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Hamilton siegt, Krönung ist vertagt

Die beiden Mercedes mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg nehmen Anlauf in die erste Kurve – danach ging es rund: der Brite fuhr geradeaus weiter, der WM-Leader wurde von Max Verstappen gerempelt.  Foto: gepa

Die beiden Mercedes mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg nehmen Anlauf in die erste Kurve – danach ging es rund: der Brite fuhr geradeaus weiter, der WM-Leader wurde von Max Verstappen gerempelt. Foto: gepa

Rosberg beim Grand Prix in Mexiko auf Platz zwei. Strafe für Verstappen, Vettel erbt Rang drei.

Mexico-Stadt. Nico Rosberg bedankte sich in perfektem Spanisch bei den begeisterten Fans, das britisch-deutsche Gänsehaut-Podium auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez genoss er aber mit leicht verhaltener Freude. Nach dem zweiten Sieg binnen acht Tagen von Titelverteidiger Lewis Hamilton muss er mindestens noch zwei Wochen auf den so ersehnten möglichen WM-Triumph warten. „Er war zu schnell dieses Wochenende, da musst du dich einfach mit dem zweiten Platz zufrieden- geben“, sagte Rosberg.

19 Punkte Vorsprung

Der Deutsche rettete vor weit über 100.000 Zuschauern in der dünnen Luft von Mexiko-Stadt mit einer kämpferischen Leistung aber wenigstens den zweiten Platz hinter seinem britischen Mercedes-Teamkollegen. Gewinnt er nun das nächste Rennen in Brasilien, steht Rosberg mit 31 Jahren zum ersten Mal in seiner Karriere als Formel-1-Weltmeister fest. Hamilton wäre ein Rennen vor Saisonende machtlos.

Beim 19. Saisonlauf war Rosberg mit über acht Sekunden Rückstand allerdings gegen den Briten ohne Chance. Stattdessen musste er sich beim Großen Preis von Mexiko der heftigen Attacken des erneut wild fahrenden Max Verstappen im Red Bull erwehren. In einem nur auf den ersten Metern und phasenweise zum Schluss packenden Grand Prix fuhr Hamilton ungefährdet den achten Saisonerfolg und den 51. Sieg seiner Karriere ein. „Wahnsinn, diese ganzen Leute hier“, schwärmte Hamilton bestens gelaunt bei der Siegerehrung in einem Baseball-Stadion. Sebastian Vettel kam nach einer Fünf-Sekunden-Strafe gegen Verstappen nachträglich auf den dritten Platz.

Im WM-Klassement hat Rosberg nun 349 Punkte, Hamilton kommt auf 330. Der Brite holte in einer Woche 14 Punkte auf, aus eigener Kraft kann er gegen Rosberg den WM-Titel aber nicht mehr gewinnen. Rosberg reicht in Sao Paulo und Abu Dhabi jeweils der zweite Rang, um als dritter Deutscher nach Michael Schumacher (7x) und Vettel (4x) die Königsklasse des Motorsports zu gewinnen. Seinem Vater Keke war der Titel 1982 gelungen. Holt Nico in Brasilien acht Punkte mehr als Hamilton, ist er dort schon vorzeitig Weltmeister.

Obwohl Rang zwei auch in Mexiko ausreichte, war das für Rosberg vor dem Rennen keine Option. Er wählte die Attacke gleich auf den ersten Metern. Rund 900 Meter sind es auf dem Kurs in Mexiko-Stadt vom Platz eins bis zur ersten Kurve. Hamilton, in diesem Jahr schon oft schlecht gestartet, kam diesmal aber gut weg, zog in die erste Kurve, für Rosberg wurde es dagegen eng. Verstappen versuchte, sich innen vorbeizudrängen, der Silberpfeil und der Red Bull berührten sich. „Da kam ein Red-Bull-Kamikaze von hinten an und hat mich gerempelt“, kommentierte Rosberg. „Das ist natürlich auch für uns haarig“, betonte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Vorne verpasste zudem Hamilton den Bremspunkt, mit qualmendem rechten Reifen versuchte er, die Kurve zu kriegen. Er musste durchs Gras. Vom Gas schien er nicht zu gehen, zurück auf der Strecke führte er weiter an, auch Rosberg musste über die Wiese, reihte sich aber vor Verstappen wieder ein. Die Aktion des Niederländers wurde umgehend von den Rennkommissaren untersucht: Sie blieb ohne Konsequenzen.

Dem wilden Ritt an der Spitze folgte eine Karambolage im hinteren Feld, das Safety Car musste auf die Strecke. Vettel hatte schon vorher über einen sogenannten Bremsplatten geklagt, konnte aber weiterfahren und übernahm nach den ersten Reifenwechseln für einige Runden sogar die Führung, dahinter Hamilton, Rosberg und zunächst Daniel Ricciardo vor Verstappen.

Das Red-Bull-Duo tauschte aber die Plätze und Verstappen machte Jagd auf Rosberg. Endlich wurde es wieder aufregend. In Runde 50 war der Niederländer schon vorbei, Rosberg konterte aber das einmal mehr offensive Manöver des 19-Jährigen. Rosberg setzte sich ab. Danach versuchte Vettel an Verstappen vorbeizukommen. Gnadenlos hielt der Holländer dagegen, Vettel war fuchsteufelswild. Verstappen bekam Minuten nach der Zieldurchfahrt eine Zeitstrafe von fünf Sekunden. „Es ist lächerlich“, meinte Verstappen – verbal wie auf der Strecke gewohnt forsch.

„Er ist immer so frustriert“

Auch Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko verstand die Strafe ganz und gar nicht. „Es ist jammerschade, dass ein so tolles Finish so entwertet wird“, sagte er bei Sky: „In der ersten Runde ist Lewis Hamilton ebenfalls neben der Strecke gewesen und hat trotzdem seinen Platz behalten.“ Verstappen maulte derweil über Sebastian Vettel: „Er sollte mal zur Schule gehen und Sprachverhalten lernen, er ist immer so frustriert und schimpft so viel.“

Die Siegerzeremonie verzögerte sich, weil Vettel, zunächst Vierter, erstmal geholt werden musste. „Das war Adrenalin pur. Ich war erstmal enttäuscht, als ich über die Linie gefahren bin, jetzt hier oben zu stehen, ist fantastisch“, meinte Vettel.

<p class="caption">Lewis Hamilton lässt sich beim Grand Prix in Mexiko feiern. Der Weltmeister fuhr nach Austin zum zweiten Sieg in Serie. Foto: apa</p>

Lewis Hamilton lässt sich beim Grand Prix in Mexiko feiern. Der Weltmeister fuhr nach Austin zum zweiten Sieg in Serie. Foto: apa

Ein Red-Bull-Kamikaze kam von hinten und hat mich gerempelt.

nico Rosberg
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