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Neue Wahl, andere Situation

von Johannes Huber
Wer das Rennen der beiden Kandidaten Alexander Van der Bellen (l.) und Norbert Hofer (r.) am 4. Dezember machen wird, bleibt offen. foto: apa

Wer das Rennen der beiden Kandidaten Alexander Van der Bellen (l.) und Norbert Hofer (r.) am 4. Dezember machen wird, bleibt offen. foto: apa

Wer wird Bundespräsident? Offenes Rennen zwischen Van der Bellen und Hofer.

Wien. (joh) Soll Österreich zu einem „Alpen-Mordor“ werden oder von einem „Gollum“ geführt werden? Laut dem grünen Kandidaten Alexander Van der Bellen und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache geht es bei der Bundespräsidenten-Stichwahl am 4. Dezember darum.

In Anspielung an den Bestseller „Herr der Ringe“ suggeriert Van der Bellen, die Republik könnte unter seinem Mitbewerber Norbert Hofer und dessen freiheitlicher Partei so düster werden wie die in dem Buch beschriebene Region Mordor. Was Strache wiederum „peinlich“ findet, aber wissen lässt, dass der Grüne eine so mitleidserregende Figur wie der ebenfalls in dem Werk vorkommende Gollum wäre.

Entscheidender Unterschied

Auf diesem Niveau ist vergangene Woche der hoffentlich letzte Wahlkampf um das nächste Staatsoberhaupt eröffnet worden. Wobei Van der Bellen eher Gründe zur Schwarz-Weiß-Malerei hat als Hofer.

Das zeigt jedenfalls ein Blick in die Analysen, die das Sozialforschungsinstitut SORA auf Basis von 1222 Wählerinterviews zum Urnengang am 22. Mai erstellt hat: Das wichtigste Motiv, Van der Bellen zu unterstützen, war damals nicht, dass er Bundespräsident werden sollte, sondern, dass Hofer als solcher verhindert wird. Bei diesem war dies anders; der Gegenkandidat war seinen Wählern nicht so wichtig. Und das ist ein entscheidender Unterschied: Van der Bellen lebt vor allem davon, dass ein Teil der Österreicher Hofer nicht haben will. Folglich muss er ein Stück weit damit arbeiten.

Und das weiß natürlich auch der FPÖ-Kandidat. Daher bemüht er sich, sich gemäßigter zu geben und weniger Angriffsflächen zu bieten – indem er seine Warnung, dass man sich noch wundern werde, was alles gehe, bedauert; indem er nichts mehr von einem „Öxit“, also einem EU-Austritt Österreichs, wissen möchte, oder indem er Kanzler und Vize nicht mehr so unverhohlen mit ihrer Entlassung droht, wie er das im Frühjahr getan hat.

Knappe Ausgangslage

Letztlich entscheidend werden am 4. Dezember zwei Dinge sein: Wie viele Österreicher gehen wählen? Und wie werden sich die verhalten, die am 22. Mai zu Hause geblieben sind?

Bei der ersten Stichwahl haben sowohl Van der Bellen als auch Hofer die Anhänger ihrer Parteien nahezu vollständig für sich gewonnen. Bei Leuten, die sonst SPÖ und ÖVP wählen, war die Sache nicht ganz so klar. Bei Sozialdemokraten lag Van der Bellen deutlich, bei ÖVPlern leicht vorne. 330.000 aus den Lagern der ehemaligen Großparteien fühlten sich aber weder zu ihm noch zu Hofer hingezogen. Sie zu mobilisieren ist daher für beide Präsidentschaftskandidaten umso wichtiger. Zumal die Ausgangslage denkbar knapp ist: Mit 2.252.517 Stimmen schaffte Van der Bellen im Mai um gerade einmal 30.863 mehr als Hofer.

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