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Kommentar

Peter W. Schroeder

Protest gegen Intoleranz

Der mit fremdenfeindlichen, rassistischen, sexistischen und antisemitischen Sprüchen zum Präsidentenamt gekommene Donald Trump bastelt sich seine Regierungsmannschaft zusammen, mit einer erschreckenden Versammlung ultrarechter Brüder im Geiste: Allesamt islamophob und rassistisch und auch „Juden-reserviert“, wie man so sagt. Stephen Bannon (Chefberater), Michael Flynn (Sicherheitsberater), Mike Pompeo (CIA-Chef) und Jeff Sessions (Justizminister und Generalstaatsanwalt) heißen die bislang ernannten willigen Helfer des längst nicht mehr nur pöbelnden Wahlsiegers. Und ganz viele US-Bürger (einschließlich etlicher ernüchterter Trump-Wähler) fragen sich: Kann man nichts dagegen tun?

 

Zuerst gingen in den USA Menschen lautstark protestierend auf die Straße. Was Wut, Enttäuschung und Schmerz von Demonstranten lindern kann, das Ergebnis einer demokratischen Wahl aber nicht umkehrt. Doch nach der „Nicht mein Präsident“-Bewegung kommt gegenwärtig die „Sicherheitsnadel-Revolution“ in Schwung: Als Zeichen des Protests gegen Intoleranz, Ausgrenzung und Hass stecken sich Prominente und „ganz normale“ US-Bürger als Symbol für ein friedliches Miteinander Sicherheitsnadeln an die Kleidung. Dies auch als Mahnung für „die da oben“, die Grenzen der Mitmenschlichkeit im politischen Handeln und im täglichen Leben nicht zu überschreiten.

 

In den sogenannten sozialen Medien ist nachzulesen, dass schon Hunderttausende von Amerikanern bei der sprachlosen Revolution mitmachen. Sie verfolgen bei ihrer Solidarisierung mit von Benachteiligungen, Behinderungen und Verfolgung bedrohten Menschen auch Eigeninteressen. Frei nach den Worten des in einem Konzentrationslager inhaftierten Pfarrers Martin Niemöller: „Erst gingen sie gegen die Sozialisten vor, und ich habe nichts gesagt, weil ich kein Sozialist bin. Dann gegen Gewerkschafter, und ich habe nichts gesagt, weil ich kein Gewerkschafter bin. Und dann kamen sie für die Juden, und ich habe nichts gesagt, weil ich kein Jude bin. Schließlich kamen sie für mich, und es war niemand mehr da, der für mich die Stimme erheben konnte.“

 

Die „Demonstration mit einem Accessoire“ folgt dem historischen Beispiel der Bevölkerung Norwegens, die während des 2. Weltkrieges als Zeichen des Widerstandes gegen die Besetzung ihres Landes und der nationalsozialistischen Verfolgung jüdischer Mitbürger und norwegischer Oppositioneller Büroklammern an ihre Kleidung hefteten. Der Massenprotest rettete viele Menschenleben.

 

Jetzt stellt sich in vielen Ländern – auch in Europa – mit den von Politikern geäußerten fremdenfeindlichen Rechtsaußen-Parolen die Frage der Beispielhaftigkeit der amerikanischen Sicherheitsnadel-Demonstration. Die Frage, ob nicht auch Menschen hier und dort wortlos für Moralität und Mitmenschlichkeit plädieren können. Und die damit zumindest noch nicht überzeugte Mitmenschen zum Nachdenken anregen.

Peter W. Schroeder, Washington

Ganz viele US-Bürger, einschließlich etlicher ernüchterter Trump-Wähler, fragen sich: Kann man nichts dagegen tun?

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