet. werk

Die ersten Aggregateträger fahren bereits auf Teststrecken.

Otmar Bitsche

Zur Person

DI Otmar Bitsche

Leiter Entwicklung Elektrik, Elektronik, Elektromobilität bei Porsche

Geboren: 1957

Aufgewachsen: Feldkirch Tosters, Schulausbildung Gymnasium Feldkirch

Laufbahn: Elektrotechnik-Studium TU Graz, Berufseinstieg, 1990 Steyr-Daimler-Puch, 1996 Smart, 1997 bis 2012 Mercedes, jetzt Porsche

Familie: verheiratet, eine Tochter, pendelt zwischen Stuttgart und Graz

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