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Auf dem langen Weg zum Frieden

20 Jahre nach Friedensschluss haben die Belfaster ihre Innenstadt zurückerobert.

reise. (srt/Robert B. Fishman) Fast 20 Jahre nach dem Friedensschluss bleibt Nordirlands Hauptstadt Belfast geteilt: Bis zu acht Meter hohe „Friedens“-Mauern trennen die katholischen von den protestantischen Vierteln. Doch in der Innenstadt hat die Zukunft begonnen. Die Menschen drängen in Kneipen, Cafés und Einkaufszentren. Jeden Abend spielen Bands. Musiker tun sich in den zahlreichen Pubs zu spontanen Irish Folk Sessions zusammen. Wer mag, kann irische Trommelkurse oder Tanzfeste, die Céilí, besuchen. Das ehemalige Hafenviertel hat die Stadt zur Museums- und Vergnügungsmeile umgebaut: Dort gibt es edle Wohnungen, Restaurants, einen Jachthafen, Geschäfte, einen Maritim- und einen Titanic-Trail, der das berühmteste Werk der Stadt multimedial in Szene setzt – den 1912 gesunkenen Luxusdampfer Titanic. „Es wird jeden Tag ein bisschen besser“, sagt ein ehemaliger IRA-Kämpfer, der jahrelang im Gefängnis gesessen hat.

Billy Scott kommt mit einem zwölf Jahre alten, rabenschwarzen Londoner Taxi vorgefahren. Der kräftige Mittfünfziger saß schon hinter dem Steuer, als Taxifahren in Belfast noch lebensgefährlich war. Der Krieg ist vorbei. Die Black Cabs genannten Autos der katholisch-republikanischen Taxigenossenschaft fahren immer noch. Wer an der Falls Road die Hand ausstreckt, wird mitgenommen. Inzwischen haben sich die Taxifahrer ein zusätzliches Geschäft erschlossen. Auf den Black Cab Mural Tours fahren sie Touristen zu den Schauplätzen des Bürgerkriegs. Billy, eher ein ruhiger Typ, taut auf: „Wir haben die Welt mit den Fernsehbildern unserer Probleme bombardiert“, sagt er lachend, „jetzt wollen die Leute die Originalschauplätze sehen.“ In seinem singenden Belfaster Dialekt erklärt der kräftige Kerl die triste Brache im Westen der Innenstadt: „Die Hochhäuser haben sie abgerissen. Nur das hier ist stehen geblieben.“ Er zeigt auf einen grauen, rund 20 Etagen hohen Wohnturm. „In den oberen beiden Stockwerken saß der britische Geheimdienst und überwachte das rebellische Viertel.“ Die Armee ist weg. Nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 bildeten Vertreter von Protestanten und Katholiken eine gemeinsame Regierung. Geblieben sind die Mauern – an den Straßen und in vielen Köpfen. An der Falls Road stehen zwischen grauen Gewerbebauten und Reihenhäusern

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