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Riesiger Sarkophag für Atomruine Tschernobyl

Vor rund zwei Wochen wurde der Stahlbogen von 110 Metern Höhe, 165 Metern Länge und 257 Metern Breite in Bewegung gesetzt. EBRD

Vor rund zwei Wochen wurde der Stahlbogen von 110 Metern Höhe, 165 Metern Länge und 257 Metern Breite in Bewegung gesetzt. EBRD

Weltweit größte bewegliche Konstruktion soll Unglücks­reaktor für immer verschließen.

Prypjat. Wie ein gigantischer Käfer aus Stahl kriecht die neue Schutzhülle auf die düstere Atomruine Tschernobyl in der Ukraine zu. Ein robustes System aus Spezialschienen und Hydraulik schiebt das größte bewegliche Bauwerk der Welt beständig auf den 1986 havarierten Reaktor zu. An diesem Dienstag soll die mehr als 36.000 Tonnen schwere Konstruktion die markante Silhouette der Anlage verschluckt haben. Die neue Hülle wird dann feierlich übergeben. „Das ist der Anfang vom Ende des 30-jährigen Kampfes gegen die Folgen der Katastrophe“, sagt der ukrainische Umweltminister Semerak. 100 Jahre lang soll die neue Hülle den Austritt radioaktiver Strahlen verhindern sowie vor Umwelteinflüssen schützen. Die Hülle ergänzt einen Betonsarkophag, der von der Sowjetunion nach der fatalen Kernschmelze am 26. April 1986 eilig errichtet worden war und brüchig ist. Doch der gefährlichere Teil der Sanierung steht erst bevor. In einem ersten Schritt muss unter der mächtigen Stahlglocke der bisherige Sarkophag abgebaut werden. „Für die Aufräumarbeiten sind im Inneren der neuen Hülle unter anderem zwei fast 100 Meter lange Brückenkransysteme montiert. Die Kräne rollen auf Schienen am Boden sowie auf parallel verlaufenden Schienen an der Decke“, schildern die Organisatoren. Der entstehende Müll soll endgelagert werden. Technisch gilt alles als weitgehend ausgetüftelt. Das Problem ist die Finanzierung. Dem Vertrag zufolge muss die Ukraine die Arbeiten bezahlen. Solche Projekte übersteigen aber die Kräfte des zweitgrößten Flächenstaats Europas. Bereits der Bau der rund zwei Milliarden Euro teuren Hülle war nur durch 40 Geberländer möglich. Doch selbst wenn der Abbruch des 1986 erbauten Sarkophags gelingt: Experten vermuten in dem explodierten Reaktor noch etwa 200 Tonnen Uran, deren Radioaktivität für Menschen tödlich ist. „Für die Räumung gibt es bisher weder Geld, noch ein Konzept“, schrieb die Zeitung „Kommersant“.

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