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VN-Interview. Hildegard Breiner (80), Anti-Atom-Aktivistin und Russ-Preis-Trägerin

“Die Abstimmung zum Atomausstieg in der Schweiz betrifft auch uns”

Hildegard Breiner (2. v. r) war Teil der Vorarlberger Delegation vom „Menschenstrom gegen Atom“, der in der Schweiz demonstrierte.  burtscher

Hildegard Breiner (2. v. r) war Teil der Vorarlberger Delegation vom „Menschenstrom gegen Atom“, der in der Schweiz demonstrierte.  burtscher

Umweltschützerin Hildegard Breiner zu Risiken und Folgen eines möglichen Nuklearunfalls im Nachbarland.

bregenz. (VN-hrj) Die am Sonntag in der Schweiz durchgeführte Volksabstimmung zum geordneten Atomausstieg – Kernkraftwerke sollen nach einer Laufzeit von 45 Jahren stillgelegt werden – betrifft auch die Vorarlberger Bevölkerung. Denn die Schweizer betreiben fünf Reaktorblöcke an vier Standorten, die etwa 40 Prozent des Gesamtstroms im Land erzeugen.

Die Schweizer AKW sind die ältesten der Welt. Das Kernkraftwerk Beznau (KKB) im Kanton Aargau zum Beispiel ist seit 1969 in Betrieb. 1972 ging das Kernkraftwerk  Mühleberg (KKM) im Kanton Bern in Betrieb.

Hildgeard Breiner, seit dem Aufstand gegen das niederösterreichische AKW Zwentendorf in den 1970er-Jahren Anti-Atom-Aktivistin, bereiten diese „tickenden Zeitbomben“, wie sie die Schweizer Kernkraftwerke nennt, große Sorgen. Denn immer öfter treten Pannen und auch meldepflichtige Störfälle auf.

Wie groß ist das Risiko, dass ein Störfall in einem Schweizer Atomkraftwerk zur Nuklearkatastrophe führen kann?

breiner: Der brisante Zustand der Schweizer Altreaktoren, die nach heutigem Stand völlig unzureichenden Kühlsysteme, Risse im Reaktormantel und andere immer wieder heruntergespielte Unsicherheiten sind ein unberechenbares Risiko, auch für uns hier in Vorarlberg.

Welche Folgen könnte ein Atomunfall in unserem Nachbarland für die Vorarlberger Bevölkerung haben?

breiner: Da alle fünf Schweizer Reaktoranlagen nur etwa 140 bis 240 Kilometer von Vorarlberg entfernt sind, würde bei entsprechender Westwetterlage auch unser Land verstrahlt werden. Vorarlberg wäre dann in der dritten Evakuierungszone. Doch wohin sollen wir evakuiert werden? Und wann wäre eine Rückkehr möglich?

Was würde eine Evakuierung der Bewohner der angrenzenden Gebiete für die Vorarlberger Bevölkerung bedeuten?

breiner: Kann man sich denn überhaupt vorstellen, was es heißt, verstrahlte Menschen aufzunehmen, wenn man bereits um die Schwierigkeiten mit „normalen“ Flüchtlingen weiß und eigentlich selbst das Land verlassen sollte?

Der Präsident des Schweizer Energiekonzerns Axpo, Thomas Sieber, warnt vor einem enormen wirtschaftlichen Schaden durch Stromausfälle. Wird das bedeutenden Einfluss auf das Abstimmungsverhalten haben?

breiner: Natürlich haben die AKW-Betreiber mit Hilfe der besten Kommunikationsagenturen und unter Einsatz von Millionen Schweizer Franken alle Register der Angstmache gezogen. Hoffentlich weiß das Schweizer Volk aber auch, dass aktuell nur drei Reaktoren Strom produzieren. Beznau I – das derzeit älteste Kernkraftwerk der Welt – ist seit über eineinviertel Jahren außer Betrieb. Leibstadt, 1984 fertiggebaut, fällt seit einiger Zeit und noch bis mindestens Februar 2017 wegen beschädigter Brennstäbe aus.

Interessant ist, dass die Stromversorgung in der Schweiz trotzdem reibungslos klappt. Aber erst mit verbindlich festgelegten Abschaltdaten wird es einen Investitionsschub in die einheimischen erneuerbaren Energien geben. So wird die Schweiz auf den richtigen Weg in die klimafreundliche Zukunft gebracht.

Eigenartigerweise wollte übrigens die AKW-Betreiberfirma Alpiq ihre beiden unrentabel gewordenen jüngsten Atomkraftwerke Leibstadt und Gösgen (seit 1979 in Betrieb) an die französische Elektrizitätsgesellschaft Electricité de France (EdF) verschenken, aber dort hat man dankend abgelehnt.

Was erhoffen Sie sich von der Abstimmung in der Schweiz?

breiner: Ich wünsche mir sehr, dass sich das Schweizer Stimmvolk stark an der Abstimmung beteiligt. Ein Anruf aus dem Vorarlberger Nachbarland bei schweizerischen Freundinnen und Freunden sowie Arbeitskollegen könnte vielleicht noch die eine oder andere Ja-Stimme für den baldigen geordneten Atomausstieg bringen.

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