IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG!
Hier klicken und mitmachen!

Hintergrund. Johannes Huber über Grabenkämpfe in der Sozialdemokratie

Auch Häupls Schmäh hilft nicht mehr

Kanzler Kern braucht die Wiener SPÖ für einen Wahlerfolg.  APA

Kanzler Kern braucht die Wiener SPÖ für einen Wahlerfolg.  APA

In der Wiener SPÖ sind alte Konflikte aufgebrochen. Sie machen auch Kern zu schaffen.

Wien. Dem Wiener SPÖ-Chef und Bürgermeister Michael Häupl geht der Schmäh nicht aus: „Niemand ist gestürzt worden“, frohlockte er am Montag nach einer Parteisitzung: „Sie sehen mich in aller Pracht und Herrlichkeit.“ Und auch wenn das wörtlich genommen nicht ganz falsch war, wird ihm selbst bewusst sein, wie ernst die Lage ist: Der 67-Jährige hat seine Genossen nicht mehr im Griff. Sie sind vielmehr in Grabenkämpfe verstrickt.

Auf der einen Seite stehen die Vertreter der bevölkerungsreichen Flächenbezirke, die sich im Unterschied zu Häupl der FPÖ annähern wollen. Auf der anderen befinden sich die Funktionäre aus den kleineren Innenstadtbezirken, die mit Häupl verantwortlich für die rot-grüne Koalition in der Stadt sind. „Sowohl als auch“, ist da unmöglich; „entweder oder“, lautet vielmehr die Entscheidungsfrage. Zur Lösung hat zuletzt mit Christian Deutsch gar schon der ehemalige Parteigeschäftsführer Häupls Rücktritt gefordert.

Sorgen der Bundesvertreter

Nach der Gemeinderatswahl vor einem Jahr, als die SPÖ unter 40 Prozent abstürzte, während die FPÖ auf mehr als 30 Prozent kam, hat Häupl eine Parteireform angekündigt. Mehr als Lippenbekenntnisse („weniger sitzen, mehr bewegen“) gab es seither nicht und wird wohl auch nicht kommen: Im Winter will Häupl dem Vernehmen nach seinen Nachfolger präsentieren und gehen.

Erledigt sind die Probleme damit aber nicht; im Gegenteil: Zunächst einmal muss sich eine Persönlichkeit finden, die die Partei wieder einen kann. Ex-ORF-Chef Gerhard Zeiler wurde dafür ins Spiel gebracht, hat jedoch abgewunken. Und so lange die Funktionäre miteinander ringen, müssen sich auch Bundesvertreter Sorgen machen: Alexander Van der Bellen braucht sie bei der Präsidentschaftswahl; Sozialdemokraten aus der Donaumetropole waren im Mai seine gewichtigste Wählergruppe. Ähnlich geht es Kanzler Christian Kern: Die letzte große Landesorganisation seiner SPÖ ist die Wiener; bei Nationalratswahlen kann er also nur erfolgreich sein, wenn sie funktioniert.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.