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Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

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Was bleibt, wenn alles schon gesagt, jede Plakatpose bereits präsentiert ist und der Wahlkampf dennoch andauert? Neben Negative Campaigning, wie die Amerikaner das Schlechtmachen des Gegners nennen, vor allem das Erreichen von Aufmerksamkeit durch die Unterstützung von überraschender Seite. So werden neben Vorwürfen und Angstparolen auch jede Menge Prominente in den letzten Tagen aus dem Hut gezaubert, die mit ihrer Bekanntheit und Kompetenz den Ausgang dieser Richtungswahl mitentscheiden sollen. Sollte das Ergebnis am Sonntag wirklich so knapp ausfallen wie vorhergesagt, zählt am Ende schließlich jede Stimme.

So strahlen Sportler und Künstler Signale zu jenen Bevölkerungsgruppen aus, die normalerweise die Politikseiten schnell überblättern. Bei Wissenschaftlern und Bürgermeistern will sich jeder Kandidat mit deren hohen Vertrauenswerten schmücken, und ehemalige Politiker sollen eine ideologische Vereinbarkeitserklärung ausstellen. Lauter Versuche, Unabhängigkeit, Überparteilichkeit und vor allem Präsidententauglichkeit zu symbolisieren, die, wenn sie schon nichts nutzen, zumindest nicht schaden können. Schließlich ist jeder Unterstützer recht, um zumindest unter Wählern im Gespräch zu bleiben.

Parteifunktionäre, die es allerdings bereits im ersten Wahlgang nicht geschafft haben, für den eigenen Kandidaten zu mobilisieren, werden wohl auch diesmal wenig Einfluss auf die Wahlentscheidung haben. Reinhold Lopatka hat daher höchstens seinen eigenen Parteichef überrascht, in Folge erzürnt und schlussendlich dessen Machtlosigkeit enttarnt. Damit tut sich der Klubobmann vielleicht im internen Match der ÖVP einen Dienst, der Partei sicher nicht und deren Wählern schon gar nicht.

Am Ende bleiben auch Spekulationen: Was wäre etwa gewesen, hätte Irmgard Griss die Stichwahl erreicht? Wäre es ihr besser gelungen, verschiedenste Wählergruppen hinter sich zu vereinen? Wäre ihr Vorsprung groß genug, sodass auch Meinungsforscher eine Prognose wagen könnten? Besonders interessant ist aber, dass Griss bei dieser Stichwahl nicht mehr gedrängt wurde, ihre Wahlentscheidung öffentlich zu begründen. Ihre Wähler aus dem ersten Wahlgang scheinen schon verteilt. Oder: Irmgard Griss ließ sich nicht drängen, weil sie ihr politisches Potenzial für die Zukunft nicht schmälern will. Denn ihre tatsächlichen Erfolgschancen kann sie nur bei einer Kandidatur mit einer eigenen Partei beweisen. Die Auflösungserscheinungen der ÖVP und das Liebäugeln der SPÖ mit der FPÖ könnten dafür eine große Zahl an Wählern in Bewegung setzen, die jenseits von landläufigen Populisten und Wiener Bobos nach Alternativen suchen. Die Zeit für Griss, sich zu entscheiden, wird allerdings knapp. Über den Termin der nächsten Wahl in Österreich wird ebenfalls bereits munter spekuliert.

kathrin.stainer-haemmerle@vorarlbergernachrichten.at
FH-Prof. Kathrin Stainer-Hämmerle, eine gebürtige Lustenauerin,
lehrt Politikwissenschaften an der FH Kärnten.

Was wäre etwa gewesen, hätte die frühere OGH-Präsidentin Irmgard Griss die Stichwahl erreicht?

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